Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 22 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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$eraeinö cblatt 3ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGE-MtIN DE- ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Dan (lemelndeblatt erscheint (eilen l'reitag und wird dm Mitglied«tu der keliglnnsgemeinde unentgeltlich (hirdi die Post zugestelll — S e h r 1 f t I e 11 u n g : Grmelnderabblncr Gustav Cohn, Leipzig, Löhrstratlc 10 NUMMER 22 / JAHRGANG 6 FREITAG lO. MAI 1 © * O AnmttofBTflfvaltiing und Drmk: Buchdrudtcrel Aiupnl Pries, Ldmtfg, BrOaentr. 59 - Kernrul 70006 - rat« sdieik Leipzig 53920 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassen gestattet SCHOWUOS IN GESCHICHTE UND GEGENWART Von Biiijiunin Segel. Schabuot, das uns geil anderthalb Jahrtausenden lediglich als derts in Gi die Erinnerung an die Offenbarung und Gesetzgebung am Sinai etwa au> d< (rilt. war ursprünglich das Erntefest par excellenee (chag habeginnende kazir); es beschloß nämlich die Getreideernte, die am Pessach mit dem Schneiden der Gerste begann, Den Titel, den wir diesem Fest« in der Tefilla (Schemone-Esre) und im Kiddusch beilegen: „Die Zeit, in der uns lie Thora gegeben wurde," ist ersl -<ln' gpäl aufgekommen. Im kleinen Traktat Sopherim (6. 8. Jahrh. n. Ohr.) fehl! dieser Titel, ebenso wie die entsprechenden Bezeichnungen der beiden anderen Wallfahrtsfcste. Von der Besiehung des Festes »um Sinai isl in dei Bibel keine Erwähnung vorhanden. Ersl im Talmud (Schabath 86b) findet sich eine Kontroverse, oh die Thora am ü. oder am 7. Siwan gegeben wurde; es stand aber fest, daß sie am 60. Tag nach dem zweiten Pessachtage gegeben wurde, und derStreil drehte sich I >1 < > 15 darum, ob der Monat Ijar 29 oder Tage hatte. Im Talmud wird das Fest ebenfalls Schabuot genannt, welcher Nanu' ja auch schon in der Bibel vorkommt, aber vorwiegend sa^l d'T Talmud dafür Azeret, was ursprunglich Festvcraammlung hieß, aber auc h ih n Schlußtag eine» jeden längeren Festes bezeichnet: Schemini Azeret isl der Schlußtag des Laubhüttenfestee; auch der letzte Tag des Pessachfestes wird (Deut. 1". 8) Azeret genannt. Schabuot wurde als Axeret de* Pessach betrachtet. Da.- war die uralte Auffassung noch aus ihr Zeit, da Israel als Agrarvolk auf der Scholle saß. Pessach war durch die Omerzäh linge (re 1 ii ii j; mit Schabuot verbunden, beide rahmten die siebend ochen salem zu Erntezeit ein, die <sine Freuden- und Jubelzeit war. ausgefüllt waren G mit emsiger, trfihlicher Tätigkeit. Der am Anfang dieses Jahrhun- Datteln, z e r m ii. und Thoraschild mit symbolischer Darstellung des Rrstlingsopfei (Knill mit Früchten). chith ipend irste, au am Unten Meer ausgegrabene Bauernkalender, Jahrhundert, sagt, daß die mit dem Gerstonschnitt mii dein Weizenschnitt schließende Getreideernte insgesamt sieben Wochen dauerte. Wir verstehen jetzt da> Gebot der Bibel, vom Omertage an sieben volle Wochen, also neunundvierzig Tage zu zahlen und am 50. das Wochenfesl odei Schnitterfest zu feiern. Schabuot heißt in der Bibel auch Chag ha-Bikkurrim, Fest der Erstlinge, an welchem man Gott „eine neue Mim ha darbringt. Diese Opfergabe bestand au.-zwei Broten ausallerfeinstem Weizenmehl von der neu« n Ernte, Sieben Spann lang und vier breit war jedes Brot: die Spitzen y vier Finger breit, zusammen mit StUcken von dem dazugehörigen Tieropfer wurden diese Brote muh Hohepriester auf ilie beiden Handflächen gelegt und nach derselben Art wie dei Omer geschwungen. Das eine ih r Brote behielt der Hohepriester, das andere wurde unter die Priester vom Dienst verteilt. Damit war die Getreideernte <les Jahres abgeschlossen. (Das etwa fünf Monate spater lallende Laubh ü 11 en f e81 beschloß die Obst und Weinernte und hieß darum auch Chag ha Asiph; einzelne Frucht und Obst arten reiften auch darüber hinaus bis gegen < 'hanukka. i Schabuot al> Fest der Erstlinge leitet eine ganze Reihe von gleichsam privaten Erstlingsfesten ein. Nach den biblischen Vorschriften war jede] Iraelit verpflichtet, von den Frttch teil des Gelobten Landedie Erstden Priestern im Tempel zu .lein en reinen Tiererstlingen). Die Früchte Weizen. Weinrebe, Feige, Granatäpfel, Oliven, denen man ll<iniur gewann. Die palästinensische bikkurim > -ii (analog 1