Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 1 (1.1.1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/4876568-5968776-5969148--2940-4877385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
(äemeinöeblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE-ZU I t|D7I«TL AMTLICH ES NACHRICMTENälATT Im Im I TMm IX7 DER GEMEIN D EVE RWA LT U N G ■ Dutt (iemt'lnclrblatl erschein! Jeden I relluK und wird den Mitgliedern der Kell^lnnsnemeinde unenlKelllidi durch dir Post ziiftt'KtclIt - a C h r I f 11 1t u U 11 Uemclndcrabblncr liustuv Cohn, l.el|t/ig, löhrMrutic 10 NUMMER 1 / JAHRGANG 6 FREITA6 I» JANUAR 10»O tasetgenverwaltuna wi i.rud». Budtdruckerel tugual Fries. Leimig, Breden. .!.J - I emnd 70006 - "oetsdn-ik Lapsla 53920 -• I rifcdruck . ur all QueUenaagabe und mit i i iehi >li'ing itei Verlanen gestatte! DER EINFLUSS DER JUDEN AUF DIE PHILOSOPHIE Von Prof. Dr. M. (iroziiiKcr Soeben erscheint im Philo-Verlage (unter dein Titel „Geschichte der jüdischen Philosophie und der jüdischen Philosophen von Muses Mendelssohn Iiis zur Gegenwart". Brstcr Hand: Von Moses Mendelssohn Iiis Salonion Malmoni ein höchst lieaehtliches Werk, in dem der Anteil der .luden am Denken der neueren Zeit /.um ersten Male z.u- ■amenh&ngend dargestellt wird. Mit freundlicher GenehmieuiiR des Verfassers und des Verlages geben wir Dach' folgend ein Stiiek aus dein Blnleitungskapitel wieder. Die Bchriftleltung. Wie in der Antike, so wirkte das .ludentum auch in der mediüvnlen Zeit befruchtend. Je drückender das mittelalterliche Dunkel auf dem gehetzten l'ariajuden lastete, um so plauzender sprühten die Geistesfunken seines inneren Lichtes. Nehen dem separatistischen, uusschlielilich ritualen Zwecken gewidmeten Talnuid- und Itihelstudiuni, verfolgte der jüdische Intellekt auch universalistische Bildungszwecke. Die Führerrolle der Kultur war in den Händen der Araber, und die .luden betrieben daher eifrig das Studium der griechisch-arabischen Philosophie. Das Resultat dieser eingehenden Studien sei hier in möglicher Kürze geschildert. Die mittelalterliche Philosophie ist eine Fortsetzung der antiken, und die alexandrinische Kultur dient ihr als Uehergang. Als der direkte KiufluU Philons schon nach lausend Jahren dem Ende entgegenzugehen schien, trat Gabirol auf —. auch Avirehron genannt und machte die griechisch-arabische Philosophie in Kuropa einheimisch. Philo war auf das Urchristentum, (inhirul aber auf das mittelalterliche Christentum von groliem FinlluU. Albertus Magnus und der Aquinate, Hoger Bacon und Duns Scotus, selbst der neuzeitliche Uiordano Bruno zitieren ihn. .lourdain schreibt 1 Sö:(, daii man die Scholastik ohne die Kenntnis der Fons Vitae des Avirehron nicht gründlich verstehen kann, und isül üuUert sich der Jenaer Theologieprofessor Seyderlen dahin, da 1.1 (iubirol ein solcher Denker sei, der für die ganze Menschheit von grotier Bedeutung ist. Neben dem von Münk entdeckten Mekor l'hajjim Gabi roll übte Maimonides' „Führer der Verirrten" einen starken Rinfluü auf die Scholastik aus. Thomas von Aquino, der die Frage philosophisch erörterte, ob die Kirche über das Vermögen der .luden frei disponieren dürfte, folgte getreulich dein „Moreh Neliochim". Die Lehre von dem in der Welt vorhandenen Ueliel, die von Thomas auf Leibnil und die neuere Philosophie Uberging, ist in ihrem Ursprung ninimonidisch. Thomas von Aquin entnahm seinen dritten Cottesbeweis dem Mnimonidesschen „Führer". Wie Maimonides, so lehrte auch Albertus Magnus die Zeitlichkeit, d. i. den zeitlichen Ursprung der Welt, und daü, wo die Philosophie nicht entscheidend eingreifen kann, die Offenbarung den Ausschlag gebe. Ueberhaupt haben die christliche Scholastik und die mittelalterliche arabisch-jüdische Philosophie auch das gemein, dafi beide zur Verteidigung und o itsenachaltlichen Rechtfertigung ihrer Dogmen den griechischen Intellektualismus heranzogen. Der jüdische Logiker Dominicus <iu Kiatalvi, der unter dem Namen Jobannes Hitpanua viele ariatoteliwh-rrabif che Werke bekannt machte, war von entacheidendem Elnfl aul Alai.- de Lille. DaB die arabisch-jüdische Philosophie si< *i zu»- Scholastik gebend verhielt, ist auch daraus ersichtlich, dafi d'c "ibi iastiker ihre Definition der Wahrheit als adaequatio rei i Intel1 "111« aus Isaak ben Salomon Israelis „Buch der Definitionen' Iternommen haben. Neben den systematischen Leistung"!. \a-i n die .luden auch noch besonders als Ueberselzer und Kommentah {<> i tätig, und durch Uehertragung der echten und unechten Schrift.y, «Vs Aristoteles und der Schriften der arabischen Aristoteliker Inj Lateinische vermittelten sie der Scholastik die erste Kenntnis d"- tesamtefl aristotelischen Philosophie. Albertus Magnus, der die Juden verfolgte und unter den vierzig Zensoren war. welche die Veibrenni ug des Talmud heschlossen, war auf die Schriften un<l Uebersetzui-^ 'Ii der .luden angewiesen, .luden übersetzten die Logik, Metaphysik, I : J Jk und Ethik des Aristoteles, vermittelten das Material der a,■■. .•••!. Kommentare und überlieferten die arabischen Werke üb •. V.-dizi:!, Naturforschung, Astronomie und Mathematik. Anfangs kannte man len Aristoteles nur als Logiker, die .luden und Aral vermittelten den ganzen Aristoteles. Alle Philosophen, Theologe.» Lmd Mathematiker der Araber, Alkind, Alfarain, die Lautern L'ruuer. Avil nna. Gasaali U. a. vor allen Averroes werden von .lud* r Fiber**'.iL Kaum ein hervorragendes Werk der griechischen und arubiseima Wissenschaft ist von diesen Uebersetzern unbcrücksi'ditigl geullel en, und ohne diese vermittelnde Tätigkeit der .luden wären viclleil1 t die Schätze des Altertums für den Okzident verloren gegangen. S; her aber ist es. dafi ohne die Uebersetzungen der .luden die Schobt. M den Aristoteles nie ge kann! hatte, denn die authentischen griechi ■ hei Texte aus KonsfaUItinopel kamen erst später nacli dein AI 'lidlande und wurden von Wilhelm v. Moerbeke und Heinrich v. Brabant ins Lateinische übertragen. Die Scholastiker aber konnten kein Olli ( bisch und waren gezwungen, den Aristoteles so zu üben i h nen, wie ihn die Araber und .luden interpretierten. Nach der Verordnung -lustinians, der 329 im ganzen Imperium Humanuni di" griechischen philosophischen Schulen absperren lieü. sind die Ära! vr und .luneii die Hüter der aristotelischen Traditionen, und sie sinV. las P.inde :!ie.' zwischen dein antiken und scholastischen Aristotelisi.i Sowohl die griechische, als auch die arabische Philosophie haben . UW .luden von Spanien Uber Frankreich nach Kuropu «ermittelt Vei.uöge ihrer weitverzweigten merkantilen Beziehungen durch Vertrieb und Ucbersetzung haben die .luden am meisten zur Verbreitung der orientalischen Philosophie o SLQ CT./3. >/.'