Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 12 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHKN RKL1GI0NSGEMEINDE ZU LEIPZIG Dir teierliche Entlassung der abgehenden Schüler und Schülerinnen Andel am Sonntag, dem 28. d, M„ mittag! pünktlich vi Uhr. in der Schulaula statt. Da in diesem Jahre bei der großen Zahl der zu Entlassenden ein bi sonder« starker Andrang zu erwarten Ist, werden alle, «Ii«' Interesse für die Schule haben und I» i diesem bedeutungsvollen Akt zugegen zu sein wünschen, daraul autmerksani gemacht, daß sie rechtzeitig kommen müssen, weil erfahrungsgemäß die nur in beschrankter Zahl vorhandenen Plätte schnell vergriffen sind. Anmeldungen für DUrrenberg werden entgegenge.........len: Montag, den 24. Mär/.. 10—1 Uhr. Lohr straße 10, Part; Montag, den 81, Mira, 10 1 Uhr, Löhrstr. lO,Part. Studentenhilfe. Gesuche um Gewährung von Stipendien und Beihilfen für das Sommersemester 1980 müssen bis iura r>. April 1930 Lei dem Unterzeichneten eingereicht werden. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß nur rechtzeitig eingereichte Gesuche Aussicht auf Gewährung haben können, da die Studentenhilfe zu Beginn des Semesters über die Verteilung der vorhandenen Mittel disponieren muß. i.A.: Dr. Felix Goldmann, Leipzig, König-Johann-Str. 17. Im Lande der Bibel, Die Agudas Jisroel, Orts- und Jugendgruppe Leipzig, veranstaltete am Sonntag, dem!•. März, im Saale des Künstlerhauses einen Propagandaabend zugunsten des Schulwerkes der Agudas Jisroel in Palästina. Als Redner war Herr Julius Rothschild, ehemals Sachverständiger bei der 1'alüstina-Hogierung und Leiter verschiedener Unternehmungen der Palästina-Regierung, gewonnen worden. In seinem Vortrag, betitelt ..Im Lande1 der Bibel", schilderte Herr Rothschild ausführlich fast sämtliche jüdischhistorischen stiitt.in des Heiligen Landes und illustrierte seine Ausführungen durch 100 vorzügliche Lichtbilder, die dem Zuhörer ein genaues Bild der noch heute existierenden Stätten. Ausgrabungen und Funde vorzauberten. Man sah nicht nur sämtliche heiligen Stätten Jerusalems, seine alten Grabdenkmäler, den Tempelplalz und andere Denkmäler, sondern auch fast sämtliche jüdische Sehenswürdigkeiten Judäas und Galiläas. Man konnte quasi mit den gezeigten Bildern von Norden nach Siiilen. von Westen nach Osten l'alä.-tinas wandern Aber auch die jüdischen Kolonien, wie Petach Tikwa, SichronJakob, Migdal, Tel Aviv u. a., wurden besucht und ihre herrlichen Plantagen und l eidet stachen wohltuend ab gegen die kahlen, felsigen Kuppen der Wüste Judas und des moabitischen Gebirges. Man sah die aus st rbenden Samaritaner und ihre Kultstätten und die zähen Yemeniten mit ihren entzuckenden Kindern. Beduinen und ihre Wohnstätten und Araber in ihren Silks. Die ganzen Vorführungen waren einzig in ihrer Art und noch nicht in dieser Ausführlichkeit in Leipzig gezeigt. Diejenigen, die den Vortrag nicht besuchten, haben -icher sehr viel versäumt. Alles in allem war der Abend ein großer Erfolg der Agudas Jisroel Weltorganisation, die damit dokumentieren wollte, daß sie in ihren Bestrebungen den Faden, der vor bald 'Jiiiki Jahren jäh zerrissen wurde, weiterspinnt und die alte Tradition heutigen und späteren Geschlechtern als ein teuere- Vermächtnis übergibt. Ri icher begeisterter Beifall am Schlüsse gaben dem Herrn Redner die Gewißheit, daß -eine Ausführungen ein dankbares Publikum gefunden halten. Gexelliger Nachmittag im Frauenbund. Der jüdische I rauenbund vereinte wiederum am 10. d. M. Im ..Königshot" seine Gäste, die nach dem vorhergegangenen geselligen Beisai.......nsein nur zu gern der Einladung folgten. Clara Schott las eine ihrer jüdischen Geschichten: Ei.....iharakteristische Kleinmalerei. Frau Dr. Haas, von Fräulein Jackson feinsinnig begleitet, sang mit 'jut geschulter, frischer stimme und anmutigem Vortag die Arie au- „Das GMckehen des Eremiten", das etwas ernste Lied ..Kail isch" und zum Schluß „Die l'uppeuhoehzeit". Man dankte ihr für da- Dargebotene nicht nur mit Worten, sondern auch mit Blumen. H. <ir. Tagung der \ ereinigung der Rabbiner im Freistaal Sachsen. Am 9. März tagte hier in Leipzig die Vereinigung der Rabbiner im Freistaal Sachsen. Die Sitzung wurde in Vertretung des verhinderten ProfesSOI Dr. W inter (Dresden) durch Dr. (i ii | d in a Ii n (Leipzig) geleitet Zunächst beschäftigte mau sich mit den Trauungen von Ausländern, welche in Deutschland ansässig sind, in der Tschechoslowakei. Die vielfach erfolgten Anfechtungen solcher Ehen und die Frage ihrer Gültigkeit führten zu einer ausgedehnten Diskussion, als «leren Ergebnis die Rabbinervereinigung folgende Veröffentlichung beschlossen hat: ..Auf Grund verschiedener Vorkommnisse richtet die Vereinigung der Rabbiner im Freistaat Sachsen an alle Verlobten nichtdeutscher Staatsangehörigkeit die dringende Mahnung, sich sofort nach der Verlobung wegen der gesetzlichen Trauung mit dein zuständigen Rabbiner in Verbindung zu setzen." Sodann wurde die frage der B e a in I e n e i g e n sc h a f I und der lebenslänglichen Anstellung der Rabbiner behandelt. Nach den vorliegenden Rechtsgutachten bestellt für den Freistaal Sachsen kein Zweifel au der lleanileneigenschafl der Rabbiner. Da sich zur Zeil für keinen sächsischen Kollegen praktische Konsequenzen aus diesen Feststellungen ergeben, unterblieb ein Beschluß. Bei der Besprechung des passiven Wahlrechts der G eme i ndebea m t en wurde es als ein unhaltbarer Zustand geschildert, daß noch iii der heutigen Zeit den jüdischen Gemeindebeamten das passive Wahlrecht vorenthalten wird. Es soll im Einvernehmen mit dein Lehrerverbaiide und mit den Verwaltungsbeamten vorgegangen werden. Dali bei der Gewährung des passiven Wahlrechts auf die Befreiung von der Kultussteuer verzichtet wird, ist selbstverständlich. Schließlich wird der stand der Schächtangelegenheil liu Sachsen schwebt ein Antrag auf ein Schächtverbot) besprochen und die für die Behandlung der Frage zu beachtenden Richtlinien und die zu leistenden Aufgaben werden festgestellt. An den scheidenden Kollegen Dr. Gärtner (Zwickaul richtet der Versammlungsleiter im Namen aller Kollegen herzliche Ab- Bchiedsworte und dankt ihn für seine treue und gewissenhafte Arbeitsleistung, die er dem sächsischen Rabbinerverbande gewidmet hat. Die liberalen Kollegen versammelten sich am Nachmittag noch einmal, um zur Frage des n e u e n F. i n h e 11 s g e b e I b u c h e s Stellung zu nehmen. Nach einer längeren Besprechung der Vorzüge und der Mängel des vorgeschlagenen Gebetbuches wurde folgender Beschluß angenommen: ..Die unterzeichneten liberalen Rabbiner Sachsens übermitteln dem sächsisch-israelitischen Gemeindeverband die Anregung, allen Verbandsgenieinden mit liberalem Gottesdienst zu empfehlen, daß sie auf der Grundlage des neuen preußischen Einheitsgebetbuches ein solches für die Gemeinden in Sachsen schaffen lassen. Die anwesenden liberalen Rabbiner erklären sich bereit, mit Vertretern der Verbandsgemeinden daran mitzuarbeiten." Hauptversammlung de- Ixraelitisehen I ranern erein-. Am 12. März d. .1. hielt der Israelitische Frauenverein zu Leipzig seine 77. Hauptversammlung in den Räumen der Leipzig-Loge. Arndtstr. 1. ab. Nachdem die Vorsitzende die Anwesenden und ganz besonders die Herren Vertreter des Gemeindevorstandes begrüß! halte, erstattete sie den Geschäftsbericht Der Verein hat im Berichtsjahr sehr schmerzliche Verluste erlitten durch den Tod treuer und langjähriger Mitglieder. Die Vorsitzende sprach in warmen Worten von Frau Alexandra Ei 11 n •_' o n . ihrem hochgeschätzten, langjährigen Vorstandsmitglied, von Frau Rosa Frank, die dem Verein (Kl Jahre als treues Mitglied angehört hat. Mit Frau Hermine K roch ist eine warmherzige Wohltäterin dahingegangen. Besonders schmerzlich nicht nur für unseren Verein, sondern auch für die Fürsorge der ganzen Gemeinde isl das Ableben von Frau Regina Pf.efferblttth, deren Verdienste noch frisch in unser aller Erinnerung sind. Ferner wurden dem langjährigen treuen Berater des Vereins. Herrn Justizrat Carl Leb recht, durch dessen Tod der Verein einen schweren Verlust erlitten, herzliche Worte des Dankes gewidmet Im Kreise des Vorstandes ist dadurch eine Veränderung eingetreten, daß Frau Flora Ca Ii u ihr Amt als stellvertretende Vorsitzende aus Gesundheitsrücksichten leider niederlegen mußte. Der Vorstand hat das Amt einer stellvertretenden Vorsitzenden Frau Alice Haas anvertraut. Die Tätigkeil des Vereins erstreckte sich, wie auch in früheren Jahren, auf die Fürsorge bedttrftiger Frauen. S.-huleutlasgene Mädchen erhielten die Mittel zur Berufsausbildung; Kuren und Badereisen wurden durch Zuwendung bedeutender Zuschüsse ermöglicht. Mit herzlichem Dank an die Spender, deren Güte es zu danken ist. daß dieses Programm durchgeführt werden konnte, und mit der lütte, den Verein auch weiter zu unterstützen, schlot.l die VorrJtzende den Geschäftsbericht Dem geschäftlichen Teil folgte ein geselliges Beisammei