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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-08-08 · 32 (8.8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
32 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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teciuö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMErl N DE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das (•VimMmlrblatt erscheint Jeden l'rrltag und wird den Mitgliedern der Kellfflonsgenielnde unentgeltlich durch die l'ost zugestellt — Schrlftlcltung: Ccmeindcrabblncr Gustav Cohn, Leipzig, Lohrstraße 10 NUMMER *2 / JAHRGANG 6 FREITAG 8» AUGUST 1010 Anzeigern er* altuiuc und Druck: ItuchdrtirtVrrH August Pries, Leipzig, llruderstr. 59 - l ernruf 70006 - Postscheck Leipzig 53920 — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Unsere Gemeinde beklagt das Ableben des Herrn Adolf Goldschmidt Der Verewigte hat mehr als 30 Jahre hindurch als Mitglied der Verordneten unserer Gemeindevertretung angehört und der Gemeinde durch klugen Rat und eifrige Mitarbeit wertvolle Dienste geleistet. Auch nach seinem Ausscheiden aus diesem Ehrenamt ist er uns stets eng verbunden geblieben. Wir werden seiner stets dankbar gedenken. Leipzig, den 5. August 1930 Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig SABBATH UND KALENDERREFORM Von Rabbiner Julius Samuel (Merlin). Generalsekretär des Weltverbnndes Schorn ro Schabboa. In unseren Jüngsten Tagen, da die jüdisch«- Öffentliche Meinung gohalten sein sollte, sich mit dem Problem der Kalenderreform ernstlich suseinandereu.setsen, dürfte es sich rechtfertigen, dieses Problem in seinen natürlichen, geschichtlichen und kulturellen Zusammenhingen in einer Weise herauszuarbeiten, die auch dem Laien seine Bedeutung sinnflUlig macht. Kalenderrefonn ist keineswegs eine Krlindung des SiegerwillenS von Versailles oder der Vorliebe einer mächtigen Nation, sich über Dinge, die an der Peripherie des Lebens und des Alltags liegen, den Kopf 7.11 zerbrechen, sie kann vielmehr getragen sein von dem ernsthaften Willen ernsthafter Menschen, offensichtlich erkannte Mängel einer auf Willkür und Zweckinättigkeil gegründeten zeitlichen Ordnung zu beseitigen und Besseres, vom Makel der Mangelhaftigkeit Befreites, an deren Stelle zu setzen. Nur wenn wir die Größe des Problems erkennen, gewinnen wir auch die Möglichkeit, es in kritischem Kmst zu werten. — Seil einigen Jahren ■«'hon beschäftigt sich ein Ausschult des Vnlkerhuudratcs in Gent mit ler Reform des Kalenders. Ks ist jedoch nicht anzunehmen, dafl die vielen Vorschläge, die bereits gemacht worden sind und inzwischen lie Zahl "><•<) überschritten haben dürften, eine baldige Losung des Problems zulassen. Obwohl die Dinge sich heute sehr lebhaft aktualisiert haben, ist es doch noch überhaupt höchst zweifelhaft, oh in absehbarer Zeil der sogenannte „ewige Kalender" Wirklichkeit werden wird. Abgesehen von der ablehnenden Haltung des Vatikans, der mit einer Fixierung des Termins für das Osterfest, die ein Hauptproblem und zuweilen auch ein Schmerzenskind der Kalendermacher ist, sich nicht abfinden kann und überhaupt auf Befragen durch den englischen Botschafter die Krklärung abgab, er halte die ganze Aufrollung der Krage der Kalenderreform für verfrüht, hat auch die neueste Kalenderrefonn in Knill.in.I neue Hindernisse aufgerichtet. Die Sowjetunion, die erst nach der Oktoberrevolution den (ireeorianischen Kalender hatte annehmen können, hat in jüngster /.eil aus offenkundiger Feindschaft gegen die Religion und gegen die kirchliche Zeitrechnung, die man als ..nicht vereinbar mit der kommunistischen Ideologie" betrachtet, in echt revolutionärer Weise den Ruhetag dos Judentums, wie den des Christentums mit einem Keilers)rieh aus dem Kalender gestrichen und au die Stelle des durch die Jahrtausende geheiligten ZeitmaBes der Siebentagewoche eine neue Wocheneiuheit von nur fünf 'lagen gesetzt. Einer dieser fünf Tage soll ein Ruhetag sein, der aber, für die verschiedenen Mitglieder einer Familie verschieden gelegt, sowohl den religiösen als auch besonders den Familiensinn in des Menschen Seele entwurzeln soll. (lerade das russische Beispiel dürfte werlvoll sein zur lllustrierung des Verhaltens der Masse, zu einem Kegierungsdiktat über die

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