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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-08-15 · 33 (15.8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
33 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer Jüdische Verbände und Gemeinden DU» WahlrtUtanf des deutschen Indeutems, Vom Pressedienst <l«-s Central-Vereim deutaeher StaatabOrger gehl uns folgendes Schreiben au: Trotz aller politischen Propheaeiungen kam die Keichstagsauflösun» doch überraschend und fand die meisten politischen Gruppen völlig unvorbereitet Sogar die überrührigen Nationalsozialisten hätten sicherlich vor dem Generalangrill dea Wahlkampfea noch eine Reihe seil längerem geplanter SonderaJrtionen zur agitatorischen Durchdringung verschiedener Landesteile durchgeführt. Dieser Umstand schafft eine bei allen Parteien gleiche Anlaufstrecke für die Wahlarbeiten, bedeutet aber gleichseitig für das deutsche Judentum einen nicht zu unterschätzenden Vorteil deswegen, well die politische Kamptorganiaation des deutschen Judentums, der Centrai-Verein deutaeher Staatsbürger jüdischen Glaubens, für den Frflhherbsl eine umfassende politische Aktion gegen die Nationalsozialistische Partei geplant und die Vorbereitungen hierfür in weiten Mafie bereits nun Abschluß gebracht hatte. So stellte die Relchstagsuuflösung den Central-Verein lediglich vor die Notwendigkeit, die in Entwürfen und Mustern bereits vorliegenden politischen und agitatorischen Kampfmittel mit gewissen Anpassungen an den Sonderzwock eine- Wahlkampfes zur Ausführung zu bringen und seine weitverzweigte Organisation — '22 Landesverbände mit großenteils eigenen Geschäftsstellen und hauptberuflichen Beamten, (>oo Ortsgruppen vorständen in größeren und Mittelstädten, weit über 1000 Vertrauensmännern an kleinen Plätten — zu mobilisieren und sie für den Wahlkampl tu rüsten. So konnte am Nachmittage des Taues der Ketehstagnuflosung in der Hauptgeschäftsstelle des Centrai-Vereins ein fertiges Wahlkampfaktionaprogramm bereits vorliegen. Die Vereinsleitung prüfte es in zahlreichen Besprechungen durch und leitete die Ausführung derjenigen Maßnahmen in die Wege, die keinen Aufschub vertrugen. Die für den Central-Verein allgemein verbindlichen Richtlinien stellte dann der Arbeitsausschuß des Central-Vereins in einer aus allen Landesteilen stark besuchten Sitzung am 81. Juli fest. Er beschäftigte sich zunächst aufs eingehendste mit der durch die l'arteineubildungen geschaffenen Situation und billigte eine von der (iescbäftsleitung vor- L'elet;|e Anweisung an die Ortsgruppen, in der die politische Neutralität des Vereins erneut unterstrichen wird. Dem Central-Verein ist es nach wie vor nicht möglich, seinen Mitgliedern irgendeint» Partei besonders zu empfehlen, wodurch die Verpflichtung, sie vor den ausgesprochen judenfeindlichen (Jnippen zu warnen, natürlich unberührt bleibt. Die Forderung aller Parteien, die den Nationalsozialismus bekämpfen, wird den Ortsgruppen und Landesverbänden nahegelegt. Die Anweisung geht dann weiterhin auf die Entstehung der Deutschen Staatspartei ein und gelangt, ohne die Entwicklungsgeschichte des Jungdeutschen Ordens und seines Hochmeisters Arthur Mahraun unerwähnt zu lassen, zu dem Ergebnis, daß für diejenigen Cenlral- Vereins-Mitglieder, die auf dein politischen Hoden der Staatspartei -teilen, keinerlei Gründe gegen einen Beitritt oder gegen die Mitarbeit mehr beständen. Die Pläne der Geschäftsleitung des Central-Vereins über die Ausgestaltung der Wahlarbeil wurden eingehend beraten und gebilligt Die Vertreter aller Landes verbinde unterstrichen die Notwendigkeit einheitlicher fachkundiger Führung des Wahlkainpfes und erklärten sich einmütig bereit, die zentralen Beschlüsse im ganzen Reich entschieden durchzuführen. Die Schnelligkeit der Central-Vereins-Rüstung dürfte für weite Kreise des deutsehen Judentums eine starke Beruhigung bedeuten. Die Tatsache, daß wenige Tage nach der Reichstagsauflösung die Arbeit des Central-Vereins gegen die Parteien des .Judenhasses, vor allem gegen die Nationalsozialisten, bereits beginnen kann, zeugt von der Kampffähigkeit der Organisation and ihrer Berufung zur Führung des deutschen Judentums in diesen schwierigen Zeiten. Der aufmerksame Betrachter politischer Auseinandersetzungen wird binnen kurzem neben ihm bereits bekannten und als wirkungsvoll geschätzten Kampfmitteln des Central-Vereins. wie beispielsweise den Anti-Antl and eine Heilevon Phito-Sehriften, neue und neuartige Materialien auftauchen sehen, die dem Nationalsozialismus ein sehr krittiges Paroli zu bieten geeignet erscheinen. Der Leitung des Central-Vereins gehen aus allen Kreisen des deutsehen Judentums Erklärungen tu, die das Vertrauen des deutsebeu Judentums zum Central-Verein zum Ausdruck bringen und die Bereitschalt erklären, den Central-Verein in dieser entscheidenden Stunde unter Zurückstellung aller weltanschaulichen Unterschiedlich, keiten materiell und ideell zu unterstützen. Das Programm des Weltkongresses der Sclionire Schahhos. Das Programm des vom 24.-26. August in Berlin Stattfindendi Sabbat-Weltkongresses ist folgendes: Am Sonntag 10 Uhr, Eröffnung des Kongresses, a) Anspracl des Präsidenten Dozent Dr. Samuel Grünberg (Berlin), b) Begrl Hungen, e) »D erSabbatalaheiligendeKraftinlsrael' Chief Rabbi des Freistaates Irland Dr. 1. Herzog, A. H. Ut-Dubll d) „W irtschaftapolitlk und W i r t a 0 Ii a f t s p r a x i s Ii Dienste des Sabba tachutsea": R.-A. Dr. jur. Paul Sul berger. Vizevorsitzender des Wellverbandes Srhomro Schabbos, Berti 2. Sitzung Sonntag 10 Uhr. Konstituierung. Wahl der Kommi sinnen, n) Sabbat Idee und Zeitgeist": Rabbiner Dr. An bacher (Wiesbaden), b) „Zur Frage der Knlenderrefor in' 1. Gemeinderabbiner Dr. L. Rosenthal (Köln). 2. Dr. T. Lewenste (Zürich), Generalsekretär des internationalen jüdischen Komitee betreffend Kalenderreform, c) „Organisationstätigkeit der Schorni Schabbos in Holland": E. Ascher, Vorsitzender des Sabbatkomitees Amsterdam. 8, Sitzung Montag 0 Uhr. a) „D I e F ü n f - T a g e - A r b e i 11 woche als Lösung des SabbatproblemSH: Referent I) Bernhard Drachmann (New York), Präsident der Jewisfa Sabbal Alliance of America. Diskussion, b) „Arbeiten und Aufgaben di Stellenvermittlung Schonire Schabbos in Deutschland": Jacob Rosei heim (Frankfurt). Diskussion, r) „Sonntagsruhe. Kirchen oder Sozialpolitik": Stadtrepräsentant Desider Korein (Bud. pest), Präsident der ungarischen Srhomre Schabbos-Landesorgan satlon. Diskussion. (Tagung der Kommissionen.) 4. Sitzung Montag, 10 Uhr. a) „Medizinische Bedeutung di Fünf-Tage-Arbeitswoche": Dr. med. Henri IL Keller (New York Diskussion, b) „Sa b ha t n 01 und Sabbat schütz als A r b e i l nehtt)erproblemM. Referent: Bin Vertreter der sabbattrem Arbeitnehme rschafl in Polen. Diskussion, c) „Der Versicherung gedanke und seine Bedeutung für die Schonire Schabhns-Orgai Satten": Direktor Richard Lichtheini (Berlin), d) ...lugend und Sabba Probleme": K. A. Oenachowsky, Journalist. Antwerpen. Diskussio (Tagung der Kommissionen.) "). Sitzung Dienstag 9 Chr. a) „Die wirtschaftliche Situatii des Sabbatproblems in Dänemark" (Oberrabbiner Dr. M. Friedige Kopenhagen): Frankreich (Oberrabbiner Dr. s. Langer, Paris): Ho land (Fabrikant Henri Guggenheim, Amsterdam). Bericht ander« Ländervertreter. Generaldebatte, b) Berichte der Kommissionen. 0. Sitzung Dienstag 10 Uhr. Fortsetzung der Generaldebatl Anträge, Abstimmung. Resolutionen und Wahlen. Schlußansprache. Aus aller Welt Das Manuskript von ...lad Harhasakah" des Mnimnnides gefunden. Der Vertreter eines jüdischen Handelshauses, das wertvolle at tike Judaira sammelt, hat im Temen ein vollständiges Manuskrii des Standardwerkes des Maimonides (Hainham). ...lad Hachasakal gefunden. Das Manuskript ist die Niederschrift eines Hau bam-8chülers unter Kontrolle des Bamham selbe und enthält zum Schlüsse eine eigenhändige Nachschrift des Main' nides. die die wortgetreue Texlniederschrift des „.lad Hachasakal bescheinigt Alle maßgebenden Instanzen sind über diesen Fun verständigt worden. Unsere Jugend Die jüdische Jugend vor neuen Aufgaben. Von K rieh I. o e w , Führer des jüdischen Jugendbundes „Franz Rosenzweig" in Leipzig. Der Zweck dieser Zeilen sei nicht, eine Begründung zu den drin liebsten Aufgaben zu geben, an deren Lösung jeder junge jüdisci Mensch beteiligt sein muß. wenn es ihm nur irgendwie um die E haltung und das Fortbestehen seines Judentums in Deutschland i tun ist. Ich beschränke mich vielmehr darauf, die Aufgaben, der Losung als dringend anzusehen ist. BUftUteigftfl und praktische Vo schlüge zu ihrer Durchführung zu machen. Das Motto: „.lugend hilft der Jugend", unter dem die Tagw des Verbandes der jüdischen .lugendvereine Deutschlands in Münch' am vergangenen Plingsten stand, darf nicht bloß als schönes Wo bestehen bleiben; wir müssen den Weg zur heißersehnten Geniel Schaft finden. Gebot der Stunde für jeden Cileichempfindondon ist i sich in die Reihen der bestehenden Bünde einzuordnen. Nur dai

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