Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 3 (17.1.1930)
- Date
- 1930-01-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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(Semrinö cblatt DER ISRAELITISCHEN REL1GIONSGEM&INDE-ZU I {LI D7|^L AMTLICH E5 NACH RICHTEN BLATT Lau« IT Mm IW DER GEMEINDEVERWALTUNG« 1 Dm Genclndeblal 1 erMhelnl feden rrcit^u und wird 1 den Mii^iintrtii der Kcllginnigrpuilndr iiiH-ni^rltluii 1 durch ue t'ost BUfestelh - SchriftIcituiiu: 1 Gemelnderabblner Guttat Cohns. l.Hi>/iu, LoliratraAe 10 NUMMER I / JAHRGANG 6 FREITAG 17» JANUAR 10IO \n/i'i|>t-n\rn. .illtinu tnul Drink: Itudulilukt-rci \llyust Prl«. Leipzig, BrMentr. 59 - Cernrul 70006 - Pwt- ■dteai LnpxlÄ 53920 - Nsdidnuft nur nm Quellen« ■ngaLc und mli Genehmigung de* VcriSMcn gettfittel FÜHRENDE JUDEN S. Fischers 70. Geburtstag, Am 24. Deiember wurde s. (Samuel) Fischer, der tu den führenden Verlegern Deutschlands gehört, Tu Jahre »lt. Kr wurde in Lipto Sit. Miklos (Slovakei) geboren, kam 1881 nach Berlin und begründete issi; den Verlag s. Fischer, der Tolstoi, Dostojewsky, Zola. Jokai und deutsche Autoren, wie Bleib- Iren, Stettenhelm, Hermann Bahr, brachte, ihhü wurde er Vorstandsmitglied des Vereins „Freie Bühne" und nahm dessen von Otto Brehm geleitete Zeitschrift in Verlag, aus der sieh dann die führende Zeitschrift „Neue Rundschau" entwickelte. Seitdem wurde sein Verlag führend für die deutsche literarische Bewegung. Kr verlegte Ibsen und Shaw. Qerharl Hauptmann, Richard Dehmel, Thomas Mann. Jacob Wassermann und Arthur Seh nitzler. Auch alle Schriften Walter Kathenaus sind bei ihm erschienen. Im „Berliner Tageblatt" widmet Jnkuli Wassermann seinein Verleger einen lungeren Aufsalz, der mit den Worten beginnt: „Um das Jahr 1N!X) war der Name s. Fischer Schlachtruf, heute ist er ein Begriff von ehrwürdigem Klan»." In seiner feinen Würdigung spricht Jacob Wassermann über s. Fischer folgendes: Kr erschien mir ... durchaus wie ein gemütlicher, wohlgelaunter •lauer, sehr vorsichtig, ziemlich skeptisch, gegen große Worte und große Gesten voll Mifitrauen und beruhigend durch eine gewisse angenehme Breite der Natur. Jlger, Menschenjiger, ja. das war er. das war und ist sein eigentlicher Beruf. Mit einer genialen Gabe der Witterung, einem Spürsinn, der ihn selten trog, warf er das Flachernetz nach allerlei bunten, wilden, raubtierähntichen, schwer zu fangenden und schwer festzuhaltenden Amphibien und Kienientiereu. um sie sorgsam in sein Aquarium zu transportieren und dort zu verpflegen. Also doch mehr Fischer als Jäger. Fischer sind bedächtigere l.eule als die Jlger, philosophischer und seßhafter. Wenn ein Manu wie Fischer, der immerhin an einem Stück europäischer Qeistesgeschichte unleugbar Anteil hat. seine Erinnerungen schriebe, könnten wir wunderliche Dinge lesen. Denn die Schicksale, die aii ihm vorübergesogen sind, das Auf und Ali der Welt, der Sturm der Geister und Herzen, Elend und plötzliches Glück, Ringen und Gelingen, uiuUten einen seltsamen Killdruck auf ihn ühen, da sie wie ein bewegter Abglam dessen waren, was in den vielen Büchern stand, die auch nur an ihm vorübergingen wie die Menschen, aus deren Träumen und Gedanken sie gemacht waren, eine taubervolle und beingstigende Doppelbett. Da hielt es nicht mehr: schlecht oder gut, da hieli es: wahr, weil gelebt, und von einer zweiten Auflage konnte keine Rede sein. Mau sieht es ihm an. dall er das getragen hat. denn er trügt «'s noch. Kr hatte durch viele Jahre einen unvergleichlichen Helfer und Berater. Moriz Heimann (unvergleichlich, ja: ilier es graul einem vor den Worten, weil sie so wenig besagen und ■o wenig Folge haben); der öffnete ihm den Zugang in die Seelen, jedes einzelne Zusammensein mit ihm wuchs zu höherer Disputation empor und bedeutete Gewinn an Einsicht und Freiheit. Auch dies ist Gabe und Verdienst, den Helfer zu finden, nicht liloli (ilücksfall: wein könnte gedient werden, der nicht zu dienen versteht. Kr war stets der Diener seiner Diener; darin liegt seine Humanität. Wilhelm Kleemann litt Jahre Am Dienstag, dem 17. Dezember, vollendete Herr Wilhelm Kl.....nann, Direktor der Dresdner Bank. sein iio. Lebensjahr. Direktor Kleemann ist einer der hosten Kenner des Genossenschaftswesens; er leitet die Genossenschaftaabteilung der Dresdner Bauk und ist ferner der oberste Chef der Berliner Wechselstuben dieser Bank. Im Kilian/, und Wirtschaftsleben Deutschlands nimmt e>- einen besonderen Plati ein; in mehr als zwei Dutzend Industriegesellschaften vertritt er. zum groflen Teil als Vorsitzender des Aufsichtorates, die ausgedehnten Imluslrieinteresseii der Dresdner Bank, au deren Aufstieg er hervorragenden Anteil hat Direktor Wilhelm Kleemann betätigt sich au führender Stelle im jüdischen sozialen und Gemeindeleben. Er Ist Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, Präsident des Wiederaufbaufomls des Verbandes „Ort", Abteilung Deutschland. Vorsitzender des Vereins ..Magine Beim" und Vorsitzender des Aufsichtsrates des jüdischen Kreditvereins, der ersten jüdischen Bank auf genossenschaftlicher Grundlage in Deutschland, deren Begründung er angeregt hat. Kr ist ein führendes Mitglied der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. Die „Jüdisch-liberale Zeitung" widmet Direktor Dr. Wilhelm Kleemann, der Mitglied des Hauptvorstandes und Schatzmeister der Vereinigung für das liberale Judentum ist. einen Begrüfiungsartikel, in welchem es heißt: Kleeinann kam nicht von ungefähr zur jüdischen Arbeit. Als der Solu: eines jüdischen Lehrers hängt er mit inniger Liehe am Judentum und spricht mit Stolz davon, daß Jüdisches Wissen von früh an seine Schritte geleitet hat. Wilhelm Kleeinann bekennt sich aus tiefster Oberzeugung zum liberalen Judentum; die Fortentwicklung des religiösen Lebens auf allen Gebieten Jüdischer Wirksamkeit unterstütz! er mit Bat und Tal. wobei er im liberalen Kreise wohl in religiöser Beziehung zu denen gehört, die den Fortschritt und die Entwicklung von der Tradition herleiten und sich von ihr nicht ganz trennen wollen. In zwei Fällen hat Kleeinann mit allen Richtungen im Judentum Hand in Hand fruchtbare Arbeil geleistet, nämlich im Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin und in der Deutschen „Ort"-Gesellschaft, nicht zu sprechen von den vielen sozialen Vereinigungen, «leiten er fördernd und leitend angehört. Direktor Dr. h. c. Wilhelm Kleemann ist auch Mitglied des Verwaltungsvorstandes des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums und hat im Vorstand das Amt als II. Schatzmeister übernommen, Eduard Berasteia 80 Jahre. Eduard Bernstein, der älteste unter den gegenwärtigen Kührern der deutschen Sozialdemokratie, Kritiker des marxistischen Sozialismus und Vater des „Revisionismus", vollendete am 8. Januar 1980 sein NO. Lebensjahr. Er wurde in Berlin als Sohn eines Lokomotivführers geboren und kam In", zur Sozialdemokratie. Auf Grund dos Sozialistengesetzes von 1S7S aus Deutschland Verbannt, redigierte er von tKNl Iiis ISiHI in Zürich den ..Sozialdemokrat" und übersiedelte dann, auch aus der Schweiz wegen seiner politischen Tätigkeit vertrieben, nach London. Während der