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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-04-04 · 14 (4.4.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
14 (4.4.1930)
Date
1930-04-04
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I. April 1930 OBMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RKLIG10NSQEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Vorschriften für Sabbat Erew-Peßach Das orthodoxe Rabblnal bitte! uns, folgende Bekanntmacbung zu erlassen; Da in diesem Jahre Erew-Peflaeh auf einen Sabbat fällt um) die religiösen Vorschriften hierfür nicht allgemein bekannt sind, so seien dieselben in folgendem kurz dargelegt. 8 l. Das Nachsuchen und Nichligerklüren des (iesäuerten (Bedikas ubittul Chomei) findet in der Nacht auf den 13. Nissan, also am Donnerstag, 10. April, statt, und zwar gans in der gleichen Weise wie sonst am Vorabend des 14. Nissan: ebenso wird vorher die Broeho und nachher Kol Cham im gesprochen. 8 Die Erstgeborenen (oder deren Väter während des Kindesalters ler Beohorim) fasten Donnerstag, 12. Nissan. 8 3. Am 13. Nissan. Freitag. 11. April. K-11 Uhr, lindel das Vitbrennen des Chomei stall, ohne dafl dabei Kol Chamiro gesprochen wird. 8 4- An demselben Tage, also Freilag. 13. Nissan, muH das Chomei verkauft werden. Ks darf nur soviel Chomei als Eigentum behalten werden, wie man Freitags, Freitag abend und Schabbos früh zum Essen gebraucht § 8. Am Sabbat Erew-Pessach morgens geht man früh zum (iottesdiensl (in den hiesigen orthodoxen Synagogen früh um Uhr), damit man noch genllgend Zeit habe, vor 9,20 Uhr die beiden Sabbatmahlzeiten mit Brot zu genießen. 8 <!■ Am Sabbat Erew-Peflach darf man nur bis vormittags 0.20 Uhr Chomei genießen. § 7. Von Chomez-Speisen sollen für diesen Sabbat nur solche gekochl werden, die nicht zu sehr au den Töpfen kleben, wegen der am Sabbat unzulässigen Reinigung derselben. § «• Die sämtlichen Vorbereitungen für den Sederabend dürfen erst nach Ausgang des Sabbats besorgt werden, ( haroses. Ki und Seroa sollen schon vor Sabbat zubereitet werden. § »■ Wenn Sabbatbrote im Hause gebacken werden, so ist an diesem Freitag besonders streng darauf zu sehen, dafl man nicht vergesse, ('hallo zu nehmen. Praktische RatMhlige für Erew-Peßarh am Sabbat. Am Freitag, bevor man mit dem Kochen für den Sabbat beginnt, bringe man die Küche vollkommen in den Stand, in welchem dieselbe sonst erst am Erew-Peßach in der Zeit des völligen Chomez-Verbotes sein muß. Der Herd sei geglüht oder nach Vorschrift mit Platten neu belegt, die Geräte gekäschert, Küche und Schränke sorgsam gereinigt. Es befinde sich kein Chomez-Geschlrr und selbstverständlich keinerlei Cbomez mehr in der Küche. Vor Eintritt des Sabbat schliefe man alles Choniez-Goschirr fort mit Ausnahme derjenigen (leräte, die man am Sabbat noen gebrauchen will. Diese hebe man außerhalb der Küche mit den Sabbatbroten und etwaigem anderen Chomez an einer besonderen Stelle auf. Alles Chomez, das man nicht für den Sabbat nötig hat, schaffe man aus dem Hause und durch vorschriftsmäßigen Verkauf aus dem Besitse. Während in der Küche alles schon wie für Peflach vorbereitet ist, darf auf den Sabbattisch. worauf sich die Sabbatbrote, also Chomez belinden, kein Gerät gebracht werden, das man am Jomtow gebrauchen will. Der Tisch wird mit Cbomes-Geschirr gedeckt. Leert man daher in der Küche die Speisen in ein neues oder sonstiges Jonitowgeschirr und bringt dieses auf den Tisch, so kann mau dieses Gerät nicht mehr für Jomtow gebrauchen. Wer kann, kaufe 2—3 neue Töpfe, für Fleisch und Suppe, Kaffee und Milch, und koche in diesen das für Freitagabend und Sabbatmorgen Notwendige, richte aus diesem Geschirr in dem Zimmer, in welchem die Mahlzeit eingenommen wird, an. reinige sie notdürftig nach dem Gebrauch mit dem Choniez-Gcschirr und stelle sie mit diesem weg, um sie nach Peflach für Chomez zu gebrauchen. Wer nicht neues Geschirr kaufen kann, möge, da man beifle Speisen von einem Peßarh-Geschirr, in welchem die Speisen gekocht wurden, in ein Choniez-Geschirr und umgekehrt nicht unmittelbar umleeren darf, alles in Peflach-Geschirr kochen, leere dann die gekochten heißen Speisen in ein anderes kaltes Peflach-Geschirr und von diesem zweiten Peßarh-Geschirr erst in ein kaltes Chomez- Geschirr um. aber so. daß nicht von diesem Chomez-Gesrhirr in das Peflach-Geschirr etwas zurückspritzt, und daß die Geräte einander nicht berühren. Nach der Mahlzeit am Sabbatniorgen schüttelt man die Kleider und die Tischdecke, auf denen Chomez-Krumen liegen, sorgfältig aus. legt letztere zum Chomez-Geschirr und fegt das Zimmer in der am Sabbat erlaubten Weise. Was von Chomez-Speisen übrigbleibt, schenkt man einem Nicht- Juden, der nicht zum Hause gehört, in der Art. daß er es von selbst nimmt und aus dem 10 Uhr morgens besorgt sein, ('ha m i r o gesproc h e n. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde. Hause trägt; dies alles muß bis Gleich n a c h h e r w i r d Kol Unsere Gemeinde Vorträge über liberale- .luileniam. Herr Gemeinderahhiner Dr. F. Goldmaiiii wird am Mittwoch über „Das Prinzip des Liberalismus" sprechen (in Fortsettung der Vortragsreihe „Entstehung, Wesen und Bedeutung des Liberalismus"). Näheres siehe unter „Vereinsnachrichlen" unter ...luiig-.lüdischer Klub". Studenleiihilfe. Gesuche um Gewährung von Stipendien und Beihilfen für das Sommerseinester 103<> müssen bis zum 15. April 1031) bei dem Unterzeichneten eingereicht werden. Es wird ausdrücklich ilarauf aufmerksam gemacht, daß nur rechtzeitig eingereichte Gesuche Aussicht auf Gewährung haben können da die Studentenhilfe ru Beginn des Semesters über die Verteilung der vorhandenen Mittel disponieren muß. i.A.: Dr. Felix Goldmann. Leipzig. König-Johann Str. 1". Jugeuddieii>t des Jüdischen Frauenbundes. Beim Jüdischen Frauenbund ist schon vor einiger Zeit eine besondere Abteilung gegründet worden, an deren Ausbau zur Zeit gearbeitet wird. Der „J uge n d d i e n St" (zuerst „Nachgehende Fürsorge" benannt) will alleinstehenden Jugendlichen eine beratende Helferin zur Seite stellen, die im Erwerb stehende wie auch erwerbslose oder arbeitslose Jugendliche betreuen soll, um sie vor dem Engpaß der Gefahr einer Verwahrlosung zu schützen. Hierfür will er in der ganzen jüdischen Frauenwelt Deutschlands das Verantwortungsgefühl für das Schicksal solcher Jugendlichen wach machen. Die Zentralstelle für dieses wichtige Gebiet sozialer Arbeit ist in Frankfurt a. M. (Langestraße 3). Für Leipzig hat Frau Vera Rosenbaum, Ecksteinstraße B6, die Leitung der Arbeit übernommen. Einzelheiten über die Art der Arbeit werden demnächst bekanntgegeben. Piirimfeier der Zionistischen Fraunigruppe. der Schule für hebräische Sprache und Literatur „Teehijja" und des liebräisrlien Kindergarten-. Schon lange vor angereister Stunde versammelten «ich am 12. März im großen Saale des Zeutraltheaters Kinder, teilweise in sehr originellen Kostümen, um an der ihnen bereits seit einigen Jahren bekannten Purimfeier teilzunehmen. Welch frohe Kindergesichter, welch ungehemmtes Lachen, und welch sorgloses Treiben entwickelten die kleineu Teilnehmer und Teilnehmerinnen an diesem Nachmittag, und schweren Herzens leisteten die Kleineren der Aufforderung, schon um 7 Uhr nach Hause zu gellen, Folge. Man konnte es den Kleinen auch wirklich nachfühlen: was haben sie nicht alles an dieser Purimfeier erlebt, mit welcher Aufmerksamkeit verfolgten sie die entzückenden Auffühningen ihrer kleinen Freunde auf der Bühne, beim Tanz, Gesang. Spiel oder den Klängen des Kinderorchesters. Die Freude erreichte ihren Höhepunkt, als auf der Bühne ein Puriinspiel von Kipnis, Benjebuda Und Engel, mit anschließenden Tänzen der übermütigen Masken, aufgeführt wurde.

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