Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 16 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite f. QBMEINDBBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer I' Gesundheit von Kindern handelt, wird jedes Hers mitfühlend. So wird es möglich, unmöglich Scheinendes möglich zu machen. Gefällige Spenden sind an Herrn Martin Marcus, Aslerstr. 1. zu richten, Amtliche Bekanntmachungen der israelitischen Keliciniisgcmcindc zu Leipzig Belreinng von Schulbesuchen an Feiertagen und Sabbaten. Der Beginn des neuen Schuljahres gibt uns Veranlassung, folgenden Auszug aus der Verordnung des Ministeriums lür Volksbildung vom 21, VIII, 1929, den Schulbesuch an staatlich nicht anerkannten Feiertagen betreffend, zum Abdruck zu bringen. I. Lehrer und Schüler dürfen den Unterricht an staatlich nicht anerkannten Feiertagen nicht unentschuldigt versäumen. Es ist ihnen auf ihren Antrag zum Zwecke der Teiln a h m e an rel igi ü s e n F eiertags Ii a n d Iung e u Unterrichtsbefreiung nach (olgenden Grundsätzen zu erteilen: I. den Mitgliedern der israelitischen Religionsgesellschafl lür das Passahfest, das Wochenfest, die beiden Neujahrsfesttage, für das Versöhnungsfest und LaubhUttenfest; 2. den Mitgliedern der israelitischen Religionsgesellschaft für die Sonnabende — Sabbate Die Unterrichtsbefreiung ist in dem Ausmaße zu erteilen, das zur Verrichtung der religiösen Pflichten erforderlich ist. Wird die Befreiung zum Besuche des Gottesdienstes erbeten, so ist sie für die Tageshälfte, in der er stattfindet, auszusprechen, sie wird den Schülern auf schriftlichen Antrag ihrer Erziehungspflichtigen vom Klassenlehrer, den Lehrern von der für die Urlaubserteilung sonst zuständigen stelh> gewährt. Der Antrag kann einheitlich für «las ganze Schuljahr oder von Fall ZU Fall gestellt werden. Voraussetzung für die Befreiung der Schüler vom Unterricht an den Sonnabenden Ist außerdem: a) daß die Erziehungspflichtigen durch Privatunterricht oder in anderer Weise für einen Ersatzunterricht sorgen, welcher der Genehmigung und Aufsicht der Schulautsichts behörde unterliegt; b) daß die Erziehungspflichtigen sich damit einverstanden erklären, daß die Schule keinerlei Verantwortung für die aus dieser Schulversäumnis für die Kinder etwa entstehenden Folgen übernimmt. Werden die Voraussetzungen a) und l>) nicht oder nicht mehr erfüllt, so ist die Befreiung zu versagen oder zurückzuziehen. II. Israelitische Lehrer und Schüler, die an den Sonnabenden - Sabbaten — und den hohen israelitischen Festtagen am Unterricht teilnehmen, sind au diesen Tagen auf Antrag, der für die Schüler von ihren Erziehungspflichtigen schriftlich zu stellen ist. vom Schreiben,! Zeichnen und Handarbeiten in der Schule zu befreien. Vordrucke für Antraue, die gemäß der obigen Verordnung ijostellt werden müssen, sind kostenlos im Gemeindeamt, Löhrstr. 101, während der Dienststunden, werktäglich von 8 in I hr. erhältlich. Leipzig, den 10, April V.r.V). Der Vorstand der israelitischen lteliüionseoiucinde zu Leipzig. Unsere Jugend Der indische Jagend riag Leipzig im Jahre I'.i2!i.lii <l< .1 ii ' ii •! ring tllll II c il i| s ,1 e III .1 a h r e s Ii e r i e Ii t I e i I ii Ii g. Mit dorn Min l'.i"0 Inn der JUdische Jugendring l<cipsig .ins zweite Jahr seines Bestehens vollendet Der Verlauf dieses Geschäftsjahres kann als typisch für die Jugcndringsrbeil Überhaupt angesehen werden, und deshalb zlanbt die Leitung der um Leben und Treiben der Jugend interessierten GemeindeOffentllchkeit einen ausführlicheren Bericht schuldig au lein. I. e i 1 II Ii g. Nach den letzten Erhebungen vereinigt der Jugendring Wi" j u nge, jüdische Menschen, um ihre gemelnsi......u Interessen zu vertreten. Kr sucht der hiesigen indischen -I u g e n d h e w e g u n g Mittel Parfüme Puder Lippenstifte Parfümerie LORENZ / Brühl 4 und Gelegenheiten su sportlicher Betätigung und zu Wanderfahrtci in verstärktem MnDc zu bieten, Bestrebungen, die geeignet sind. jung< Menschen verschiedener Richtungen und Parteiungen einander mensch lii h näher zu bringen, w ie ■/.. Ii. Arbeitsgemeinschaften oder Vortrag» abende, siüi/i er mit allen seinen Mitteln. ISinea seiner Hauptbetäti gungsgebiete isi die Bosialarbeit. Sie bezweckt, moralischer um materieller Not unter jüdischen Jugendlichen su steuern unter Heran liehung von ausschließlich jungen Menschen, vorzugsweise aus den den Jugendring angeschlossenen Verbänden. Auf diese Weis,, nimmt dei Jugendring der Beligionsgemeinde einen sehr großen Teil der Sozial Fürsorge für Jugendliche ab, gans besonders auf den Gebieten, » personlicher Dienst am Einzelnen notwendig ist. Hie tut7 Jugendlichen verteilen sich auf elf Vereinigungen und 'war: die Bsrn-Jllgend, den HcchalllS, den Jüdischen Jllgendbuml „Franz Kosenzweig", den Jüdischen Sport verein Rar Kochbs (e, V.), den Jung-Jüdischen Club, den Jung-Jüdischen Wanderbund, den itumi jüdischer Pfadfinder «.Kadlmah", den deutsch jüdischen Wanderbund ..Kameraden", die Btudentongruppo di's Centraivereins deutscher Btaat» bürger jüdischen Glaubens, den /ein. Misrachi und die Zionistische. Btudentengruppc, Der Jugendring vereinigt somit bis auf zwei Organi satlonen mit seinen über tausend Angehörigen die gesamte organi sieit.. Jugend unserer Gemeinde. Sportromort. Während des Bommerhalbjahres landen regelmäßig jeden Montag nachmittag auf von der Stadl zur Verfügung gestellten Plätzen gemein Kamen <: e l H n d e ■ p i e l e n ler dem Jugendring angehörenden Jugend hewegungsbünde unter der Leitung des Bportressortverwalters statt. Das Bpiclgorät »teilte zum grüßten Teil der Jugendring. Am Kl. Juni l'.t-'.i fand unter Beteiligung von fast sämtlichen Jugend ringvereinigungen die /.weit,. J u ge n d r i n g t r o f f a h rt statt, über die seinerzeit im Gemeindeblatt ausführlich berichte) wurde. Durch (Stiftung viin ewa M. 170. seitens verschiedener jüdischer Vereine Leipzigs wurde dem Jugendring ermöglicht, den in den Wcttkänipfen siegreichen Ründen mit wertvollem Spiel- und Wandergeräl ihre Ans rüstung auf eine Weise zu bereichern, wie es den Ründen selbst aus eigenen Mitteln unmöglich gewesen wäre. Im Winterhalbjahr konnten nach einer Abmachung mit dem J8V. Bar Kochbs (e. V.i ungefähr fünfsig den Jugendringbünden angehörende Jugendliche gratis an den zweimal wöchentlich stattfindenden Leichtathletik 'I' t a i n I n g s sbenden teilnehmen, die vom Rar Kochbs unter Leitung geschulter Sportlehrer für sein,. Mitglieder ver Snstaltet werden. Der Jugendring bezahlte aus seiner Kasse dafür monatlich eine Pauschalsumme von M. I.Y—. Mit der Bpor t a r t i k e I firma Brich Rberhardt, Leipzig, Universitätsstr. 2nvereinbarte der Jugendring, daß die Mitglieder der ihm angeschlossenen Vereinigungen auf die der Deutschen Turnerschaft gewährten Vorzugspreise noch 10% Rabat t erhalten. V o r t ragsress» r t. Kur geistigen Annäherung der politisch konträr eingestellten Ründen sngehOreiiden Jugendliclieii haben sieh unter dein Protektorat des Jugendrings mehrere ihm angeschlossene JugendbQnde zusammengetan und zwei auf längere Dauer berechnete Arbeitsgemein* schs ften fü r Mit! lere (14 17jährige) ins Leben gerufen. Die eine wurde von einem Kameradenführer geleitet und behandelte das Problem des deutschen .luden. Hin älterer Kadimah- FOhrer hielt die andere Arbeitsgemeinschaft ah und zwar Ober dl« jüdische Geschichte seit der Zerstörung des zweiten Tempels. Heide Kurse erfreuten sieh sehr reger Teilnahme. Der zweite ist zur Zeit nach bereits fünfmonatiger Dauer (Zusammenkünfte stier m II Tage), noch nichl abgeschlossen. Zugleich für den Jugendring verunstaltete der Jung-JOdische Club im November und Deseinher i'.i-'.i eine Vo r t ragareihe, gehalten von Herrn Uemeinderabbiner Dr. Gold mann über das Thema »Begriff und Wesen einer jüdischen Kultur". An vier Abenden wurden die Themen: I. Was ist Kultur? t. Wie stein sieh die jüdische Kultur historisch dar? S Nationale und religiöse Kultur. I. Die jüdische Kultur in Palästina und in der Diaspora behandelt und anschließend eifrig von den zahlreich erschienenen älteren Jugendlichen aller Richtungen diskutiert. Kür die Teilnehmer waren die vier Alende. rür deren Niveau die Persönlichkeil des Referenten volle Gewähr gab, eine wirkliche Bereicherung. Im November I'.i-'.i wurde vom Jugendring zusammen mit dem Jüdischen Frauenbund, Grtsgruppe Leipzig, ein Vortragsabend von Dr.Martinnuber veranstaltet. Buber sprach über „die Bibel .....I .1 a s persönliche Leben". Den jugendlichen Zuhörern war das Re (erat in der klugen und eindringlichen Art Bubers vorgetragen, ein schwer zu vergessendes Erlebnis. Am darauffolgenden Abend kam es zu einer v e r t r a u I i c Ii '■ n A u s s p r a e Ii e zwischen etwa zwanzig älteren JugendringfOhrern und Dr. Buber, in deren mehrstündigem Verlauf das meiste zu Rede und Besprechung kam. was junge Menschen und besonders junge .luden bewegt.