Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 18 (2.5.1930)
- Date
- 1930-05-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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ßemeiu&eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMBINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! l).is GemdndeMarl crtchelnl ledra Prettif und «ird den Mitgliedern der Rctlfftonifremclnde ummuclilidi durch dl« l'ust luaeatellt - Schrift!eltunai Crmrindrrabblnpr t;usla\ Cohn, l.<-lpzlfi, 1 olirMniUc 10 NUMMER 18 / JAHRGANG 6 FREITAG 2» MAI 10*0 Aiuetgcnverwaltuni und Druck! Hudidruikcrri Auaini l'rlcs, Lelndg, BrQderitr. 59 - l'rrnruf 700 08 - Pott« hdicik Irin/Iii 53920 - Naihdrmk nur nill (.lucllcnanuahc und mit (ii'nchnitgunfi des VertaMCri (icstattrt Wir betrauern das Ableben des Herrn Rubin Rabinowitz. Der Entschlafene bat in der Zeit von igai - 1994 (Iiis Ehrenamt eines Gemeindeverordneten bekleidet. Wir werden ihm Mets ein dankbares Gedächtnis bewahren. Leipzig, den 28. April it)")<>. Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Kt'li^ions^cincindc zu Leipzig DER LETZTE HOSTIENSCHÄNDUNGSPROZESS IN DEUTSCHLAND (Schluß.) Von Ii in ja Was nun folgte, verfiel in zwei Teile; am 11. Juli spielte sieh tlie Komödie ab, am IQ, «las Satyrspiel, und zuletzt die Tragödie. Am 11. Juli liefi nämlich Hans Brackow sein Gericht mit Schölten. BeysUtern, Advokatin und Prokuratoren, Gerichtsschreibern 11ml Geteilten" bestellen und bel&Uteil, die Angeklagten mit Zetergeschrei, alier ungefesseii vor sich kommen und die vom Kurfürsten erhaltene Kommission öffentlich verlesen. Da das Urteil bereits feststand in unserem Kalle wohl schon vor der t'nlersuehuug so fand gar keine Verhandlung statt; das ganze war nur eine Komödie, wie sie zu jener Zeit sehr beliebt war. Die Schöffen und „Beysitser" hatten ohnehin nichts zu sagen, die Advokaten und l'rokuratnrcn. welche mau, wie zum Cossen, den Angeklagten als Verteidiger bestellte, wurden von diesen zurückgewiesen, da die Anwälte höchstens auf Gnade plädieren konnten, und solche Iiier nicht zu hoffen war. Die Zeugen waren niemand anders, als dieselben (iorichtspersonen, die hei der Folterung mitgewirkt hatten, um Gestindnisse zu Erzielen, und die jetzt ein etwaiges Bestreiten der Geständnisse formal wirkungslos machen sollten. Aber die Angeklagten bestritten nichts: mau las ihnen das Verzeichnis Ihrer Missetaten vor und Jeder beteuerte dasselbe mit dem leiblichen lüde und verzichtete mit alle helicltt und ditatlon." Bs ist leicht zu erraten, wie diese Formalitäten erzielt worden sind. Merkwürdig aber bleibt es, das keinem der Zeitgenossen die Klage sich aufdrängte, warum denn diese Juden trotz der Wunder und Zeichen, die sie an der Hostie mit eigenen Augen gesehen, und in in Sc g e I. obgleich sie ja das Verbrechen eingestanden hatten, sich ungeachtet aller Zureden nicht taufen ließen, um wenigstens dem grauenhaften Flammentod zu eidgehen. Nur zwei, der obgenannle Jakob, dem die Mutter Gottes erschienen war. und noch einer, namens Josef, nahmen die Taufe, um die groß« Milderung der Strafe zu erlangen. Am 1t). Juli fand der endliche Gerichtstag statt, der in zwei Teile zerfiel. Der erste spielte sich au dem noch heule existierenden Neuen Markt ab, und diente hauptsächlich dazu, dem Volke ein aufregendes Schauspiel tu bieten. Drei übereinander gebaute Podien wurden errichtet; auf dem obersten saßen die gelehrten Juristen, auf dem mittleren Itrackow mit den Schöffen, Richtern und Schreibern, auf dem untern die Angeklagten (außer den zwei getauften), „die in gelheu und weißen spitzen Hüten und mit jüdischem Gesänge vor Gericht gekommen waren." Jetzt wurde dieselbe Komödie des Wiederholens und Beteuern« des Geständnisses abermals aufgeführt. worauf die Angeklagten die Vollstreckung des Urteils „beantragten." Darauf verkündete der Scharfrichter dem Volke das Urteil und schloß mit den Worten: j)uwcyl die bosshattttgen schunden verstockten iuden ire bosshandlunt auch zu mehrmaln außerkuW und vor Gei tclit bekant, daruntb sot man sy vi putver verhornen, damit all andern ein beyspU seyn solche Übeltat turder nicht zu begynnen." Darauf wurden die .luden zur Richtstätte (heute Kcke Frankfurter und Weber Straße) geführt, wo ihrer der Scheiterhaufen harrte. Es war «lies ein Gerüst in der Form eines Tabernakels, nach oben hin sich verjüngend, „drei Hoste in Manneshöhe