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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Niimnn S YN AGOGEN J U BILÄUM Vor ftlnfundsiebslg Jahren weihte unsere Gemeinde ilir Gotteshaus. Darf auch an dieser Stelle nicht der Feier vorgegriffen werden, die;uis diesem Anlafl vom Gemeindevorstande vorbereite! ist. so soll doch das bedeutsame Ereignis hier ebensowenig mit völligem Schweigen übergangen werden. Unsere Zeit Ist an sich nicht dazu angetan, Festesstunden laut iniil jubelnd su begehen. Aber »las bat auch nie Im Wesen unserer Gemeinde gelegen. 1 sT'.' wurde die 25. Wiederkehr der Qrflndungstages der Gemeinde geleiert: durch Versendung einer ganz schlichten, fast nUchterneu Chronik der wichtigsten Vorginge innerhall) dieses Zeltraums an die Gemeindemitglieder. Eine Feier des 50jährigen Bestehens (1N!>7) hat augenscheinlich nicht stattgefunden; nichts ist über nie bekannt. Das 75jährige Bestehen wurde in schlichtester Form durch eine Festpredigt am Schowuosfeste lti'J'J begangen. Am 10. September 1!MI."> beging die Geineinde durch einen Festgottesdiensl den Tag des fünfzigjährigen Bestehens ihres Gotteshauses. In seiner Festpredigt gab Herr Rabbiner Dr. Porges einen Rückblick auf die Vergangenheit unserer Gemeinde. \\ BIM nunmehr dem 75jährigen Bestehen der Synagoge wiederum besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird, so geschieht dies wahrlich nicht aus Freude am Feiern. Aber es wurde als ein Bedürfnis empfunden, einmal einen Zeitpunkt aus dem Gleichschritt der /.eilen herauszuheben, und das Einst, das Werden, das .letzt und das Künftige im Leben unserer Gemeinde in einer stillen besinnlichen stunde zu betrachten. Diese 75 Jahre Geschichte unserer Genieindesynagoge sind zugleich die Jahre der Entwicklung unserer Gemeinde. Als IS.").") der Schlußstein am Bau der Synagoge gelegt wurde, war es eine kleine Schar (etwa SO jüdische Familien), die diesen Bau betrieben und vollendet hatten. Obergrofi stand das Haus da. gemessen an der Zahl der ständigen Beter; sein Ausmaß war durch die Zahl der zur Messe erscheinenden Juden bestimmt. In den Jahrsehnten ihres Beste!Da ist die Gemeinde gewachsen: nicht nur, dal.t sie die große Synn „i{. allein zu füllen vermag, neben ihr sind mehrere weitere Synau eil und eine Reihe von Betsäleu entstanden, jede mit ihrer besoml;•,.„ Betergemeinde. Denn auch das Bild der Gemeinde hat sich gewai n. Bestand bei der Errichtung der Synagoge Einmütigkeit Über die gottesdienstliche Form, in der in ihr Andachten gehalten we len sollten, weil zu jener Zeit die Mitglieder der Gemeinde übe instimmend dem religiösen Forlschritt huldigten, so traten hintei die während der Messen abgehalteneu traditionellen Gottesdienste < Uppen von religiös orthodox gerichteten .luden, die sich in L< ijg niedergelassen hatten; zuerst gering an Zahl, aber dauernd anwachsend. Und im gleichen Matte wie das äußere, gestaltete sich aucl dal innere Wachstum der Gemeinde, Größer wurden die Autgi len, ernster demgemäß auch die Probleme. Und am eindringlichsten wohl spricht der Ernst der Aufgab' Ohin unserer Gemeinde zu lösen ist, gerade in dieser Gegenwai zu uns. Es gilt, Gegensätze auszugleichen, durch gegenseitiges erstehen die Einheit der Gemeinde zu erhalten und zu vertiefen |\ gilt. Einrichtungen der Gemeinde, die gerade in der Not der Zeil hn gani besondere Dringlichkeit haben, aufrecht zu erhalten und unmöglich zu erweitern. Es gilt, wankende Gläubigkeit zu stützen, alte religiöse Werte zu erhalten, die Freude an der Lehre unserer Väter, den Stolz auf unsere (iemeinschaft zu festigen, oder, wo etw. >i> verloren gegangen sein sollten, wieder neu zu schaffen. Wenn wir das Jubiläum unserer Synagoge feiern, so soll dieser (■edenklag der Zukunft unserer Gemeinde und des Judentums im ganten dienen, soll dem Bewußtsein der Zugehörigkeit zu un erei Gemeinde und der freudigen Erfüllung der aus ihm erwachs, des Verpflichtungen einen neuen Impuls geben. G Die erste Synagogen- und Gottesdienstordnung Reglement der Leipzig-Berliner Synagoge 1845 (Akten der Jüdischen Gemeinde Berlin, S. 80) Mitgeteilt von Dr. ,1. Jacobson. Berlin. Vorbemerkung : Seit etwa 1S3Ö datierten die Bemühungen der i 11 Leipzig ansässigen Juden, eine Synagoge zu errichten, die zugleich den zahlreichen zur Messe erscheinenden Juden zur Abhaltung ihrer Gottesdienste dienen sollte. Maugels einer eigenen Betstätte benutzten sie das 1S20 von Hamburger und Berliner Juden begründete Betlokal des Vereins „Beth Jakob", in dein Gottesdienst „nach dem Muster de-, Hamburger Tempels" abgehalten wurde, anfangs in grö- Beren Sälen, z. B. im ..l'aulinum" der Universität, später im Hersensch en Hause in der Reichsstraße. Im Laufe der Zeit hatte es die Heteiehnung ..Leipzig-Berliner Synagoge" erhalten, obwohl die Berliner (ich durchaus die Verwaltung der Synagoge vorbehalten hatten. Hierade dieser Umstand wurde von den Leipzigern als besonders drückend empfunden und drängte nicht zum wenigsten zur Errichtung der Gemeindesynagoge). IM.") wurde die „Leipzig-Berliner Synagoge" nach dem „lleilbrunn" (Brühl 71) verlegt Den Synagogenvorstand bildeten damals die Berliner I. Meyer und Benny Käthe na u. der Hamburger Leopold B. 0 p penhe 1 in er und der in Leipzig ansässige .1 o Ii 11 Ii Opp e n D e i m e r. Das Übergewicht hatten also die Leipziger noch nicht erlangt. Drei Jahre später waren I. Meyer und L. B. Oppen heimer ausgeschieden, an ihre Stelle war der Leipziger Samson Fiel Sehl getreten Die drei Vorsteher Fleischt, .1. B Oppenheimor und Benny Rathenau waren auch Eigentümer des Synagogeninventars. Mit ihnen wurden nun Verhandlungen angeknüpft.' um die Synagoge in die Verwaltung der Gemeinde zu bringen. 1S4!» kamen diese Verhandlungen zum Abschluß, so datS die Synagoge im „lleilbrunn" als der erste (ieineimlegottesdienst in Leipzig bezeichnet werden muß. Danachfolgende ..Regit......nt". das der Leiter des Ges.imtarc hivs der deutsehen Juden. Herr Dr. .1. Jacobson, dankenswerterweise mitteilt, \erdienl demnach unser besonderes Interesse als die erste Synagogen- und Qottesdienstordnung der Li r Z i g e r (i e m e i II (I e. (i Reglement Die Pnrnassini und (iabaim der Leipzig-Berliner Synagoge. w Ii" von der Reichsstraße nach dem Brühl Nr. 71 (lleilhrunneti) ve egl worden ist, finden sich bei Eröffnung des neuen Lokals veranlaß! folgende Bestimmungen eintreten zu lassen, welche während des G< e* dienstes sowohl au Sabbath- und Festtagen, als auch an den Wo entagen, von den verehrliehen Synagogenmitgliedern zu beobachten ad, und es läßt sich um so mehr erwarten, daß jeder danach sich i tes, so wie es gebildeten Männern nur wünschenswert sein kann und aft wenn Ruhe und Ordnung die Feier des Gottesdienstes erhöhen. B e s t i ui in u n g e D, 1. Beim Eintritt in die Vorhalle ist die Einlaßkarte dem I'' iw vorzuzeigen, welcher auf das strengste angewiesen ist, nieinai leB, ohne Unterschied der Person, den Eintritt ohne eine solche Kai w gestatten. Es wird daher jedes Mitglied hierauf aufmerksam geil tH und ersucht, dem Portier die Eintrittskarte auch o Ii u e b e s o n < i Aufforderung vorzuzeigen. Die Karle lautet auf die Person, weiche eine Stelle in dei lioge bei dem Kassierer gelöst hat, und ist die Benutzung ders' " ' von einer anderen Person durchaus nicht gestattet. Hiergegen SSdelnde haben sich daher die Unannehmlichkeit selbst zuzusehre «S, wenn sie von dein Synagogendiener kontrolliert und zurechtgew -n werden. 'X Jede Karte trägt die Nummer desjenigen Platzes, welche! HS dem Interessenten gelöst worden ist. Der Synagogendiener ist b iSe

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