Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 1 (1.1.1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMBINDE ZU LEIPZIG Nummer 1 INGER Nähmaschinen in altbewährter Güte ♦ Weitestgehende ZahUjnfjserleichteruncjen " Se Monatsraten SINGER NÄHMASCHINEN AKTIENGESELLSCHAFT Singer Läden überall zu zertrümmern, um dal dritte Reich auf diesen Trümmern aufzuknien, ist auch »las Programm des Bolschewismus. Wenn man also dir Nationalsozialisten Itechtsbolschewisten genannt hat, so trifft das den Kein der Sache, denn sie wollen ja — wie ihre Führer selbst Mgen den Umsturz, das Chaos, die Revolution, um zur Macht zu gelangen. Sie seihst geben zu. Katastrophenpolitik zu treiben, weil nur die Katastrophe, wobei sie den Zusammenbruch des liberalen Systems meinen, die Mahn frei macht für jenen Neuaufbau, den sie Nationalsozialismus nennen. Wie kam denn der Arbeiter zu den Nationalsozialisten? Ks ist Tatsache, dafl durch Vertrauensleute, die in größeren Betrieben sich einstellen ließen, sogenannte weifte Zellen gebildet wurden, von denen;;ns di r ganze Beirieb unterminiert wurde durch Schriften. Flugblätter, persönliche Bearbeitung usw. Daß dies eine ungeheuerliche Gefahr für die Gewerkschaften darstellt, ist leicht zu erkennen. Und daß die Arbeitgeber ein Interesse an der Unterminierung der Qewerk- ■chatten haben und darum die Nationalsozialisten unterstützen — ohne dafl sie dabei Antisemiten zu sein brauchen — ist ebenfalls leicht zu erkennen. Der Centrai-Verein hat rechtzeitig gewarnt Ks hätte nicht so zu kommen brauchen, wie es jetsl gekommen ist, wenn man dem Dringen des Cenlral-Yereins. diesen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu Kuenken, nachgekommen wäre. Hierfür ist es jetzt zu spät, aber es ist noch nicht zu spät, gegen die Bestrebungen der Nationalsozialisten anzukämpfen die unter anderem dahin gehen, uns .luden die Gleichberechtigung zu nehmen: und dal.t die Nationalsozialisten ihre Pläne zu verwirklichen versuchen werden, daran darf nicht gezweifelt werden. Dort, wo sie das Zünglein an der Wage sind, werden sie ihren hinllufl geltend machen, zumal sie jetzt auch die Möglichkeit haben, Stadträte zu wählen, also auch im Stadtrat wird sich der nationalsozialistische Kinliuß gellend machen, und er wird sich in diesen Verwaltungsatellen rühren und zeigen, dafl er da ist. Ks jsl bereits beim Landtag ein Antrag eingebracht worden, das Schichten zu verbieten. Dieses Schächtverbot der Deutschnationalen :-t schon eine Folge der Kommunalwahlen. Kill weiterer Antrag liegt vor. Bei der Universität Leipzig, der Hochschule Dresden und der Forstakademie in Tharandt soll der Numerus Clausus einge- Uuidern auch noch kommen werden, ist gegeben, wenn die nationalr~ ~\ II ANN Ol I. It KN XY SC II I I) LOW JAK (> Ii H HAN D V Ell I.O UTK l II A N 0 Iii I II t » I.K II'/. Iii Statt Karten! Für die uns anläßlich unserer Verlobung erwie- IDA BARR senen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst JULIUS BROD Für «Iiivielen Beweise der Kiel«; und Teilnahme beim Heimgänge meines geliebten Mannes ARTHUR WEIL spreche ich zugleich im Namen der Hinterbliebenen meinen herzlichsten Dank aus. Leipzig, im Dezember 1979. ÜCliä WCll, fieD. ITCl sozialistische Welle weitergetragen werden kann und ihre Erfolge weitergehen. Wir müssen darum auf dem Posten sein und unser Ausruf „tiefahr in Sicht" ist keineswegs unbegründet. Besonders rauf) für Aufklärung bei der .lugend gesorgt werden, denn die Phrasen der Nationalsozialisten wirken besonders auf diese; sogar die weibliche .lugend ist durch den Königin-Luise-Bund erfaßt. Für die ganz junge .lugend, das sind die Sehülerkreise, ist jetzt der Bund „Hitler-Jugend" gegründet worden, mit dem Sitz der Reichsleitung wieder in Plauen. Die Hakenkreuzler bemühen sich also, in den Schulen der Bepublik hakenkreuzlerische Schülerbünde unter falscher Flagge, illegale nationalsozialistische Schüler-Organisationen, aufzuziehen. Diese sind die Keimzellen für das hakenkreuzlerische Radaustudententum. Nun existiert zwar eine Verordnung der sächsischen Regierung aus dem Jahre 11)27, die ganz allgemein die Beteiligung von Schülern au Vereinigungen und Veranstaltungen verbietet, die das Ziel haben, die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung auf anderem als auf dem gesetzlichen Weg zu ändern, oder die sich sonst mit den Aufgaben der Schulerziehung in Widerspruch setzen. Da aber diese Verfügung in der näheren Erläuterung im einseinen nur die Kindergruppen und Schulzellen des Jungspa rtakushundes erwähnt, so berufen sich die Schulleiter, die den llakeiikreuzrummel dulden darauf, dal.! ein ausdrückliches Verbot nicht vorliegt. Die jüdische .lugend wird durch den nationalsozialistischen Kinflufl im stärksten Mal.tr geschädigt. Die Gefahr, die sich für die jüdische Jugend bildet, ist gar nicht auszudenken, darum mul! der .lugend ans Herz gelegt werden, daß sie sich nicht in Bünde und Vereinen verkriecht, sondern auf den Boden der Tntsachen tritt, um im Abwehrkampf ihren Mann zu stehen. Wenn sie sich nicht mit allen Kräften wehrt, sägt sie selbst den Ast ab, auf dem sie sitzt und gefährdet ihre Zukunft. Die Folgen des Numerus Clausus sind klar zu erkennen. Das A und das () der jüdischen .lugend, die Berufsausbildung und die Berufsunierbringung sind davon abhängig. Schon jetzt ist die Unterbringungsmöglichkeit von jüdischen Angestellten sehr schwierig. In Fabriken kommen heute schon jüdische junge Leute nicht an, nicht nur aus antisemitischen (irunden, sondern weil mau die Unzuträglichkeiten fürchtet, die von den Nationalsozialisten kommen, wenn .luden eingestellt werden. Was zu tun ist, um diesem allen entgegenzutreten, bat der Centrai-Verein schon oft gesagt: Mitarbeit in den Parteien, in denen man seine politischen Ideale findet, Aufklärung in jüdischen Kreisen, damit man dem Kampf nach außen hin gewachsen ist. Besonders die Mitarbeit in politischen Parteien ist wichtig, denn man kann nicht verlangen, dal.t in diesen politischen Parteien Achtung und Interesse vor den Juden vorhanden ist, wenn sie nicht mitarbeiten. Man kann dann auch nicht verlangen, daß sie sich für die Juden einsetzen, zumal sie viel zu wenig wissen, in welcher Art sie sich für dieselben einzusetzen hallen. Ks muß immer wieder in das Bewußtsein jedes Juden eiligehämmert werden, daß es um sein Leben, seine Freiheit, seine Gleichberechtigung, seinen Krwerb geht. Um alles dieses zu erhallen ist unbedingte Notwendigkeit, in der Abwehrbewegung mitzuarbeiten. Ks ist falsch, wenn man den Verwaltungen der israelitischen Geineinden diese Arbeit überlassen will. Sie haben mit kulturellen Dingen genug zu tun und die Abwehrarbeit kann nur von einer Organisation geleistet werden, die auf ihrem Programm als Wesentlichstes und Wichtigstes die Abwehr des Antisemitismus stehen hat. Und diese Abwehrarbeit kann nur mit Krfolg durchgeführt werden, wenn Zusammenhalt, guter Wille und letzten Kndes auch Mut vorhanden ist. Mut muß man haben, man muß seinen Mann stehen, wenn es darum geht, dem Antisemitismus entgegenzutreten. Aufklärung von Mann zu Mann ist eine wichtige Kleinarbeit, durch die viel gebessert werden kann. Der Referent schließt seine Ausführungen, indem er sagt, daß mit all dieser Arbeit sofort begonnen werden muß. Jetzt in der leisten Stunde müssen wir erkennen, daß nichts versäumt werden darf, um der (iefahr des Nationalsozialismus mit seinen antisemitischen Tendenzen entgegenzutreten. Wenn wir auch zugeben müssen, daß, wenn rechtzeitig eingegriffen worden wäre, vieles nicht so gekommen wäre, wie es gekommen ist, weil der Zusammenhalt und die Mitarbeit dem Judentum fehlte, so müssen wir jetzt in der letzten Minute versuchen, zu retten, was noch zu retten ist. W. Neue Bücher Lina Wagner-Tauber. Jüdische .Märchen und Sagen. Dem Midnach nacherzählt. Leipzig 1880 (Verlag M. W. Kaufmann). Klf anmutige Bnlhlunfeu: Bester »Her Wein in neuen Pissern! Die lnilii'ii Gedanken unserer Weisen, wie sie aus den Beschichten und Gleichnissen des Ifidrasch hervorleuchten) haben RwigkeltSwert. Sie