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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-09-24 · 39 (24.9.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
39 (24.9.1926)
Date
1926-09-24
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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I Seite 4 G F.M KINDERL ATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2 Jahrgang Aber an Reformen und Ausdehnung darf unser Kindergarten leider, leider nicht denken. Er wird froh sein, wenn er sich auch nur erhält. Denn in drei Wochen nach Erscheinen dieses Notrufes ist er von allen Mitteln entblößt. Und wenn in dieser Zeit nicht Hilfe wird, muß er nach zwölfjähriger segensreicher Tätigkeit seine Pforten schließen! Und das wäre für Leipzig eine große Schande! Wie überall, so hört man auch in unserer Gemeinde fortwährend, daß die Jugend, uiseie Zukunft, in schwerer Zeit am ehesten der Fürsorge bedarf. Soll sich das dahin auswirken, daß die wichtigste Jugendorganisation ihre Pforten schließen muß. und daß sich das Wort von der Sorge für die Jugend als eine blanke Phrase erweist? Der Kindergarten ist heute unentbehrlich. Schwer arbeitende Väter und Mütter wüßten nicht, was sie mit ihren Lieblingen beginnen sollten, wenn | er sie nicht aufnähme und versorgte. Und keiner wird es begreifen, daß eine Anstalt, die so segensrexh wirkt, die mit so viel aufopfernder Liebe verwaltet und geleitet wid, sang- und klanglos verschwinden soll. Denn der Kindergarten i*t keine Wohlfahrtsinslitution von nebensächlicher Bedeutung, er gehört nicht zu jenen Einrichtungen, die wohl begiüßenswert sind, die aber auch in schwererer Zeit vernachlässigt werden können, sondern de- Kindergarten ist eine unbedingte soziale Notwendigkeit! Und wenn von Seiten des RabbinatS ehe einzelne Institution herausgegriffen und so besonders dem sozialen Sinne unserer Glaubensgenossen ans Heiz gelegt wird, so rührt das nur aus der Erkenntnis her, daß das Eingehen des Kindergartens fürdenBestandderLeipzigerjüdischenWohlfahrtspflege ein unübersehbares Unglück bedeuten würde. Keine langen Worte seien gemacht. Die Zeiten sind gewiß schwer, und jeder bat mit sich selbst zu tun. Notwendiges aber muß trotzdem erhalten werden. Die traurigen Tatsachen sprechen für sich selbst. Der Kindergarten ist in Gefahr, und an alle Glieder der Leipziger Judenheit, an Gemeinde, Organisationen und Privatpersonen ergeht der herzliche und dringende Aufruf, durch Spenden und Beiträge das Äußerste abzuwenden. Viel Zeit ist nicht mehr zu verlieren, denn alles drängt zur Entscheidung. Der gesamten Leipziger (udenschaft sei darum in Ernst und mit Nachdruck zugerufen: }fel/l dem Kindergarten! ){elft ihrn schnell! Die „Landwirtschaftliche Versuchsstation in Tel Awiw" Dr. Franz L i 11 a u e r, ein Leipziger, der bereits seit Jahren in Palästina tätig ist, berichtete am Donnerstag, dem 16. September, auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe Leipzig in der Lesehalle vor einem interessierten Publikum über die Landwirtschaftliche Versuchsstation in Tel Awiw. Die Station besteht seit sechs Jahren; sie hat die Aufgabe, die Arbeitsbedingungen der Landwirtschaft in Palästina wissenschaftlich zu erforschen und der Praxis mit Rat und Tat an die Hand zu gehen. Das ist ihr ungeachtet sehr begrenzter finanzieller Mittel schon binnen kurzem in weitestem Maße gelungen. Ihre Abteilung für Ackerbau hat an der Sanierung der Sumpfböden Galiläas mitgewirkt. Die Abteilung für Pflanzenzucht hat bedeutsame Versuche mit neuen Getreide- und Gemüsesaaten durdigeführt und eine Weizensorte erhielt, die erheblich rentahler ist. als der arabische Weizen Die Abteilung für Plantagen-Kultur hat wesentlich zur Entwicklung der Orangen-Kultur beigetragen und neuerdings den Bananen-Anbau in Pa'ästina eingeführt. Die Abteilung für Entomologie und Pflanzen Pathologie hat viel Nützliches im Kampfe gegen tierische Schädlinge und Pflanzenkrankheiten geleistet. Die praktische Anwendung der wissenschaftlidien Ergebrisse erfolgt duich die Instruktionsabteilung, die ihre Instruktoren und Wanderlehrer in alle Kolonien entsendet und durch Flugblätter den Landwirt in gemeinverständlicher Weise belehrt Durch die Tätigkeit der Versuchsstation ist der Landwirt in Palästina vor manchem Schaden geschützt und auf neue, absichtsvolle Produktionszweige hingewiesen worden Gegenwärtig wird eine Abteilung für Tierzucht und Tierheilkunde neu ausgebaut, die für den Vieh- und Geflügelzüditer von größtem Werte ist. Im Laufe der nächsten Jahre soll auch eine Abteilung für landwirtschaftliche Maschinenkunde entstehen. Die Versuchsstation, zurzeit noch ein reines Forschungsinstitut,- wird allmählich auch zu einer landwirtschaftlichen Hochsdiule ausgebaut und in engere organisatorische Verbindung mit der hebräischen Universität Jerusalem gebracht werden. Der wissenschaftliche Wert ihrer Leistungen ist dadurch anerkannt worden, daß sie als gleichberechtigtes Mitglied in den internationalen Gedankenaustausch von 275 landwirtschaftlichen Forschungsstätten der Welt aufgenommen worden ist. Dringend nötig ist es heute, die allzu knappe finanzielle Basis dieses Institute s, das das erste seiner Art in Vorderasien ist, und auf das alle Juden stolz sein können, zu erweitern. Der Nu'zen kommt unmittelbar dem jüdischen Siedlungswerk, der Landwirtschaft in Palästina, zustatten. In Leipzig hat sich daher ein Ausschuß der Freunde der Versuchsstation gebildet, der sowohl Geldmittel wie Instrumente und Bücher für die Station bei seinen Freunden in Deutschland sammeln will. Es wird gebeten, Beiträge an Herrn Georg Freudenheim, Leipzig, Thomasiusstr. 6, Postscheckkonto Leipzig ( 9516, zu senden, der — ebenso wie der Unterzeichnete — audi zu Auskünften gern bereit ist. Dr. Jacques Adler. WSbdltan&Doti* Okuis&änerAQ. SuU* 4ulj f^ijtmm iT/ti ASum M •r^ •\ •\ 1 Sonnabend, 25. September, 8 Uhr abends im Städtischen Kaufhaus I) I C H T JE II A BEND MAX B B © Jl> Der bekannte Romanschriftsteller und Philosoph wird persönlich über seinen jüngsten, vielumstrittenen Roman Reubeni sprechen. Karten zu 5—1 Mark In Vorverkauf im Kaufhaus Tb. Althoff, Musikalienhandlung Jost, Peterssteinweg I, im Zigarrengeschält Gebr. Pelber, Brühl 54 und an der Abendkasse. iX TW

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