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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-04-25 · 17 (25.4.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
17 (25.4.1930)
Date
1930-04-25
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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April 1930 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite i> Der Generalsekretär des Hilfsvereins, Dr. Mark Wisch- 11 e r, gab einen Ueberbliok über die Besamte Tätigkeit des Ifsvereins; er schilderte die umfassende Auswandererfürsorge, das Itswerk für Studenten und Waisen aus der Ukraine Innerhalb 'Utsehlands, das Ullis- und Kulturwerk für Rußland, Rumänien, Qarablen, Litauen. Die Ausgaben für Auswanderertürsorge betrugen 107000 Mark. ,liier wies auf die Restriktionspolitik großer überseeischer Staai gegenüber der Einwanderung aus den Ländern dos Ostens hin, nen sich jetzt noch Südafrika hinzugesellt. Er stellt die srhweregenden Folgen dieser Einschränkung der Einwanderung dar und hl im Hinblick darauf die Notwendigkeit und die Bedeutung des ilfswerks für die tiefster Not preisgegebenen -luden des Ostens in ren Heimatländern hervor. Darauf hielt Herr Dr. Ernst Feder einen Vortrag Uber »Potik und Humanität", in dein er u. a. folgendes ausführte: ilitik und Humanität sind zwei Pole des menschlichen Handelns. ier große Kampf zwischen Politik und Humanität beherrscht die eschichte der Menschheit. Der Redner erhebt die Frage, ob es otwendig sei, dafi dieser Kampf immer weiter geht, ob es nicht löglich sei, daß diese sich zu einem Höheren vereinigen, daß die lumanitäl nicht in Fehde mit der Politik als ihrer Widersacherin egt, sondern ihr die Hand reicht zum gemeinsamen Werke, daß die •sie Humanität sich zugleich als die beste Politik erweise. Er eruiert an eine Szene aus dem Weltkrieg, als die Männer des Hilfsreins, James Simon. Paul Nathan und Bernhard Kahn, im Februar 916 in Kowno vor General Ludendorfl standen: von militärischer Seite war der Gedanke aufgeworfen worden, die Verpflegung der ■ •setzten Gebiete dadurch zu erleichtern, daß Teile der jüdischen ievölkerung per Schub über See nach Amerika abgeschoben werden «ollen. Klug trat Paul Nathan dem politischen Plan mit Gründen der 'olitik entgegen. Auf diese Vorstellungen hin ließ man den Plan dien. Diese Methode hatte Paul Nathan schon früher angewandt, als ■r nach Rußland gegangen war. gegenüber den Ministern Witte. Ko- OWiew und Stolypin. Es handelt sich nicht um die rein persönliche Methode Dr. Nathans, es war die Methode und der Weg einer Orgalintion, es ist das Wesen, das auszeichnende Merkmal des Hilfsereins, daß er in dieser Weise die Spannung zwischen Politik und lumanitäl ausgeglichen hat. Dieser Verein, der in einem Umfange vie keine andere deutsche humanitäre Organisation Menschenliilfe elelstet, der in den Jahren vor dem Kriege Hunderttausende von Auswanderern durch Deutschland geführt, der in Palästina den rieengroßen, vom Kindergarten bis zum Technikuni reichenden pädigogischen Organismus geschaffen hat. hat damit nicht nur ein groles humanitäres Werk geleistet. So ist auch die Hilfsarheit, die jetzt in den Ländern des Ostens vom Hilfsverein ausgeführt wird, wenn sie auch nicht politischen Motiven entspringt, sondern den Motiven Ier Menschenliilfe und der Menschenliebe, ein politisch eminent wichtiges Und ein ebenso deutsches wie jüdisches Werk. Kundgebung für den Hilfsverein der Deutschen .luden. Katharina v. Kardorff und Dr. James Simon. Vorsitsenier des Hilfsvereins der Deutsrhen .luden, hatten am 7. April zu linein von mehr als 1000 Personen besuchten Teeabend in den grölen Festsaal von Kroll geladen, an dem deutsehe Politiker zu dein V'erk des Hilfsvereins der Deutschen Juden Stellung nahmen. Unter len Gästen befanden sich Reichsbankpräsident Luther, Professor Mbert Einstein, Eduard Bernstein, Finanzminister a. D. »r. südekum, Gesandter Dr. Gradnauer, v. Kardorff, Graf Arco und nhlreiche (Ohrende Persönlichkeiten aus Handel, Industrie und Bankwelt, Generalkonsul Eugen Landau, der Leiter der Versammlung, begrüßte die Anwesenden und schilderte kurz die Ziele und Tätigkeitsgebiete des vor :»i Jahren gegründeten Hilfsvereins, der überparteilichen, neutralen deutsch-jüdischen Organisation für soziale und kulturelle Arbeit. Er gedachte des vor drei Jahren dahingeschiedenen Mitbegründers des Hilfsvereins Dr. Paul Nathan, in dessen Sinne, dem Geiste der Menschenliebe und Menschenliilfe, das Werk des Hilfsvereins fortgeführt werde. Frau Katharina v. Kardorff versicherte, daß die Frauen ohne Rücksicht auf konfessionelle Bindungen stets da zu finden sind, wo Hilfe not tut. und appellierte mit warmen Worten an die Hilfsbereitschaft der Anwesenden. Herr Dr. Breitscheid, M.d.R., führte aus: Der Hilfsverein arbeite, indem er seine humanitären Dienste den Juden des Ostens widme, an einem Menschheilswerk mit, dem alle diejenigen, die guten Willens seien, gleichviel welchen Bekenntnissen sie huldigen und welche Stellung sie überhaupt zu konfessionellen, religiösen und Rassefragen einnehmen, Sympathie. Respekt und Bewunderung entgegenbringen müssen. Er hebt hervor, wieviel es für das Deutschtum bedeute, wenn den Juden des Ostens, die einen so beträchtlichen Bestandteil der östlichen Bevölkerung ausmachen, deutsches Kulturgut nahegebracht werde. Dem Andenken Dr. Nathans zollt er voller Wärme seinen Tribut, er gedenkt der Zusammenarbeit mit ihm in den Jahren 1905 und 1006, im Kampf gegen den zaristischen Absolutismus und seine Unterdrückungsmethoden, und kennzeichnet den Ideallsmus, «Ier Dr. Nathan als Politiker beseelt habe. Reichsfinansminister a. D. Dr. Peter Reinhnld erklärt, daß der Hilfsverein eine Organisation sei, auf die ganz Deutschland stolz sein könne. Er hebt hervor, daß sich in der sozialen (iesinnung deutsche und jüdische Einstellung eng berühren. Zu bewundern sei die kluge, geschickte und zielbewußte Leitung des Hilfsvereins, die Größe der für das Hilfs- und Kulturwerk aufgewandten Mittel — 50000000 Goldmark -. die rationelle Verteilung und die glänzende Organisation der Hilfsaktionen. Diese soziale Hilfe diene über die Linderung der Notlage hinaus auch «lein großen Ziele menschheitlichen Fortschritts, dem Völker und Länder verbindenden Gemeinsamkeitsgefühl. Staatssekretär im R e i c h s f i n antministeri u m Dr. Schiffer Schilder! die Notlage der Juden des Ostens. Das schwere Los der Juden der Ostläuder in der Vorkriegszeit ist nach dem Zusammenbrach der alten Herrschaftsverhältnisse nicht erleichtert worden. Was die neuen Völker an Schwerem durchzumachen haben, macht sich für die Juden als Minorität besonders fühlbar. Namentlich leiden sie wegen ihrer Berufsgliederung unter der politischen und sozialen Unruhe, den wirtschaftspolitischen und ßnam politischen Experimenten bei diesen Völkern. Den Juden des Ostens wird durch die Hilfe und Anteilnahme des Westens das Gefühl gegeben, nicht allein und verlassen zu stehen. Zu dem großen Werke des Hilfsvereins gehören große Mittel. Der Hilfsverein vereinigt die deutschen Juden zu einer gemeinsamen großen Aufgabe, der sie geniigen können, ohne daß irgendeinem Punkt ihrer religiösen oder staatlichen Ueherzetigung zu nahe getreten wird. Herr Willy Dreyfus dankt im Namen des Präsidiums des Hilfsvereins den Erschienenen für ihre Teilnahme an der Versammlung und für ihre Förderung des Werkes des Hilfsvereins. Er vergleicht diese Kundgebung mit einer großen Zusammenkunft zu humanitären Zwecken unter Leitung von Felis War bürg, der er vor einem Jahre in New York heigewohnt hat. Rennen zu Leipzig Sonnabend, den 26. April, nachm. 3% Uhr Sonntag, den 27. April, nachm. 3 Uhr ie 7 Flachrennen Preise Mk. 46000.—

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