Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 33 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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.">. August 1930 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5;iun wahrhaft erfolgreiche Arbeit geleistet worden, wenn sich jeder •wüßt ist, wie sehr auch von ihm das Gelingen unserer Aufgaben »hangt. Der jüdische Jugendhund „Kranz Kosen/wein" ist der Träger der berptrfeiliohen Idee in Leipzig. Ich appelliere an das Gewissen Her! helfen Sie uns bei unserer Arbeit! Unterstützen Sie uns in •istiger und materieller Beziehung, damit der Aufschrei einer geullten jüdischen Jugend verstummen kann und Platz schafft einer eien Knergieentfnltung bei der Durchführung unserer Arbeit. Was sind nun die Hauptaufgaben? a) Kampf gegen den Nationalsozialismus, I)) Ausgestaltung der sozialen Hilfe, c) Arbeit für den überparteilichen Palästinaaufbau. Wenn wir diese Aufgaben als die hauptsächlichsten bezeichnet aben, so gilt es zu erkennen, wie wir sie bewältigen und die augenlickliche praktische Kolgerung der Stunde jederzeit ziehen können. 11 dem Versuche einer Beantwortung dieser Krage schließe ich mich n vielen an die Mitteilungen des Vorbandes an. n) B eklmpfung des Na11 onalsotiaIia m u s. Die theoetiaehe Behandlung dieses Themas umfaßt die Beschäftigung mit dem Vesen und der Geschichte des Antisemitismus in Deutschland, die Darlegung des nationalsozialistischen Programms und die grundsütziche Auseinandersetzung über die Methoden der Abwehr. Praktische \rbeit bedeutet im Augenblick: Einordnung in den Reiehstagswahl-;ampt. Sie erfordert ferner: Erziehung zur Abwehr nationalsozialistirher Angriffe, Herstellung einer Einheitsfront sämtlicher jüdischer Organisationen in diesem Kampfe. Aeußerst wichtig ist die Kinordung in die verschiedenen politischen Parteien zu unserer Interessenerfretung innerhalb dieser Parteien. Endlich Fühlungnahme mit ilchtJQdlachen Jugendorganisationen zwecks Aufklärung in deren leihen durch Vorträge und Ausspracheabende. b) Ausgestaltung der sozialen Hilfe. In München vurde ein besonderes Dezernat für „soziale Arbeit" mit dem Sitz in Merlin geschaffen. Unter der Leitung des Dezernenten. Herrn Waldenar Strauß, findet in diesen Tagen eine Vertrauensinännerbesprehung statt, die Anleitung zur praktischen Arbeit geben soll. Der theoretischen Erörterung müßte als Grundlage die oft schon vorgetragene Idee des bekannten, mitten in der sozialen Arbeit stehenden frankfurter JugendfflhrerS und Arztes. Dr. Gustav Löfflor, dienen, laß die Gerechtigkeit das grundlegende Prinzip jüdischer Haltung in ler Gegenwart sein müsse. Unter diesem Gesichtspunkt ist das Gebiet ler sozialen Kämpfe, der Verproletarisierung auch in unseren Reihen ler notwendigen Borufsumscliiehlung. dos Siedlungsgedankens, zu rörtern. Besondere Beachtung wäre der Situation der jüdischen Geneinden in Deutschland zu schenken, die infolge der Wirtschaft*- [luipte Konsequenzen für ihre weitere Arbeit ziehen mußten. Ich lenke an das West- und Ostjudenproblem. an die Wohlfahrtsarbeit in Ion Gemeinden, an die Stellung dos jungen (besonders wiederum des licht einheimischen) Juden in der jüdischen Gesellschaft. c) Arbeit für den Dberpartellic h e n Palästinalufbau. Der theoretische Teil umfaßt die Erörterung aller mit lern Palästinaaufbau verbundenen, weltanschaulichen und weltpolitischen Kragen. Jegliche Auseinandersetzung ist in Verbindung zu •ringen mit der Ableitung des Grundgedankens unter Berücksichtigung der Situation des jungen Juden in Deutschland. Als klärendes ieispiel möchte ich das Verhältnis zwischen Juden und Arabern in Verbindung bringen mit dem allgemeinen Minoritätensrhutz. Ferner wird die Auswirkung des Jewish-Agency-dedankens auf unsere inner- Qdische Situation in Deutschland zu besprechen sein. Wieweit hier ine praktische Arbeit möglich ist. muß der Einstellung jedes einseiien überlassen bleiben. Ich bin mir bewußt, daß das Aufzeichnen gerade dieser Aufgaben lichts Neues darstellt. Meine Vorschläge zur Durchführung bezwecken iur, die weiten Kreise, besonders in Leipzig, die unserer Sache bis ieute noch fern stehen, zu bewegen« daß sie die Laue der Dinge erennen und unsere Reihen füllen, da gerade wir. als auf üherp-irteiicher Grundlage aufgebauter Bund, das Sammelbecken aller fid i SCh interessierten Jugend sein sollten. Unsere Gemeinde Varnung! In den letzten Tagen werden Gemeindeniitglieder von Srhwind- •rn h< imgesucht. Diese rufen in später Abendstunde angesehene Haubensgenossen an, stellen ihnen dar, daß sie sich in größter Veregenhei' befinden und bitten, ihnen mit einein Geldbetrage auszu- INGER Nähmaschinen In altbewährten Güte ♦ Weitestgehende ZablunfJseKel chterun je n Mäßige Monatsraten SINGER NÄHMASCHINEN AKTIENGESELLSCHAFT Singer LUdv OburaU helfen. Sie bieten dafür Bilder an, die dem erbetenen Beirage an Wert gleichkämen. Zur Entgegennahme des (ieldes schicken sie dann Boten, die wohl eine Rolle überreichen, aber nicht mit dem in Aussicht gestellten Bild, sondern mit einem leeren Bildkarton. Es kann nur immer wieder davor gewarnt werden, auf solche Anrufe hin Unterstützungen zu gewähren. Die Erfahrung zeigt, daß sie ausnahmslos in betrügerischer Absicht geschehen. In gleicher Weise wird auch dringendst Vorsicht anempfohlen, falls der Anruf unter dem Namen eines der Herren (ieineinderahhiner oder anderer in der Gemeinde bekannter Persönlichkeiten geschieht; in all diesen Fällen möge man unmittelbar nach dein Anruf sieh vergewissern, ob er auch tatsächlich von demjenigen ausgegangen ist, dessen Name bei dem Anruf genannt wurde. Gottesdienst an den hohen Feiertagen. Der Hilfsverein israelitischer Gewerbetreibender wird wie alljährlich, so auch in diesem Jahre an den hohen Feiertagen im großen Saale des Zentraltheaters. Eingang Goltschedstraße. einen Gottesdienst veranstalten. Die Preise der Eintrittskarlen werden, den wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend, niedrig gehalten. Der Kartenverkauf beginnt am 1. September 1880. Gebetbücher für die (iemeindeiynagoge. Bekanntlich ist die in unserer Gemeinde benutzte Ausgabe des Gebetbuches von Dr. M. A. Goldsrhmidl seit längerer Zeit vergriffen. Rnhhinat und Genieindevorstand sind darum bemüht, in absehbarer Zeit Ersatz zu schaffen. Inzwischen macht sich jedoch der Mangel an solchen Gebetbüchern, besonders bei den Gottesdiensten in der Gemeindesynngoge. sehr fühlbar. Es ist anzunehmen, daß sich in Familien noch eine ganze Anzahl solcher Gebetbücher findet, die nicht benutzt werden. Ks soll deshalb an dieser Stelle die Anregung gegeben werden, solche Bücher der Gemeindesynagoge zur Verfügung zu stellen, damit sie dort bis zur Neuregelung der Gebetbuchfrage Verwendung finden. Amtliche Bekanntmachungen der israelitischen Religionsgemeinde iu Leipiig Durrhwaiidererfürsorge. Es zeigt sieh, daß tagtäglich durchwandernde Glaubensgenossen au den Türen unserer Gemeindeniitglieder vorspreehen. Wenn sie an die Gemeinde verwiesen werden, so erklären sie häufig, daß sie gar nichts oder nur Ungenügendes für sie tue. Das ist durchaus nicht der Fall. Es wird den Leuten in jedem Fall ausreichend und, was die Hauptsache ist, zweckmäßig geholfen. Nur solche Personen, die BerufsachliOrrer sind, werden abgewiesen. Unsere Fürsorgestelle ist bereit, unseren Gemeinilemitgliedern in jedem einzelnen Falle Auskunft zu geben. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Fürsorgeabteilung: G o 11 1 i e b. Aus dem Gemeindeamt Gemeindeamt Löhrstraße 10. Das Gemeindeamt ist für den allgemeinen Verkehr werktäglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Sonnabends und Sonntags werden nur dringliche Meldungen von 11 bis 12 Uhr entgegengenommen. Sprechzeit des Verwaltungsdirektors nur werktäglich von 9 bis 11 Uhr. Fernsprech-Nr. des Gemeindeamtes: 28602. Fernsprech-Nr. des Fürsorgeanites: 21882. Postscheck-Nr. der Gemeinde: Leipzig BOB88.