Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 38 (11.9.1926)
- Date
- 1926-09-11
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 C+EMEJNDEBLATT DER ISRAELITISCHEN Kf.LIGlONSGEMEINPE. LEIPZIG Seite S Aus aller Welt Israel Zangwill gestorben Am I. August d. J. ist der Dichter Israel Zangwill gestorben. Mit ihm ist eine Persönlichkeit von hoher Bedeutung aus dem Leben geschieden. Als Dichter besaß er die Achtung der Welt; seine dem Ohettoleben entnommenen Dichtungen trugen seinen Namen in alle Länder Überall las man gern seine mit meisterhafter Charakteristik gezeichneten „Kinder des Ghetto", „Tragödien des Ghetto', ..Komödien des Ghetto", „Der König der Schnorrer" und „Träumer des Ghetto"; in diesem letzteren Wer<i schildert er die großen jüdischen Kämpler der letzten Jahrhunderle. Auch jüdisch politisch spielte Zangwill eine beachtenswerte Rolle. Er hatte als Zionist seinen ganzen Einfluß aut die englische Regierung geltend gemacht und im Jahre 1903 erreicht, daß diese den Juden das Territorium Uganda in Nordahika zur Gründung des jüdischen nationalen Heimes zur Verfügung stellte. Als dann aber der Zionistenkongreß zu Basel das Projekt ablehnte, weil das jüdische Nationalheim nur in Palästina errichtet werden könnte, zog er sich mit einer Reihe seiner Freunde aus der Bewegung zurück und gründete eine neue Organisation, die JTO (Jewish Territorial Organisation), die jedoch nie zu Bedeutung gelangte. — Zangwill war 1864 im Londoner Fast-End als Kind aus Rußland zugewanderter Eltern geboren. Er hat nur ein Alter von 62 Jahren erreidit. — — Wir geben in der nächsten Nummer eine Probe aus des Dichters Werken, die seine Gestaltungskraft deutlich erkennen läßt. Aus unserer Gemeinde Heim des Jüdischen Frauenbundes für tuberkulös-gefährtete Kinder und weibliche Jugendliche in Wyk auf Föhr Wie erinnerlich, wurde vor einiger Zeit wie im ganzen Reidi so auch in Leipzig eine Sammlung zum Besten der Tuberkulosenhilfe unter der Devise „Jeder Jude eine Mark" unternommen. Nunmehr ist es dem Jüdischen Frauenbund gelungen, in Wyk auf Föhr ein Haus für tuberkulös-gefährdele Kinder und weibliche Jugendliche zu erwerben, das Raum für 35 Pfleglinge hat, und das Sommer und Wirter geöffnet sein wird. Die ('hergäbe des Heims soll am 1. November erfolgen. Notwendige bauliche Veränderungen sowie die Einrichtung des Heims werden noch einige Monate in Anspruch nehmen, sodaß mit der Eröffnung etwa Anfang nächsten Jahres gerechnet werden kann. Mit diesem Heim ist eine äußerst wichtige, jüdische Wohlfahrtseinrichtung ge- Raucht FLORIDA die unübertroffenen Qualifäfszigarerten spez. Florida Luxus 5 Pfgin holzabgedichfefer Verpackung schaffen. Da das Heim aus dem damals im ganzen Reiche geammelten Fonds erworben ist, hat auch unsere Ortsgtuppe durch ihre damalige Sammlung ein kleines bcherflein beigetragen. Max Brod spricht in Leipzig Vor kurzem hielt der Sekretär des Sultans Ilm Saud in Jerusalem einen Vortrat:, worin er von einem kriegerischen Nomadenstamm in Innerarabien berichtete, der den Sabbath heilige und jüdische Bräuche beobachte. Durch diese Mitteilung erhält die Darstellung Max Brods in seinem neuen vielbesprochenen Roman „David Reubeni" eine unerwartete Bekräftigurg. Der Dichter läßt bekanntlich seinen Helden von einem mächtigen jüdischen Reiche im Innern Arabiens berichten, dessen König ihn beauftragt habe, die Juden zum Kampfe für das heilige Land ihrer Väter aulzuiuien. Die tiefe Problematik des Werkes, vor allem der gigantische Versuch des Helden Gott zu dienen auch mit dem bösen Triebe, sowie die wunderbare Darstellung, in der Form des historischen Romans fein pointierte Hirweise auf Stimmungen und Strömungen der Gegenwait zu geben, haben in allen literatur-interessierten Kreisen Bewunden ng. Anerkennung, Widerspruch — kurz, einen Sturm von Interesse hervorgerufen; der in eintr Fülle von Vorträger, Artikeln und Diskussionen seinen Ausdruck fand. Nun erhalten wir die Nachricht, daß Max Brod selbst nach Leipzig kommt und am 25. d. M. im Städtischen Kauihaus in einem „Eine Messiasgestalt der Renaissance" betitelten Vortrag über die Welt und die Probleme seines jüngsten Romanes sprechen wird Max Brod wird heute durch seine Romane ,.Tycho de Brahes Weg zu Gott'", „Das große Wagnis", „Schloß Norntpyge" — um nur die bekanntesten zu nennen — zu den ersten deutschen Romanschriftstellern gezählt und auch als Lyriker hoch geschätzt. Uns Juden ist er vor allem aber teuer durch seine liebevolle Vertiefung in den Geist des Judtrtums, von dem sein philosophisches Standardwerk ..Heidentum, Christentum, Judentum" monumentales Zeugms ablegt. O. M. Ein Notruf des „Israelitischen Kindergartens" Wir werden um Abdruck nachfolgender Ausführungen, die auf die Gefährdung einer ebenso wertvollen wie wichtigen Einrichtung hinweisen, gebeten. Die Sorge um die Erhaltung des Isr. Kindergartens zwingt uns, uns an die Gesamtheit der Leipziger Juden zu wenden. Der Isr. Kindergarten wird zurzeit von etwa 50 Kindern besucht, die in ihm von ausgezeichneten Leiterinnen auh Sorgsamste verpflegt und erzogen werden und Schut'. vor den Gefahren der Straße finden. Die Mütter der dort aufgenommenen Kinder müssen den Unterluit der Familie verdienen helfen und können deshalb ihre Kleinen nicht seihst betreuen. WirJ der Kindergarten aus Mangel an Mitteln gezwungen, seine Pforten zu schließen, so werden viele Familien brotlos und fallen der Gemeinde zur Last. Qegax Schuppen vHaarat isßtft nurftr. m$dS<nidthui!L ■■■■» i, 1 rtftftfrf*^M dose Mk. vs I SANDsntNecc. c m.b h lup/ic omoicnema 16 mit Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portieren Herrenu. Damengard. Nächste Filiale: Salzgäßchen Nr 6.