Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 44 (29.10.1926)
- Date
- 1926-10-29
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4876568-5968774-5968931--0765-4877255- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 44 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN WLLIG10NSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 Aus unserer Gemeine!« Der jüdische Wohlfahrtsfilm „Ein Freitag-Abend" der im Kähmen einer fesselnden Handlung ein anschauliches Bild über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Wohlfahrtspflege gibt, ist schon in den verschiedensten Städten zur Aufführung gelangt. Er hat überall viel Beifall gefunden. Am Sonntag, dem 31. d. M., vormittags 11 Uhr, gelangt der Film in den Kasinolichtspielen in einer Veranstaltung des Jüdischen Frauenbundes zur Aufführung. Gerade in Leipzig, wo weite Kreise sozial interessiert sind, dürfte er viel Anregung geben. Der Besuch Nahum Sokolows in Leipzig Nahum Sokolow, der Präsident der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, trifft, wie wir bereits in unserer letzten Nummer gemeldet haben, zu einem dreitägigen Besuch in Leipzig ein. In seiner Begleitung reisen seine Tochter, Fräulein Dr. Cclina Sokolow, Dr. Nahum G o I d m a n n um; Allred Berg er. Nahum Sokolow wird am Sonnabend und Sonntag Besprechungen mit den Führern der jüdischen Aufbauarbeit in Leipzig abhalten und am Montag in einer großen öffentlichen Versammlung über die Situation in Palästina berichten. (Näheres siehe Inserat.) Die Zukunft des Judentums Am Mittwoch, dem 20. September, sprach Dr. M. Soloweitschik, bekannt als Minister für jüdische Angelegenheiten zur Zeit der jüdischen Autonomie in Litauen, über die Zukunft des Judentums. Der Redner zog, von den Nationalisierungsbestrebungen am Ende des 19. Jahrhunderts ausgehend, eine interessante Parallele zwischen der Regenerationsbewegung des jüdischen und des lettischen Volkes. Der zentrischen Freiheitsbewegung der anderen eine wirtschaftliche wi*» kulturelle Einheit bildenden Völker stellt er die exzentrische der Juden gegenüber, wo die Stätte der Erneuerung verschieden ist vom Wohnsitz dts Großteiles des sich erneuernden Volkes. Der Redner anerkennt die große Leistung, die im bisherigen Aufbauwerk vollbracht wurde, warnt aber, falsche Maßstäbe daran anzulegen: Palästina lasse heute knapp 1 Prozent des jüdischen Volkes und werde bei günstigster Entwicklung im Laufe der nächsten Generation 4 Prozent aufnehmen können; so bedeutungsvoll dieser kleine Bruchteil für die Zukunft des jüdischen Volkes auch sicher sein wird — man denke nur an die Rolle, die das 1 Prozent der Juden in der Entwicklung der ganzen Menschheit beanspruchen darf — so müsse doch unser Hauptaugenmerk auf die in der Galuth verbleibenden Volksmassen richten, denn wenn in Palästina neuer Samen ausgesät wird, so droht in der Galuth das Feld jüdischen Volksgutes vom Streusand der Assimilation immer mehr verschüttet zu werden. Dieser drohenden Gefahr kann nur durch die unermüdliche Arbeit einer kleinen, aber begeisterten Schar von nationalen Idealen erfüllter Männer wirksam Einhalt geboten werden. Wir müssen uns bewußt bleiben, daß hier die Zeit als Förderer des Abbröcklungsprozesses gegen uns, in Palästina aber — vom Politischen abgesehen - - für uns arbeitet. Sicher aber ist, daß wir in dem Prozesse der Selbsteineuerung nur dann etwas erreichen können, wenn der Boden in uns bereitet ist. Nicht nur einen Rettungskahn vom sturmumtosten Schilf des Judentums wollen wir an Land senden, sondern möglichst das ganze Volk zu einer lebensvollen Zukunlt fähig machen. Diese Arbeit mag an einer dem Sport und Kino verfallenen Jugend schwer erscheinen; wir müssen an uns und unseren Kindern diese Aufgabe vollbringen, soll nicht unser Volk, das zwei Jahrtausende drohender und lockender Assimilation widerstanden hat, in dem Augenblick untergehen, in dem seine nie aufgegebene Hoffnung auf nationale Wiedergeburt sich zu verwirklichen anschickt. Gesamtvorstandssitzung des Israelitischen Wohltätigkeitsvercins zu Leipzig am 17. Oktober 1926 Herr Gemeindevorsteher Carl Goldschmidt eröffnet als Vertreter der beiden zurzeit abwesenden Vorsitzenden die Sitzung und erteilt nach Begrüßung der Erschienenen Herrn Maas das Wort zur Berichterstattung über die verflossenen Monate. Zu Punkt 1, a) Bericht über den Kinderhort konstatiert der Herr Referent, daß der regelmäßige Besuch des Hortes in den vergangenen Monaten sehr zu wünschen übrig gelassen hatte, was zum Teil einer starken Inanspruchnahme der Kinder durch den an den Nachmittagen abgehaltenen Religionsunterricht zuzuschreiben sei. Gegen eine von Herrn Hodes vorgeschlagene Schließung des Kinderhortes opponierten verschiedene Vorstandsmitglieder stark, sodaß Herr Hodes seinen Antrag zurücknahm. Bei Punkt b) einer Vergrößerung des Altersheims waren alle Anwesenden der Meinung, daß eine Erweiterung desselben dringend nötig sei und man alle Mittel anwenden müsse, um dies durchzuführen. Im September hatte die Altersversorgung den Verlust eines ihrer besten, beliebtesten Insassen zu beklagen. Herr Paul Sussmann verstarb nach kurzer Krankheit im eben vollendeten 83. Lebensjahre, tief betrauert von allen, die ihn kannten und hochschätzten. Zu Punkt c) Speiseanstalt berichtet Herr Maas, daß die Speiseanstalt sich in den verflossenen Monaten voll auf der Höhe gezeigt habe. Alle dabei Beteiligten, die Ehrendamen, Beamten, das Dienstpersonal haben sich — jeder einzelne — in hingebungsvollster Weise an den schwierigen Aufgaben beteitigt und sich musterhaft bei den großen an sie gestellten Anforderungen bewährt, namentlich bei den .Mittag- und Abendspeisungen an den hohen Feiertagen. Punkt d): die Dürrenberg er Solbad-Kinderkolonie hatte dank der seit Jahren bewahrten Opferwilligkeit ihrer Vorsitzenden. Frau Amalie Zander, und ihrer tatigsten Mitarbeiterinnen, Fräulein Rosa Samostz. Frau Scphie Frankel sowie Frau Marta Kallmann vorzügliche Resultate aufzuweisen. 90 Kinder waren in 3 Kolonien untergebracht und wurden sehr reichlich verpflegt, sodaß Gewichtszunahmen bis zu 7 Pfund konstatiert werden konnten. Dringend notwendige Reparaturen im Dürrenberger Grundstück sollen durch einen hierfür gewählten Ausschuß baldigst in die Wege geleitet werden. Die Versammlung dankt dem geschäftsführenden Vorstand, Herrn Maas, besonders für seine genaue, eingehende Berichterstattung und seine unermüdliche Tätigkeit im Interesse der Anstalten. Punkt 2. Die Einführung der Freitagabend- Speisungen wird einstimmig genehmigt. Der Preis für POM Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portieren Herrenu. Damengard. Nächste Filiale: Salzgäßchen Nr. 6 Qege/iSchuppen vfjaatvusfj nur Dr. «i°d. Sandshin '* s % -J f / ffij >1 // , a rfjilml'*^^^^^^ ' i~SAM>sr£iNece. c.m.b h lhp:ig omoiauMO 16