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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-10-10 · 41 (10.10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
41 (10.10.1930)
Date
1930-10-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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taieinö cblottr OER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGE-MErl N DE: ZU I JplD7|^M AMTLICH ES NACH RICHTEN BLATT Imlm I Ii« I \7 DER GEMEIN DEVERWALTUN&I Das Gemclndeblatt erscheint Jeden Freitag und wird den Mitgliedern der Kellglonsgemclnde unentgeltlich durch die Post zugestellt — Schriftleitung: I Cemelnderabblncr Gustav Cohn, Leipzig, LohrstraBc 10 L NUMMER 41 / JAHRGANG 6 FREITAG 10» OKTOBER IOIO Anzelgenverwnltung und Druck: Buchdrucker?! August Pries, Leipzig, BrOderstr. 59 - Fernruf 70006 - mtscfaccJc Leipzig 53920 — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet VERKLUNGENE FEIERN AM LAUBHÜTTENFEST Von Benjamin S e g e I Zur Zeil des Tempels in Jerusalem spielten sich am Ausgang des ersten Laubhttttenfestes zwei hochbedeutsame prachtvolle Zeremonien ab, die verdienen, näher besehrieben zu werden. Der König als Thoravorleser Volk K 0 n i Einmal in sieben Jahren, nämlich am Ausgang des Schemitah- Jahrea erschien der König von Israel in eigener Person am Vorlesepult der Thon im Tempel und truy vor versammeltem einige Partien aus dem Deuteronomium vor, namentlich die igS-Paraschah, die von der Installierung, den Hechten und den Pflichten des Königs handelt. (Deut. 17. 14-20.) Das hatte schon Moses angeordnet (Deut. 81, 10—18) . . . Im Frauenhof des Tempels wurde eine Himah (Podium) aus ilolz errichtet, auf dem der Köllig Platz nahm. Der Küster reichte die Rolle dem Oberhaupt der Tempelgemeinde, dieser dein Vize-Hohepriester, dieser dem Hohenpriester und dieser dem König, der König nahm die Rolle stehend in Empfang und las sitzend vom Anfang des fünften Buches beginnend einige ausgewählte Kapitel. Kr sprach a c h t Segenssprttche, wie der Hohepriester am Versöhnungstage, nur setzte er die Berachah für die Feiertage an Stelle jener für die Sündenvergebung. König Agrippa II., der väterlicherseits von Hemdes stammte, sobald er zu dein Verse kam „aus der Mitte deiner Brüder sollst du dir einen König setzen, du darfst keinen fremden Mann, der nicht dein Bruder ist, zum König über dich setzen", wurde er traurig, und es kamen ihm die Tränen. Das Volk jedoch tröstete ihn, indem es rief: „Sei getrost. Agrippa. du bist unser Bruder, du bist unser Bruder." Seine Mutter war nämlich eine Makkahäerin. (Vgl. Mischnah Sotah 7.T.) Das Freudenfest des Wasserschöpfens Laut Vorschrift der Bibel wurde manches Tieropfer von einem (iuUopfer (Nesech) hegleitet, das aus Wein und zuweilen aus Oel bestand. In das Mehlopfer wurde Oel getan. In vorbiblischer Zeit finden wir aber auch Wasser als (iuUopfer. Die Bibel kennt die Wasserlibation nicht. Dagegen erhielt sich dieser Brauch im Volke, und während des zweiten Tempels ward es sehr beliebt, wahrscheinlich weil es ein demokratisches Opfer war, auch den völlig Unbemittelten erschwinglich. Dein Priesleradel der Sadduzäer war es, wohl eben aus diesem Qrunde, ganz zuwider, auch weil die Opferpriester davon keinen Nutzen hatten. Die Pharisäer hatten das Prinzip, jede im Volke lebende mündliche Tradition, die nur der Thora nicht widersprach, zu respektieren und ihr in der Thora eine Stütze zu suchen. Das taten sie auch der Wasserlibation gegenüber (z. B. Thaanith 2a, f.). Ks ist heute nicht ganz klar, warum das Wasseropfer gerade am Lauhhüttenfest bevorzugt wurde und zwar beim Darbringen des täglichen Morgenopfers (Thainid). Vielleicht weil die Vorstellung herrschte, daU im Herbstfest im Himmel das Schicksal der Niederschläge für die kommende Jahreszeit entschieden wird. Möglich dall die Krneueruug dieses uralten Brauches während des babylonischen Kxils unter dem KinfluU der dortigen Umgebung stattgefunden hat. Auch der Brauch des Weidenklopfens scheint ja mit Bubylou zusammenzuhängen. — Von den l.ihutinnen wurde nur das Od auf das Feuer gegossen, der Wein dagegen wurde in einen silbernen Trichter geträufelt, der am Itande des Altars angebracht war und in dessen Untergrund führte. Das Volk erzählte sich, daU von diesem Trichter eine in der Urzeit eigens zu diesem Zwecke erschaffene Kinne bis in die tiefsten Tiefen der Unterwelt; führe, wohin die Li ball On floß. Daneben befand sich ein zweiter solcher Trichter mit einer etwas engeren Oeffnung für das Wasser. Beide leerten sich zur gleichen Zeit. Die beiden Abflüsse bieflen in der Volkssprache Schittin. Wie gesagt, waren die Sadduzäer gegen das Wasseropfer. König Alexander Jannai, der zugleich als Hohepriester fungierte und ein Anhänger der Sadduzäer war, schüttete (etwa um das Jahr HM» vor der üblichen Zeitrechnung) beim Opfern das Wasser nicht in den Trichter sondern zur F>de. Das Volk bemerkte das. und die Leute warfen ihm ihre Kthrogiin an den Kopf. Km Aufruhr entstand, der dem König das Leben gekostet hätte, wenn nicht die cilicischen und pisidischen Truppen gewesen wären, die in der Stadt garnisonierten und den Aufstand rasch unterdrückten. Seitdem rief mau jedem bei dieser Gelegenheit amtierenden Hohepriester zu: „Hände hoch!" damit man sah, daU er das Lihatiouswasser nicht wegschüttete. Man richtete es aber auch ein. da Ii fortab das Wasser für die Libation alle Tage, besonders am Abend des erstell Festtages aus dein benachbarten Ouellenhächlein Siloah mit grolier Feierlichkeit und lautem Jubel geholt wurde. Das war das volkstümliche Fest des Wasserschöpfe ns, das ganz Sukkot gefeiert wurde (Slmcbat belli ha schoebah). Die angesehensten und gelehrtesten Männer insofern sie nicht Sadduzäer waren, beteiligten sich aktiv daran... Am Uüsltage des Laubhütteiifestes machte man im Tempelbof 2 Tribünen IUrocht, eine höher gelegene für die Männer, eine tiefere für die Frauen. Fünfzehn Stufen führten von der einen zur anderen. Das Volk füllte tagsüber die Hullen. Am ersten Festtag, nachdem das tägliche Abendopfer gebracht war, ging es los. Sängerchöre in Begleitung von Musikinstrumenten aller Art, insbesondere von Flöten, stimmten Lieder an. Fröhliche Tänze wurden aufgeführt, besonders

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