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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-08-27 · 35 (27.8.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
35 (27.8.1926)
Date
1926-08-27
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 nCMElKPERLATT DEB ISRAELITISCHEN RRL1GI0NSGEMEINDE. LEIPZIG 2. Jahrgang Ablösung der Neujahrswünsche zugunsten des Fürsorgewesens der israelitischen Relloionsgemeinde In ur verminderter Stärke zeitißt der wirtschaftliche Druck se ne unheilvollen Folgen Auch das Fürsorgewesen unserer Religionsgemeinde leidet schwer unter der gegenwärtigen Lage. Zahlreiche Familien, bis vor kurzem in gesicherter, behaglicher Lebensstellung, sind genötigt, die Hilfe der Gemeinde in Anspruch zu nehmen. Größere Mittel als je müßten dem Fürsorgeami zur Verfügung stehen, wenn In allen solchen Fallen es auch nur das Notwendigste gewahren wollte. Aber gerade mit Rücksicht auf die so schwierigen Frwerbsverhältnisse mußten innerhalb des gesamten Gemeindehaushal?es auch die Mittel für das Fürsorgewesen noch eingeschränkt werden. Diesen unerträglichen Widerspruch gilt es auszugleichen. Noch fehlt es auch in unserer .Mitte nicht an solcnen, die ein gütiges Geschick nicht allein vor dem Unheil der Zeit bewahrt, sondern mit Gütern gesegnet hat, hinreichend, um anderer Not zu lindern. An sie vor allem geht unser Ruf: Fördert durch Stiftungen und Spenden die Fürsorgearbeit der Gemeinde. Rosch haschonoh naht! Unsere Bereitschaft zu edlen Taten wird in diesen Tagen ernsten Sinnens besonders geweckt. Wir wünschen einander Glück und Segen, wünschen es in erster Reihe den uns Nahestehenden. Denkt auch an die Fernen, die in Sorge und Leid leben, und helft uns ihnen ihre Sorgen und Leiden erleichtern. Längst ist es schöner Brauch geworden, Neujahrswünsche durch eire edle Spende abzulösen. So rufen wir denn alle auf, die Ablösung der Neujahrswünsche zugunsten des Fürsorgewesens der Israelitischen Religionsgemeinde vorzunehmen. Alle hier eingehenden Spenden werden nach gewissenhafter Prüfung der Fürsorgefälle res'los ihrer Bestimmung zugelührt. Die Namen der Spender werden in der vor dem Neujahrsfest erscheinenden Ausgabe des Gemeindeblattes veröffentlicht, sodaß der Zweck der Ablösung der Wünsche nach jeder Hinsicht erfüllt wird. Spenden werden an der Kasse der Religionsgemeinde werktäglidi von 9—1 Uhr entgegengenommen oder au! unser Postscheckkonto 50533 mit dem Vermerk „Neujahrswunsch Ablösung" erbeten. Leipzig, am 23. August 1926 Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Die Flucht In das Nichts Untheologische Betrachtung eines Laien zur Abfallbewegung Von Benjamin Segel Von Zeit zu Zeit werden die Völker von unheimlichen Seelenkrankheiten geschüttelt. Eine Unruhe erfaßt sie, und sie verlieren das Gleichgewicht. Daß dieses grauenhafte Völkermorden, das wir überstanden, aber noch lange, lange nicht überwunden haben, wie immer es auch ausgehen würde, die Menschen, Sieger wie Besiegte, in einen Taumel der Besinnungslosigkeit versetzen mußte, sagten Einsichtige voraus. Aber die Zahl derer, die im Krieg ein „Stahlbad" für die Menschheit sahen, aus dem sie gestärkt und veredelt hervorgehen, einen Quell der Verjüngung, aus dem eine unendliche Fülle des Segens aufsprudeln und sich über die Welt ergießen würde — war größer, und sie war lauter und verwegener im Verkünden ihres Evangeliums. Das waren alles Nutznießer des Krieges, die von ihm Macht und Ruhm, Reichtum und Einfluß erwa teten. Sie versprachen der Welt einen gewaltigen religiösen Aufschwung. Die Religiosität schien in den ersten Phasen des Krieges audi wirklich reu zu erwachen, und seichte Optimisten jubelten, als sich die Gotteshäuser wieder füllten, und die Gläubigen sich lauschend um die Pred ger scharten. Der Schein trog. Ks war nicht die gesunde, natürliche Religiosität, die in freudvollen Herzen wächst und sich als Dankgebet zu Gott erhebt und sich in guten Werken verwirklicht

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