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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-10-24 · 43 (24.10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
43 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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24. Oktober 1930 GEMEINDERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 sentrlsche Politik der Zionistischen Organisation in den letzten Jahren habe wohl bewirkt, dafi gewisse politische und kulturelle Fragen der einzelnen Diaspora-Länder weniger eingehend behandelt werden konnten, sie habe aber gerade dadurch der Tendern der Zersplitterung in verschiedene Arbeitsgebiete die Tendeni der Einigung Im eichen Erei-Israels entgegengesetit. Die zionistische Organisation etrachte den Hechalui als die schönste, reinste und ehrlichste Verirperung der Erex-Israel-Arbeii in der Galuth. Für die Zionistische Organisation sei der Hechalui dasselbe, wie die zionistische Bewegung lr die Jewish Agency: Träger der lebendigen Forderung des jüdihen Volkes. In der kommenden Arbeitsperiode werde die Zlonistiche Exekutive Innerhalb der Jewish Agency energisch für die irderung einer stets wachsenden Aliiah eintreten. Kurl Blumenfeld, der Vorsitzende der Zionistischen Verinigung für Deutschland, führte aus: Der politische Zionismus ist i «einer Entstehung eng mit sozialen Vorstellungen verknüpft, Eine ue Gesellschaft sollte durch das ganse jüdische Volk In Palästina ■■.(•haIfen werden. Ilerzl sah voraus, daß auch .luden, die im Gallith li Lebensreform, sozialer Neugestaltung und Pioniertum keine Beehung hatten und von solchen Dingen auch naturgemäß nichts ssen wollen, das ihrem Wesen fremde neue Letten in Erez-Israel nil herbeiführen werden. Die Entwicklung hat bewiesen, dafi unsere politische Bewegung ihr Ziel mit Hilfe von Kreisen erreicht, die der Ideologie der Bewegung fern stehen und oft sogar gegen ihren Willen im Bannkreis der zionistischen Bewegung ihren Platl linden ind mitarbeiten. Was wir früher von der Lage der .luden unter den Völkern behaupteten, liegt heute klar vor aller Augen: der Ausschaltungsprosefi »ler .luden aus Gesellschaft und Wirtschaft. Der Versuch, die isitionen durch Assimilation zu halten, ist gescheitert. Die Erobeung der Freiheit und der eigenen Lebensgestaltung geschieh! in rez-Israel und nur dort. Der Prozeß der Verwirklichung dauert Jahrsehnte — keine allzu lange Zeil, gemessen an den Jahrtausenden .les (ialuth — und in dieser Zeit müssen zwei Voraussetzungen immer bestehen: Das unerschöpfliche Reservoir von Chalusim und die Kraft der Zionistischen Organisation, die politischen und finanziellen Erfordernisse zu beherrschen. Die schwierigste Autgabe für den Hechalui stellen Zeilen einer kleinen Alijah. In solchen Zeilen imml alles auf die Güte der zionistischen Ersiehung und auf die efe der menschlichen Durchbildung an. Eine Gewifiheil besteht für uns: Es gibt keinen anderen Ausweg den Zionismus, und der Irrtum, eine Lösung der Judenfrage als Nebenprodukt des Sieges einer allgemeinen Weltidee zu erhoffen, wird überraschend schnell offenbar. Aus dieser Erkenntnis kann ■ ler Hechalui Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin gewinnen, seine scharen verstärken und halten bis zum Beginn der Einwanderung in gröfierem Maßstäbe. Die zionistische Welt wird ihrer Aufgabe uir gewachsen sein, wenn der Wille zur Alijah in einer grofien halusorganisation sichtbar wird. Wenn zehntausende oder gar hunderttausende junger jüdischer Menschen unablässig nach Palästina Irängen, dann wird es der zionistischen Bewegung möglich sein, die Idische Well zur grOfiten Anstrengung ihrer Kräfte zu veranlassen. Ferner sprach Liebenstein für den Merkas Hechalui in "utschland. außerdem die Dolo^ationsführor der Poale Zion, Hltachith, Brith-Haolim, Techeleth-Lawan, Hasehomer Hasair, Qordonia, leiheil und des llechaluz llazair. Der Keren llajessod. der Kerenajemeth u.a. in. hatten den Kongreß schriftlich begrfifit. In der Vormlttagssitiung vom :t. Oktober erstattete Dobkin für den Merkas Olami den Rechenschaftsbericht. Der Mitgliederstand des llechaluz ist während der Berichtsperiode von 8000 zu Anfang 1928 auf 26000 Mitte 1930 gestiegen. Die Zusammensetzung des llechaluz wurde durch massenhaften Zustrom unorganisierter Arbeiterjugend, aus der heute die größere Hälfte der Mitgliederzahl besieht, völlig verändert. Die organisierte Hachscharah in den Institutionen des llechaluz umfaßt 4400 Chawerim, doppell so viel als in den vergangenen Jahren. Von diesen 4400 Chawerim waren 'i'j:ii In ständigen Kibbuiim, 1905 in Saison-Kibbuzim, 264 In eigenen Wirtschaften. In den letzton Jahren stellte der llechaluz!)(> Prozent der ganzen arbeilenden Alijah. Im Verlaufe der letzten zwei Jahre wurden 3900 Zertifikate für chaluiische Alijah ausgegeben, auf Grund welcher lliTS Menschen die Alijah angetreten haben. Die übrigen chaluslschen Organisationen (llechaluz Hamlsrachi, lirith Trumpeldor) sind an dieser Alijah nur mit ."> bis (I Prozent beteiligt. Der kibbuzistischen Organisationsform, In welcher die Alijah des llechaluz zu 7i> Prozent vor sich geht, hat die leichte Einfügung der eingewanderten Chalusim In die Wirtschaft des Landes ermöglicht. Die Alijah aus Westeuropa (Deutschland, Tschechoslowakei, Osterreich) hat befriedigende Fortschritte gemacht. Leider wird die Einwanderung von Chaluzoth durch die Regierung behindert. Der Merkas Olami hat für die Zwecke der Alijah gegen '20ooo Pfund aufgebracht. Seine Gesamteinnahmen vom 15.3.1926 Iiis 1.10.1930 betrugen 34300 Pfund. Die kulturelle Tätigkeil umfaßte die Herausgabe der Zeilschriften „Heatid", "Lehawoth", „Der junge .lüde", einer chaluiischen Bibliothek, eines Sammelbuchs und die Organisierung eines Weltseminars. Im Mittelpunkt der Diskussion, die nur in hebräischer Sprache geführt wurde, standen besonders die Fragen, die in der Auseinandersetzung der verschiedenen Richtungen im llechaluz im Vordergrund stehen. Wichtige Probleme, wie z.B. Fragen der Hachscharah (Ausbildung) wurden eingehend erötert. Die Arbeiterführer der vereinigten amerikanisch-jüdischen Gewerkschaft (die über 300000 Arbeiter umfallt), die vor einiger Zeit Palästina besuchten, bekundeten bereits auf dem vor kurzem In Berlin abgehaltenen „Weltkongreß für das arbeitende Palästina" ihre Bewunderung für die Leistungen Ihrer palästinensischen Genossen. Die Genossen aus Polen erwähnten u.a.. dafi unter den 50 000 Arbeitern, die in Polen in den jüdischen Gewerkschaften organisiert sind, immer größere Massen dein llechaluz beitreten. Der llechaluz muß die gesamten Aufgaben der Laborisle rung der jüdischen Massen in der Diaspora übernehmen und diesen Prozeß für Erez-Israel fruchtbar gestalten. Die Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Jugendbünden war besonders heftig bei der Erörterung von Ersiehungsfragen. Allgemein wurde anerkannt, dafi das Grundlegende unserer Bewegung - die Beziehung zur Arbeit, zur hebräischen Kultur, zur jüdischen Gewerkschaft Palästinas ..IIistadruth". zu den gemeinsamen kulturellen und sozialen Werten der Arbeiterbewegung — nicht vernachlässig! werden soll. In der Diskussion wurde vor allein betont, dafi die Kwuia das Ziel der gesamten chaluiischen Jugendbewegung Ist In einer Nachtsitsung wurden dann Beschlüsse über die Lage im Lande, in der llistadruth und im llechaluz getafit. Es wurde ein neuer Merkas olami gewählt, «lein die Genossen Bendori, Dobkin, Galiii, Levite, Scbapiro, Tabenkin, Chasan, Gurawits, Zwl Lurje, Praij, Grabowski. Lubianker und TarlaUower angehören. Nach Absingen der Internationale in hebräischer Sprache wurde der Kongreß geschlossen. Aus aller Welt Vladimir JaJwtUukj 50 Jahre. Wladimir .labotinsky. der Schöpfer des zionistischen Rovisioi s m u s und Präsident der Weltunion der Zionisten-Kevisionisten. ollendete am is. Oktober d. J. sein "'(). Lebensjahr. labotinsky wurde in Odessa geboren. Er trat schon lSiUI puhliistiach hervor und erwarb sich in der Folge als gläniender russischer chriftsteller und Stilist einen bedeutenden Namen. Schon in früher Ligend schloß er sich der zionistischen Bewegung an und nahm ,'iiter an mehreren Zionistenkongressen und au der Helsingforser ionterens der russischen Zionisten teil. Zu Beginn »los Krieges beründete er in Kopenhagen die Zeitschrift „Die Tribüne", in der er lie Idee verfocht, .luden müßten in freiwilligen Format innen für die lefreiung Palästinas vom türkischen .loch kämpfen. Aus den von Ischemal Pascha aus Palästina vertriebenen .luden bildete .labotinsky 915 in Alexandrien <'in Freiwilligenkorps, das England als besondere Formation mit eigener Fahne, die den Etagen David" trug, übernahm und zunächst bei den Kämpfen au!' Gallipoli als Maultier-Korps („Zion Mule Corps") verwendete. In London bildete .labotinsky aus russischjüdischen Freiwilligen in Whitechapel ein Regiment, die ...ludeans". dem er selbst als Leutnant angehörte. Diese „Legion" (Gedud) wurde an der Palästinatronl eiugesetst, aber nach dem Kriege wieder aufgelöst. Als 1920 Araber in Palästina blutige Demonstrationen gegen die Juden veranstalteten, organisierte .labotinsky eine jüdische Selbstwehr. Er wurde dafür von einem englischen Militärgericht zu 15jähriger Kerkerstrafe verurteilt und in der Festung Akko interniert, dann aber zusammen mit gleichfalls verurteilten arabischen Anführern begnadigt 1921 trat er in «lie zionistische Exekutive und in das erste Direktorium des Keren llajessod ein. trat aber schon 1923 wieder zurück, weil er die Politik der Exekutive gegenüber England für zu nachgiebig hielt. Fr begründete die Partei der Zionisten- Revisionisten als einen Sonderverbaiid innerhalb der zionistischen Weltorganisation, um in ihr für die Propagierung dos Herzischen

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