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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-11-07 · 45 (7.11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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$emeinöeMatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG«;>.is Cimelndcblalt erscheint leden Freitag und wird len Mitgliedern der KeliRlonsKeincindc unentgeltlich urdi die Polt zugestellt - Schrlftlrltung:;emeinderabblner Gustav Cohn, Leipzig, Lohrstrafie 10 NUMMER 45 / JAHRGANG 6 FREITAG 7» NOVEMBER IOIO Anzelgrnverwaltung und Druck: Buchdruck erel August Pries Leipzig Bruderstr. 59 - I crnruf 700 06 - Postscheck Leipzig 53920 - Nachdruck nur mit QueUetH angäbe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Die Juden in den Kroatischen Ländern Von Dr. Lnvoslav Sil» (Zagreh). Viele meiner Glaubensgenossen werden freudig überrascht aufhorchen: Montignore Dr. Kran Hulic, Ehrendoktor «ler Zagreber Universität, der Wiederentdecker des altrömischen Salona, der l rneuerer des diocletianiachen Palastes, der „Heilige von Split" — ie ihn das dankbare Volk nennt , erbring! den Nachweis, rinU in Jona, im 3. Jahrhundert, eine eigene Judengemeinde bestanden hat. Als ich vor fünf Jahren das erstemal das große Qltick hatte, an seiner Seite das von ihm geleitete archäologische Museum in Spill und die Ausgrabungen in Salona zu bewundern, kam bald das Gespräch auf die Möglichkeit des Bestandet einer jüdischen Niederlassung in Dalmatien zur Zeit der römischen Kaiser. Der große (ielehrte wies darauf hin, dafl ihn bereits vor vierzig Jahren der Nestor der christlichen Archäologie, Don Johann de Kossi, ilaraul aufmerksam gemacht hat, daü die Bezeichnung „in lege saneta ihristiana" auf das Vorhandensein eines jüdischen Friedhofes in akma schlieBen lasse. Don Kran Hulic ermächtigte mich damals zwar nicht, diese VerlUtUngen zu veröffentlichen, weil er vorläufig hierfür noch keine •■stimmten Beweise halte; ich konnte aber bereits Kriö in einem, im ...Jevrejski Almanach" erschienenen programmatischen Artikel über «lio Notwendigkell der Erforschung der Geschichte der Juden in iigoslawion den Besuch bei Don Kran Itulic schilllern und seine Aufforderung au die jugoslawischen Juden publizieren, zu den Kosten er Ausgrabungen in Salona beizutragen, denn man werde dort viel ileressantes Material über die tieschichte der Juden finden. Seither erhielt ich von ihm wiederholt Briefe, die immer mehr ich! in diese Krag«' brachten. Auch ich meinerseits konnte dem! litten Gelehrten manche wertvolle Details und wichtige Nachweise ' i der jüdischen Literatur mitteilen. Die freudigste Überraschung aber war es für mich, als mich Ion Kran Itulic heuer gelegentlich seiner Itückkehr von Rogaika latina in meiner Bibliothek aufsuchte und mir freudestrahlend den iirstenabzug seines Artikels „Hebräische Denkmäler im römischen almalien und der jüdische Friedhof in Salona" überreichte. Sein USdlÜckUcher Wunsch dabei war, daü ich dieses grolle KesultSl •iner Forschungen auch der grollen jodischen Well mitteile. Ich bin fest überzeugt, dafl die im Zagreber „Zidov" mit Original- )>bildungen versehenen Mitteilungen überall das grüßte Aufsehen regen werden und da es sich ja um ein rein wissenschaftliches bema handelt wohl auch im Leserkreis«' dieser Zeitung Interesse : w ecken. Klavius Theodor, der Administrator der Stadtgemeinde in Salona. egräbl am 29. November 'Ml seinen Sohn Peregrinus im „locus •pulturae legis sauetae chrislianae". Dr. K. Egger schreibt in seinem ItrJli erschienenen Werke „Der Itchristliche Friedhof Manaslirine, bearbeitet von Ii. Kgger nach lern Materiale Bulic". daß es in Salona eine Kolonie Griechen semitii her Abstammung gegeben habe, die dem Christentums augehörten. dafl aber die Bezeichnung „legis sanetae chrislianae" noch nicht auf das Vorhandensein eines jüdischen Friedhofes schließen lassen mflsse. Don Itulic dagegen ist anderer Meinung: Kr beruft sich auf den im Zagreber Museum aufbewahrten Grabstein des Juden Aurelius Dionysus aus Tiberias, der in Vratnik bei Senj, weiters auf einen Achat, der in Bosnien aufgefunden wurde, und welch letzterer in griechischer Sprache den dreifachen hebräischen (iottesnamen „Ihwh Adonai Elohenu" aufweist. Das archäologische Museum in Split besitzt eine Gemme mit einer deutlich erkennbaren Menorah. Eine ähnliche Abbildung befindet sich auf einer Tonlampe, die mau 1927 in der Umgebung der siadt Benkovac in Norddalmatien gefunden hat. Es ist schwer anzunehmen, dafl diese Gegenstände hierzu kommen noch eine weitere Gemme und eine zweite Lampe, alle mit der Menorah versehen - - von Reisenden stammen, die im 4. Jahrhundert n.Chr. zufällig in diese Gegend gekommen waren, vielmehr erscheint es wahrscheinlicher, dafl dort eine ständige jüdische Gemeinde bestanden hat. Das wichtigste Beweismoment ist aber für Bullt der Teil eines Sarkophags, welcher tsits durch die archäologische Gesellschaft Bilme zunächst der Sliftungskirche der kroatischen Königin Jelena, der Gemahlin König Kresimir II., gefunden wurde. Diese Kirche liegt KMI in südlich der l'erimetralmnuern des alten Salona. - -14 cm hoch, HU cm breit sieht man deutlich eine massiv ausgearbeitete Menorah. bekanntlich der Leuchter im großen Tempel zu Jerusalem, wie er auch auf dem Titus-Bugen abgebildet ist. Hier befindet sich größter Wahrscheinlichkeit nach der alte jüdische Friedhof, allerdings etwa Kl 211 m lief unter dem heutigen Niveau. Ist ja doch von Salona wie Don Krau Hulic erzählt noch nicht der fünfzigste Teil ausgegraben und es bedarf munilizcntcr Spenden seitens des Staates oder privater Mäzene, um die beim Ansturm der Avaren im ti. Jahrhundert von den Bewohnern verlassene und dann später verschüttete größte römische Stadl au der Ostküste der Adria wieder erstellen zu lassen, wie dies gegenwärtig im vollsten Umfange durch die italienische Regierung in Pompe! Heroulanum und auch im allen Koni geschieht. Vor einigen Jahren gab es allerdings eine große Regierung« Subvention für die Ausgrabungen in Salona: diese kam aber von Dänemark, «las einen Teil des für den Verkauf seiner westindischen Besitzungen erhaltenen Geldes für diesen Zweck widmete. Die Forschungsergebnisse sind kolossal und der jüdische Friedhof mit seinen Sarkophagen und Inschriften wird für die ganze wissenschaftliche Welt von beonderem Interesse sein. Wohl gibt es im allen Rom, auf einigen süditalionischeu Inseln und in einigen Städten Süditaliens jüdische Gräber aus jener Zeit, aber bloß in den Katakomben, während es einen freien jüdischen Friedhof aus der römischen Zeit in ganz Europa nicht gibt. Im „Jahrbuch des Morgenblatt" (l'.l'.'H) habe ich meinen leider letzten Besuch beim zweiten Ehrendoktor unserer Universität, dem

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