Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 8 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4876568-5968776-5969156--3031-4877469- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ememö eMatt DER ISRAELITISCHEN REUGIONSGEMErlNDE- ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das (.rmciiulclt1.il t crstiicint (rdrn I reit.in uml u ml den Mlt^lirdt'rii d«T RH i< ins^l mrunlr 11 neu I \i r 111 uh durdi dir Post zuerst eilt — S c h r 11111* 1tU n M l (icmcindcrabblncr liustav Cuhn, Leipzig l.6hrstmUr 10 NUMMER 8 / JAHRGANG 6 FREITAG 21» FEBRUAR 10IO tnielpenVerwaltung m«! Druck: Budhdrudterel \uuiiM Prlct. LelpilKi BrOdcrttr. 59 - rcrnrul 70006 - Potttchcat LetpilR 53920 - Vididrutk nur mit Quellenangabe und iuk Genehmigung dei Verfassen gestattet Rückständige Gemeindeanlagen In den vergangenen Steuerjahren haben wir nach Zustellung dei endgültigen 14*-- scheide mit Ablauf der Frist in besonders entgegenkommender Form unsere Mitglieder um Zahlung der rückständigen Beträge gebeten. Ks hat sich aber gezeigt, daß dieses Entgegenkommen keineswegs gewürdigt, sondern vielfach mißbraucht worden ist. Wir sind es unter diesen Umständen der Mehrheit unserer Gemeindemitglieder, die ihren Verpflichtungen pünktlich nachkommen, schuldig, die säumigen Steuerzahler zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen anzuhalten. Wir werden deshalb von jetzt an nur noch kurze Mahnschreiben zustellen und hei Nichteinhaltung der Zahlungsfristen mit allei Entschiedenheit von den uns zur Verfügung stehenden Zwangsmitteln Gebrauch machen. Außerdem werden wir bei nicht rechtzeitiger Zahlung Verzugszinsen berechnen. Leipzig, am i8. Februar to.v» Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig IM STERNENLICHT Eine alle Erfahrung lehrt. <l:il.i in politisch uml wirtschaftlich katastrophalen Zeiten das Volk seine Zuflucht tu allerhand Oeheimlehren nimmt, aus denen es Erklärung für ihm sonst unfaßliches Geschehen und Trosl für die Zukunft schöpfen will. Während des Dreißigjährigen Krieges richtete bekanntlich die schwergeprüfte Menschheit ihren hilfesuchenden Blick nach den Sternen, un<l auch jetzt, nach dein Weltkrieg, verrät das Anschwellen der astrologischen Literatur in Deutschland, daß die Anhängerschaft dieser vielumstrittenen Wissenschaft wieder im Wachstuni begriffen ist. Wir .luden sind davon nur mittelbar betroffen. Eindeutige Ver hole unserer Religion, wesentlich gefördert durch unsere skeptische Veranlagung, verhüten eine nennenswerte Ausbreitung des außerreligiösen Okkultismus in unseren Reihen, und so brauchten wir auch /ur Astrologie nicht besonders Stellung zu nehmen, wenn dieses Verhältnis auf Qegenseitigkeil beruhen würde. Leider muß aber festgestetlt werilen. dilti unter dem Mantel astrologischer Literatur viel fach — antijüdische Hetze getrieben wird. Die der Rassenlehre mit der Astrologie gemeinsame Unklarheit und Verworrenbeil mancher Grundlagen, vor allem die Tatsache. dalJ beide einen starken, .veniger im Rationell-Spekulativen, als vielmehr im Hang /um Mystisch-Dunkcln fundierten Glauben voraussetzen, halien den schein bar so verschieden gerichteten Lehren vielfach eine gemeinsame Komponente geschaffen, die die Tröstungen der Zukunft nicht bloß Von Dr. IIiik» Spiegier. bei den Kometen und Planeten des Sternenhimmels im /.eichen der Tierkreise, sondern auch bei den wesentlich bescheideneren Lichtern des politischen Firmaments im Zeichen des Hakenkreuzes sucht. Eine erfreuliche Ausnahme bilden die von Krau Elsbeth Ebertin (Erfurt) verfaßten oder mit herausgegebenen Bücher „E h e rt i n- K ■ I e n d e r 1930" und „W o hin t r e i b e n « i r Diese Pionierin der deutschen Vstrologie erklärt ausdrücklich („Wohin treiben wir?" S. '^~>. daß sie persönlich sich grundsältlich keiner Partei anschließe, weil sie als Kosmologin alles vom höheren Standpunkt aus betrachte, und fährt fort: „Jede Zugehörigkeil zu einer Partei ist meines Krachtens enge Begrensung des g e i s t i - ü e ii Horizonts." Noch schärfer formuliert sie diese Anschauung ein paar Seiten vorher in einer I1 0 I e in i k ge B e u M a t h i Id e L U d e n - dorff. Diese streitbare Dame hat den Zorn der Astrologin durch Verspottung der dieser heiligen ..Wissenschaft des -ju. Jahrhunderts" heraufbeschworen. Vom jüdischen Standpunkt kann jedes Weil. das hier von astrologischer Warte zur Charakterisierung der Frau Ludendorfl angewendet wird („Tüchtige Rednerin, aber nicht tiefgründig genug in ihrem Wissen". „Wer am wenigsten weiß, schreit immer am lautesten"), unterschrieben werden. Und wenn Frau Ebertin ihr zuruft: „Durch die Auswirkungen ihres Kampfgeistes auf politischem uml religiösem Gebiet mag ihr die Zeit lehlen, Meli in die Wissenschaft der Sterne zu vertiefen. Dadurch winde sie klarei