Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 40 (1.10.1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RRL1GI0NSGEMEINDE, LEIPZIG 2 Jahrgang Um 5 Uhr gemeinsame Kaffeetafel (Gedeck M 1.—). Als Abschluß der Tagung veranstaltet die hiesige Ortsgruppe einen öffentlichen Vortrag von Frau Paula Ollendorff-Breslau über Erziehung zur Ehe der ebenfalls am 4. Oktober, abends 8,30 Uhr im Kaufmännischen Vereinshaus, Schuls'raße, stattfindet. Die geistvolle Rednerin sowie das interessante Thema versprechen einen besonders anregenden Abend. Es werden alle jüdischen Manner und Krauen gebeten, der Einladung der Ortsgruppe Folge zu leisten. Franz Schubert-Abend *. Veranstaltung des Abemiheim im Zoo Wiederholt ist an dieser Stelle von der wichtigen kulturellen Aufgabe gesprochen worden, die das Abendheim im Zoo übernommen hat. Unserer Jugend werden dort in geschickter Form Dildungswene übermittelt und ihr so Herz und Geist für edle Kunst erschlossen. Am 6. Oktober findet mit schön gewähltem Programm ein Schubert Abend statt, bei dem nur erste Kräfte, wie Konzertsängerin Käthe Grundmann, Konzertmeister Karl Hering (Violine) und Prof. Amadeus Nestler (Klavier), mitwirken. Die Namen der Mitwiikenden geben auch dem verwöhnten Musikkenner Gewähr für einen wertvollen Abend. Es darf daher wohl die Erwartung ausgesprochen weiden, daß weite Kreise die rührigen Veranstalter in ihrem Bestreben, der Jugend das Beste zu bieten, durch Kauf von Karten unterstützen. (Näheres siehe „Vereinsnachrichten".) Personalnachrichten Gesdiöftsjubiläum. Am 1. Oktober feiert Herr Jacob Sondhelm, Arndtstr. 46, sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Aus kleinen bescheidenen Verhältnissen bat sich der Inhaber durch Fleiß und Tüchtigkeit emporgearbeitet. Bei seinen zahlreichen Geschäftsfreunden erfreut er sich durch sein außerordentlich bescheidenes, zuvorkommendes Wesen besonderer Beliebtheit. In zurückgezogener Form pflegt er stille Wohltätigkeit unter seinen Glaubensgenossen. Wir übermitteln dem Jubilar ut sre herzlichsten Glückwünsche, hoffend, daß es ihm noch viele Jahre vergönnt sein möge, sein bisheriges Wirken auszuüben. 70. Geburtstag. Am 2. Oktober begeht Herr Julius Block. Promenadenstraße 15. seinen 70. Geburtstag. Wir wünschen dem Jubilar von Herzen, daß ihm noch viele Jahre in körperlicher und geistiger Frische vergönnt sein mögen. Max Brod's Vortrag üher „David Reubeni" Wenn der Dichter einen Stoff gestaltet, so treibt ihn ein Erlebnis. Dieses Erlebnis kennen zu lernen, reizt immer den Leser einer Dichtung, wenn er in ihren Bann geraten ist: er Die ri?i i ^S3V ■ I ' ' I II™ \; V-Jl" w(m von V rZd.ji' HERMRNN HORRMRMN **» strafle 2 PURA Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portieren Heppenu. Damengard. Nächste Filiale: Salzg&ßchen Nr. 6 gewinnt dadurch ein persönlicheres Verhältnis zu dem Werke. In dem Vortrage, den Max Brod am 25. September im Saale des Städtischen Kaufhauses vor einer im Banne des Dichters stehenden Zuhörerschaft über seinen jüngsten Roman „David Rüubeni" gehalten hat, gab er einen Einblick in das Erlebnis, das dieser seiner Schöpfung zugrunde liegt. Reubeni ist in den Darstellungen der jüdischen Geschichte früher ganz übergangen worden, weil man seine Existenz leugnete. Es ist das Verdienst von Heinrich Graetz, daß er Reubeni als geschichtliche Persönlichkeit erkannte und darstellte. Aber Graetz hat ihn als Schwindler geschildert, die in seinen Tagebüchern enthaltenen Nachrichten als Lügen bezeichnet Brod gelangte — und das war sein Erlebnis — zu der Über zeugung, daß die Geschichte diesem seine Zeit überragenden Manne Unrecht zugefügt hat. Er fand Bestätigungen der in Reubenis Tagebüchern gegebenen Darstellungen in unzweifel haft echten anderen Quellen; wenigstens insoweit, als von sei nem Auftreten in Rom, heim Papste, in Portugal, später wieder in Rom und schließlich bei Karl V. berichtet wird. So wurde es ihm eine innere Notwendigkeit, für die gerechte Würdigung eines Verkannten einzutreten. Die Messiasgestalt reizte ihn umsomehr, als sie für ihr Zeitalter eine eigenartige Sonderstellung einnahm. In der Renaissance sieht Brod eine Weltenwende: in ihr erlangt die Persönlichkeit Geltung und Anerkennung während im vorangehenden Zeitalter der Mensch nur als Glied hierarchisch-berufsständischer Gesellschaftsordnung betrachtet wurde. Und nun ergibt sich das Eigenartige, daß im Beginne der Renaissance, ohwohl gerade sie das Individuelle betont, überragende Menschen gefehlt haben — wenn man von Leonardo aa Vinci und Miche angelo absieht. Unter den Juden aber gab es diesen Überragenden, diesen Einen, der in intuitiver Gonception weit über seine Zeit hinausschauen konnte: David Reubeni. So entstand der Roman. — Max Brod geht heute noch einen Schritt weiter. Er erklärt, daß er bei der Abfassung seiner Dichtung, noch unter dem Einflüsse der allgemein herrschenden Anschauung, Reubeni nur halb rehabilitiert hat: er tritt heute ganz für die Wahrhaftigkeit und Größe Re.ibeni's ein; auch seine Behauptung, als Abgesandter eines jüdischen Stammes aus Arabien gekommen zu sein, scheint sich zu bestätigen. — Der Abend fesselte die Zuhörer durch den reizvollen Blick in die Gestaltungswelt eines geistvollen Dichters. G. Bettelunwcscn auf dem Friedhofe In jüngster Zeit nimmt, wie auch in anderen Städten, das Bettelunwesen aul und vor unserem Friedhof überhand Diejenigen, die die Gräber von Angehörigen aufsuchen, werden immer häufiger durch Zudringlichkeiten von Bettlern belästigt. Gerade an der Stätte, an der jeder sich ungestört seinen Gefühlen hingeben möchte, wirkt dieses Unwesen besonders störend. Der Gemeindevorstand hat deshalb Maßnahmen getroffen, um die Bettler fernzuhalten. Das wirksamste Mittel aber würde es sein, wenn alle Besucher des Friedhofes jegliche Gabe an die Bettler verweigern und ihre milden Spenden in die dazu bestimmten Büchsen gebenwürden. rill im frTTTTnimimvTTlnuimrm ■ <D^ . V-* Grosswäfcherei ,Sdineeweiss Inhaber: Firma Wilhelm Adler Fernspr. 50194 Leipzig N 22 Hallische Str. 147 wäscht und plättet alles. n & Abholung und Lieferung frei Haus Familienwäsche auch als Pfundwäsche Filialen: König-Johann-Str. 12 und Reudn., Konstantinstr. 2 :@=£ «6