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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-10-31 · 44 (31.10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
44 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 41 dlger Auseinandersetzung mit der philosophischen Forschung sei religiös geboten, in der heutigen von einer vielfach mir als Scheinblüte anzusprechenden religiösen Erneuerung lediglich verdeckten religiösen Erziehungskrise ist in der Pflege dieser Auseinandersetzung und der Gewöhnung der Jugend an sie durch Vermittelung religiös fundierter Führer der positiven Religion, vor allem dem Judentum, eine große, vielleicht eine letzte Chance in seinem Selbstbehauptungskampfe gegeben1 Lehrgänge für {Mdiseli-seziale Ausbildung und Fertbilduag für Sozialarbeiter, Rabbiner, Lehrer und in der Ausbildung zu diesen Berufen Stehende, veranstaltet von der Zentralwohlfahrtastelle der deutschen Juden und der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, .... ,„.,„.,, 2. L f Ii r g a u g \\ i n I e r 1880 81. Themen: Jüdische Religionsgemeinschaft und Wohlfahrtspflege (Rabb. Dr. Wiener und Rabb. Dr. Prinz). Einführung in die jüdische Wohlfahrtspflege und jüdische Sozialpolitik (Dr. Ollendorf! und Dr, Kreuzberger). Gesundheitsfürsorge für die jüdische Jugend (Dr. Stahl). Arbeitsgemeinschafl für jüdische Ersiehungsfragen (Dr. Hans Lubinski und Krau Oberin Berger), Soziologische und sozialpsychologische Grundlagen der Wohlfahrtspflege (Krau S. Wronsky). Kinfüln uiie, in die allgemeine Sozialarboit (Dr. Ullendorfl und Dr. Kreuzberger). Dauer des Lehrgangs: 10. November V.v.V) bis Mitte März 1981. Ort: Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin N 24, Artilleriestr. 14. — Anmeldungen, Auskünfte, LehrpUne bei der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen .luden. Berlin-Charlottenburg Kantstr. \'iH. Telefon: Bismarck um:! UHi."). Unsere Gemeinde Berichtigung] In Nr. l'J veröffentlichten wir einen Aufsatz „V l> e r \v i n d u n g des Nationalis m u I" von ■ Rabbiner Dr. 0old m a n n . den wir dem jüngst im Philo-Verlage erschienenen Buche ..Der Jude im deutschen Kulturkreis" entnahmen. Aus technischen (irunden halten wir einen kurzen Absatz am Beginne des betreffenden Kapitels [ortgelassen. Herr Dr Qoldmnmi legt Werl darauf, dal.l auf das Kehlen dieses Absatzes hingewiesen wird, in dem zum Ausdruck gebracht war. dafi in dem Schlußkapitel von der Oberwindung des Nationalismus und nicht von dem Kampf gegen ihn die Rede sein sollte. Verträge de- Herrn Rabbiner Dr. (■oliliiiaiin Wie im amtlichen Teil der vorliegenden Nummer bekanntgegeben wird, wird Herr Rabbiner Dr. (1 old mann in den Monaten November und Dezember eine Vortragsreihe Ober: ..Das Ostjudeni u in" halten. Der erste dieser Vortrage mit «lein Thema »Oese hichte" wird am Dienstag, dem n. November, um 20 Uhr im Scbulsaal der Höheren israelitischen Schule. Qustav-Adolf-Str. 7. 'lattlinden. Hilfivereia israelitischer Gewerbetreibender K.Y. Der Hilfsverein israelitischer Gewerbetreibender hat im vorigen Jahre 558 Kinder von Kopf Iiis Fuß eingekleidet. In diesem Jahre häufen sich die Anmeldungen für die Kinderbesehenkung, so dat.! der Verein mit einer noch größeren Zahl zu rechnen hat. I.eider sind die dem Vorstände für diesen /.weck zur Verfügung stehenden Mittel nur gering, und es ist dalier nötig, da Ii j e d e r ii s c Ii ■ e i u e n K r ä f l e n /. u m vollen Gelinge n dieses b e ■ o n ders wicht! g e n W erkes beisteuer t. spenden sind auf Postseheckkonto 52005 einzuzahlen. Ebenso können Sachspenden (aber nur neue Sachen) in der Geschäftsstelle des llilfsvereins Brühl 2411 abgegeben werden. Aul Anruf (18480) werden Spenden jeder Art gern abgeholt. Verband 'Mischer Krauen tür Palästina-Arbeit, Ort-gruppe Leipsig. Die schwierige Lage, in der sich <las Judentum heute befindet, hat es mit sich gebracht, daß auch bei den Fernstehendsten Probleme Interesse zu linden beginnen, die ihnen früher weitab lagen. Um an diese Probleme heranzuführen und sie möglichst von allen Seiten zu beleuchten, veranstaltet der Verband, der es sich zur Aufgabe gemacht hat. iie Krauen verschiedenster Richtungen für die Gesamtlage des Judentums ZU interessieren, eine Reihe von Diskussionsn:irhmittagen. Den Mittelpunkt der im Verbände erörterten Probleme bildet natürlich die Stellung der Krau: die Stellung der Krau zum Judentum, ZU allen Fragen, vor die sie als jüdische Krau, als jüdische Mutter i;estellt wird. Da die Ortsgruppe aus Zionistinnen und Nichtsionistinneu besteht und allen Mitgliedern gerecht werden will, ist sie bemüht, eine überparteiliche Aussprache zu ermöglichen. Der erste Diskus sionsnachmittag Andel Montag, den :t. November, t Uhr, im Hotel Königshof, Georgiring 1. statt. (Näherei siehe unter Vereinsnachrichten.) Unsere Jugend Die Fahnenweihe des Kritli llaolhu. Wahllag. Unaufhörlich rieselt ein feiner Heyen vom Himmel. Die Dörfer und Ortschaften, die wir durchziehen, um zu unserem Treff punkt bei Brandis zu gelangen, glauben, dafi wir Wahlpropaganda machen. Je nach Einstellung der Bewohner grüßt man uns mit Freundschaft oder der erhobenen Kaust des roten Frontkämpfer bundes oder mit Deutschland erwache, .Inda... Wir aber marschieren wohldiszJplinierl zum Treffpunkt. In uns ist Kampfes- und Feiertags Stimmung zugleich. Da stört uns kein verregneter Himmel, kein hässiges Geschrei. Wir wollen auch einmal nicht daran denken, dal' viele Menschen uns das Recht abstreiten zu kämpfen für die Gleich heil aller Menschen, gleich auf welchem Hoden wir stehen. Auch nicht daran denken, dal.l diese Menschen sogar in großen Teilen der Arbeiterschaft Platz haben. Wohl steigt es uns bitter auf. wenn wir sehen, dal! ein großer Teil des Proletariats noch nicht begriffen hat. welches große Unrecht man tat und immer noch tut. dal.i man uns ständig verfolgt und beschimpft, nur weil wir ein Volk sind und uns nicht aufgeben können. Und unsere Freunde in der sozialistischen Bewegung sind noch zu schwach, um die Freiheil aller Menschen ZU künden, noch ist die Well vidier Lug und Trug. Aber wir marschieren trotzdem, denn unser Wille ist stark, wir werden auch — umbrandet von Hafi -- kämpfen:.....ein jeder bei seiner Kahne, ein jeder bei seinem Stamme . . ." In diesem Geiste singen wir: „Suziona nei w'degel . . .'* Wir marschieren am Lagerplatz auf. es hat aufgehört zu regnen ISald beginnt ein lustiges Treiben, schon schwimmen Chawerim im Teich, wagehalsig klettern welche in den Steinbrüchen, schon steht das Geräte- und Beratungszelt, «Iie Kochmannschaften machen geheimnisvolle Geaichter — die Jüngeren Krach. Wir sind ja wieder einmal unter uns und wir leiten! — Pfiffe . . . Das Wettkochen hat sein Ende gefunden, die Chawerim aus Hameln, die. bekannt als gute Esser und Feinschmecker, das Kochgericht gebildet haben, verkünden die Sieger, und nun hört man nur noch ein behagliches Schmausen. Am Nachmittag treten die einzelnen (1 nippen zu Wellspielen an. die Holzmannschatten liehen auf die Suche, die Leitung ins Beratungszelt und unsere Musikanten noch einmal zu Proben. Abend. Ein riesiges Feuer ist entzündet. Wir sitzen im Kreis und singen unsere Niggunim. Haid laute und fröhliche, die von unserer Arbeil im Lande .lisrael künden — hald leise und traurige, die uns an das Leid im Ciolus und an unsere gefallenen Hehlen mahnen. Dann spielen zwei Geigen: für die Freiheil und den Frle- den. — Ein Cbawer tritt ans Feuer. Kr erzählt uns von dein Weg des Bundes. Aus einer neutralen Bewegung ward der JJWB. zum zionisti sehen und sozialistischen und schließlich zum chaliizischen Bund. Zehn Jahre hat der Hund zurückgelegt, nicht in Ruhe und Behaglichkeil, sondern im steten Ringen nach einer Vollendung. Wir sind klarer geworden. Aus romantischem Jugendbewegtsein wurde die Tat. die Verwirklichung. Unsere Kesten arbeiten im Lande. Schwer ist ihnen der Weg. Doch ol) sie Straßen bauen und Steine schleppen, oli sie aus versumpften Malariagegenden blühende Siedlungen schaffen oder ol> sie Handwerker, Lehrer oder Ärzte sind, in der Sladl oder dein Kibbui — immer sind sie stolze und freie .luden und Menschen. Wir gedenken Alfred van der Waide und Alice Kai», die beide eine heimtückische Krankheit mitten aus der Arbeit in Recbowotb uns entriß. Wir denken an alle, die im Kampfe um Krez fielen. — Weiter gehl unser Weg. Weiler wollen wir dienen der Befreiung unsere- Volkes, der Befreiung der Menschheit: — lodernd steigt auf einmal das schon halb niedergegangene Feuer zum Himmel unsere Fahne wird entrollt und leuchtet mit ihrem itot und dem goldenen Magen Dawid uns entgegen als Symbol unserer Arbeit für Krez .lisroel hao weilet, als Symbol einer freien und stolzen Menschheit! Das Feuer verlöscht. Aber in uns glimmt es weiter, glimmt weder, so lange wir um" sind, und das wollen wir sein, so lange wir leben leben für eine schöne Zukunft! Zi.

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