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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-01-10 · 2 (10.1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
2 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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in. Janaal 1980 (ilvMKlNDKBI.ATT Di:i( ISKAKI.ITISCIIKN R K LIU IONS( 1 KM KINI)K ZU LKIPZIU Seite .". Jüdischer Frauenbund / Ortsgruppe Leipzig Montag, den 13. Januar, 4,30 Uhr im Hotel Hauffe Die religiösen Richtungen im Judentum" M Referate Frau Cilly Dzialowski: Orthodoxes Judentum Frau Else Cohn: Liberales Judentum Voranzeige Am Dienstag, den 21. Januar, 4,30 Uhr finden im Hotel Hauffe die Referate über „Politische Richtungen im Judentum" statt. Frau Anna Neumann: Zionismus Frau Dora Ury: Die Ideologie des Central - Vereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens Produkt der gesellschaftlichen Entwicklung ist zur Befreiung <ler Arbeiterklasse von soiialer Unterdrückung, so soll er gleichseitig die national unterdrückten proletarischen Massen befreien. Ks besteht also kein Widerspruch /.wischen Nationalismus und Sozialismus, der Kampf um Sozialismus ist der Kampf um nationale Befreiung unter drflekter Massen. Die Bedingungen, die die Massen sum Streben nach ökonomischer, politischer und kultureller Beherrschung dos Volkslebens bestimmen, führen die jüdischen Massen zu einem selbsländig-national-sosialen Leben, Die allgemeinen Zionisten glaubten, dal.'i der alleinige Faktor in dem historisch gewordenen Protei) des jüdischen Volkes der Wille sei, und dal.t er zur nationalen Befroiune; genüge. Sie haben sich auf Palästina festgelegt, weil sie annehmen, dal.! die .luden nur dahin würden auswandern wollen und nur dort die Kräfte würden entwickeln können, die nütiy sind, um einen Staat aufzubauen. Sie haben sich Palästina als ein Kolouisalionsunternehmen vorgestellt, das nach einem bestimmten Plane entworfen wird, und wo die jüdischen Massen konzentriert würden. Auf demselben Standpunkt wie die allgemeinen Zionisten standen die S.S., die allgemeinen Terrllorialisten. die Sejiuisteu. Sie alle glaubten, es sei nur notwendig, eine Bewegung ins Leben tu rufen. Die Territorialisten und die Sejmisten waren sich nur nicht einig darüber, wohin man den Kmigrationsstrom lenken solle. Hauptargumenl der Territorialisten war: Mau mul.1 die wandernden, hungernden jüdischen Massen vom Untergänge retten, und deswegen mufl ein Land schon besetzt werden, auch während Palästina, infolge politischer Verhältnisse, noch nicht tu haben ist. Die s.S. waren Anhttnger der Entartungatheorle; sie glaubten, daß die .luden in den Ländern, in denen sie leben, national und physisch zugrunde gehen. Deshalb wollten sie ein Land so »•hnell wie möglieh und gana gleich wo, um dieser drohenden Vernichtung sich entgegentustemmen. Die Rettung mußte schnell kommen, um die ökonomischen und physischen Kräfte, die im Volke noch vorhanden sind, dem Lande noch nutzbar machen zu können, im Qegensats zu den s.S. glaubten die Sejndsten, dati im jüdischen Volke noch unendliche Kräfte vorhanden sind, die nur entfallet werden mOBten. Deshalb forderten sie die nationale und politische Autonomie in jedem Lande, vertreten durch jüdische Sejine, die ihrerseits Vertreter in die Landessejme entsenden, um so KinlluU auf die Qesettgebung des Landes tu üben. Den Zionismus verteilen sie auf eine spätere Zukunft. Sobald man durch die Sejine die jüdischen Kräfte organisiert haben wird, wird es ein leichtes sein, geeignetes Land tu bekommen, und die Massen werden, selbst wenn es ihnen in den Wohnländcrn mit geht, sich dort sel.ihaft machen. Allen diesen unhaltbaren Theorien hat BofOcboW die wissen schaftlich begründete Theorie des stychischen Prozesses entgegengesetzt. Der Zionismus ist kein Wohltltigkeitsverein zur Errettung wandernder und hungernder .luden, er ist vielmehr ein natürlicher ProseB, der die .luden zwingt, in ihren Wohnländern ihre Kräfte zu sammeln, um den Wanderstrom der jüdischen Massen in Palästina ausmünden zu lassen. Palästina ist nicht blofi eine Theorie, nicht bloß ein Wunsch, Palästina ist ein ProseB, den der Zionismus her vorgerufen hat, und der dort seine Verwirklichung findet. Die jüdische Wanderung ist ein Notprodukt des jüdischen Volkes. Man kann sie nicht lenken, sie wird und muß münden in Palästina. Derselbe 1'rozel.i, der die Wanderung hervorufl. schafft die Schranken für die Wanderuni;, und es wird im Interesse der Wanderer liegen, nach einem Lande auszuwandern, das ihrem Charakter und ihren Kräften entspricht, das halb industriell und halb Agrarland ist, das im Mittelpunkt dreier Kontinente liegl (Asien. Europa, Afrika) und das die Möglichkeit hat. ein wichtiges Handelszentrum zu werden, und das geographisch den jüdischen Zentren naheliegt. Die Krane, ob der nationale Kampf den Klassenkampf hindert, wurde durch Borochow vollständig beiseitegestellt. Sie erübrigt sich, sobald nationale und soziale Entwicklung «las gleiche ist. Da der Klassenkampf auch gleichseitig sich gegen nationale Unterdrückung wendet, kann der Kampf um nationale Befreiung das Klassenbewußtsein nicht verdunkeln. Eine zweite Frage, die von Antisionisten gestellt worden war. war die, ob sich die Jüdische Arbeiterschaft freiwillig dein Aufhau eines bürgerlichen Staates zur Verfügung stellen dürfte. Dieser Vorwurf war berechtigt gegenüber den Sejmisten und den S.S.. die sich den Aufhau einer jüdischen Heimstätte als freiwilliges Unternehmen vorstellten, Borochow dagegen sali den Zionismus in seiner Entstehung wie in seiner Entwicklung als einen stychischen Proteß an. der sich aus den gesellschaftlichen Verhältnissen entwickelt, einen ProseB, dessen Verlauf jede Klasse und jede Partei in ihrem Sinne, ihren Interessen entsprechend zu beeinflussen suchen wird. Arbeiter und Kapitalisten haben keine Gemeinsamkeit. Jeder tut das. wao sein Klasseninteresse erfordert. Wir helfen keinen Gemeinschaft»- staat erbauen. Die Entwicklung des Zionismus bringt uns mit der Bourgeoisie auf einen Platz zusammen, aber der Klassenkampf hört nicht auf. BorOCbOW hat den Kampf in den Galuth-Llndem und den Kampl um Palästina als zwei Seiten eines Blattes betrachtet. Palästina entwickelt sich als ein Resultat der anormalen Lage des jüdischen Volkes in den Qaluih-Ländern. Und die Lage des jüdischen Volkes in den < in lut h- Ländern normalisiert sich als Resultat der Entwicklung von Palästina. So hat Borochow den jüdischen proletarischen Massen das Rüstteug für den Kampf um die nationale und soziale Befreiung gegeben. Bei Ausbruch der russischen Revolution eilt er von Arne rika, wo er während des Weltkrieges gelebt bat, nach Rußland, um sich der revolutionären Bewegung zur Verfügung zu stellen. Schien doch damals die Befreiung der jüdischen Massen vom sozialen und nationalen Druck so nah! Und inmitten dieser Arbeil ist er gestorben. Aller die geistige Erbschaft, die er hinterlassen hat. wird ewig auf die sozialistische Well befruchtend wirken. Sie wird wirken auf die Befreiung der .Menschheit, auf die Befreiung der internationalen Arbeiterklasse. Am Sonntag, den 12. Januar 1930 nachmittags 4 Uhr veranstaltet die jüdische Jugend Leipzigs im großen Saal des Centrai- Theaters, Eingang Gottschedstraße, einen und bittet alle diejenigen, die ein Interesse an der Entwicklung der jüdischen Jugend Leipzigs haben, bei dieser Veranstaltung zu erscheinen. Bund Jüdischer Pfadfinder. Kadimah Jüd. Turnu. Sportverein Bar Hochba Jung-Jüdischer Klub Jung-Jüdischer uianderhund zeire misrachi TEE nACHHIITTAG

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