Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 34 (20.8.1926)
- Date
- 1926-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 GEME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE. LEirZTG 2. Jahrgang Im deutschen Judentum ist das Talmudstudium fast ganz verschwunden. Wir wollen kein Klagelied darüber anstimmen, denn selbst, wenn wir wollten, könnten wir uns gegen die Entwicklung nicht auflehnen. Wir leben in einer anderen Welt als unsere Vorfahren, wir stehen vor einer Fülle von Wissen und Kulturerscheinungen, die unsere Alten nicht kannten, die unsere Kräfte vollauf in Anspruch nehmen, die unserem Denken und Handeln eine ganz andere Richtung gegeben haben. Es ist auch nicht Aufgabe dieser Betrachtung, die Folgen zu beleuchten die das Aufgeben des Talmudstudiums für das deutsche Judentum mit sich gebracht hat, oder die Mittel zu besprechen, die uns den Talmud ersetzen können, damit wir jene soeben gerühmten Eigenschaften auch uns und kommenden Geschlechtern erhalten. Nur eins wollen diese Ausführungen erreichen. Wir sind den Wirkungen des Talmuds bis in unsere Zeit nachgegangen. Seine Einflüsse sind nirgends schlechte gewesen: sie lagen stels in der Richtung der Kultur, und darum ist es nicht nur die natürliche Ehrfurcht vor dem Werke der Vorfahren, das unser Urteil bestimmt, sondern die Gewißheit, daß der Talmud als ganzes für den Fortschritt der Menschheit nicht geringe Bedeutung hat. Er wird viel geschmäht und ist wenig gekannt. Zu einem wirklichen tiefgehenden Verständnis seiner Sprache, seiner Anschauungsweise, seines Inhalts, seiner Literatur gehört das Studium eines Menschenlebens. Aber wer sich mit ihm ohne Vorurteil, wenn auch nur indirekt, beschäftigt, wird ein doppeltes Empfinden haben. Staunend wird er vor einem monumentalen Geisteswerke stehen, aus dem nicht die Gedanken einzelner Gelehrter sprechen, sondern die geistige Arbeit, die ein ganzes Volk in vielen Jahrhunderten releistet! Bewundernd wird er den sittlichen Ernst anerkennen, mit dem das Kleinste und Profanste geheiligt wurde. Und jeder Jude, mag er welcher religiösen und politischen Richtung auch immer angehören, mag er mit Einzelheiten dieses einzig dastehenden Erzeugnisses menschlicher Denkarbeit noch so unzufrieden sein, muß stolz darauf sein, daß jene Heroen des Geistes und der Sittlichkeit seine Vorfahren sind. Ein so wahrhaft imposantes Werk der Geistesgeschichte kam weder in seiner Bedeutung noch in seiner Wirkung mit einer Handbewegimg abgetan werden, und die natürliche Achtung, die jeder ehrliche und unbefangene Mensch vor den Schöpfungen des Geistes empfindet, muß beim Juden durch die Erkenntnis vermehrt werden, daß er sich nicht nur des Talmuds keineswegs zu schämen braucht, sondern daß er ihm im Gegenteil sehr viel verdankt. Er hat des Juden Denkfähigkeit, seinen Willen, seiner. Charakter und seine Lebensführung im besten Sinne staik beeinflußt, und was je von einem Juden in der Welt erreicht wurde, ist zu einem guten Teile sein Werk Verächtlich spricht die Well vom „ Talmud geist". aber alle Anklagen, die sie erhoben hat und erhebt, verfliegen in den Wind, sobald die Sonne scharfer wissenschaftlicher Kritik sie beleuchtet. Der Haß der Judenfeinde, ihre maßlosen und unbegründeten Angriffe charakterisieren sie selber, aber nicht den Talmud, denn der wahre Talmudgeist ist der Gest des Fortschritts und der Kultur, der Ueist der Nächstenliebe, de- VorwärtsStrebens und des Friedens. * * t Einen guten Einblick in die Welt des Talmuds gehen die in dieser Nummer m Anzeigenteil namhaft gemachten Werke, die im Verlage der Brandus'schen Verlagsbuchhandlung, Berlin W 30 erschienen sind. Das größere („Der babylonische Talmud") bringt erläuterte Übertragungen aus allen Teilen des gewaltigen Werkes und vermittelt auch dem Laien die Möglichkeit, dem Geiste des Talmuds näher zu kommen. Das kleinere LLeganden aus dem Talmud") führt in den wundersamen Garten der Haggada und bringt Erzählungen und Legenden aus ihrem reichen Schatze. Qe^iSchuppen vffaamusfall iturDr.HiedSaniislcitS* —~~t-*&*TZw£. t Dose Mk. h's SANUTtiNeca G.m.b.H. lupzio oittoicmpiuo iö ■ i M M M1 m u i n m n MI m n t u u n 111111 n t m t n 1 i ■ i n i : 11 m i n 11 n U U1M1M111MIMIM ♦ M11M111M111M t MIM111 i 111M1111U M l. Synagoge Olto-Schill-Strafee Bekanntmachung Die Erneuerung der SynatfOKenkartcn findet vom 25. August 1926 ab in der Synagoge werktäglich zwischen 6 und 8 Uhr abends, an den Sonntagen zwischen 5 und 8 Uhr abends statt. Den bisherigen Platzinhabern bleiben ihre Karten bis zum 1. September reserviert. Karten, die bis dahin nicht abgeholt werden ohne weiteres anderweit vergeben Leipzig, den 10. August 1926 Der Vorstand 'MllllillllllillllilllillillllllillilllllllllllllllllM I Der Babylonische Talmud in Auswahl Allgemein verständlich übertrafen u. erläutert durch Jak. l-'romer Monumcnlal-Austiabe, Formal 26X37 cm, in vielfarbiger Druckausstattmiu, mit vielen farbigen Innentiteln u. Initialen Qanzlelnenband mit reicher Qoldverzierung, Preis 36 Mark, zum Vorzugspreise von eVO Af. neuen Nachnahme mit 3 Proz. Skonto oder in Ratenzahlungen von je 5 M. netto Kleine Ausgabe, Format 12 x 18 cm, in Ganzleinen 12 Af., Halbleder 15 AJ. netto Legenden zum Talmud (Hagadas) Miniatur- Ausgabe, ca. 300Seiten nonndruck, reich illustr. rci?. Geschenk, Halb-Japan M. 2.511. Halbleder 4,m, Qarttleder a. netto Lieferung ertötet «enen Nachnahme Rrnurius'sche Verlagsbuchhandlung Vertreter: Proskauer & Mscher, Leipzig Windmühlenstr. 32. Fi-rnsprechci 15865 odu 36353 Hilfsverein israelitischer Gewerbetreibender Leipzig Gottesdienst an den hohen Feiertagen wie alljährlich Im großen Saal* des Zoologischen Gartens Alles Nähere in der Nummer unserer Zeitschrift vom 1. August d. J. "I II ll