Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 28 (9.7.1926)
- Date
- 1926-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 , GEMEINIDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RFLHHÖNSGEMEINDE,.LEIPZIG 2. Jahrgang; dürfe man aber dem Gemeindeetat nicht zumuten, weil sonst die Steuerzahler murren würden. Ks sei deshalb sein Gedai ke, mit der Zeit die Wohlfahrtspflege aus dem Gemeindehaushalt herauszunehmen, wie dies in anderen «rußen Gemeinden der Fall ist. Die Gemeinde solle alsdann nur noch einen bestimmten Beitrag «eben, während der größere Teil privat aufgebracht werden soll. Gott lieb hält den Vorschlag des Herrn Hodes lüi eine Utopie. Er hält eine wirksame Wohlfahrtspflege nicht lür möglich, wenn sie nicht von der Gemeinde finanziert wird. Über den jetzigen Umfang der Fürsorgetätigkeit madit Redner ausführliche zahlenmäßige Angaben. Pen Worten Dubiners über ' die Darlehnskasse schließt er sich voll und ganz an und dankt bei dieser Gelegenheit der DarlehnskommiSSion für ihre hingebungsvolle und segensreiche Tätigkeit. Indessen könne von den M 90000 nichts entbehrt werden. Die Gemeinde solle der Darlehnskasse außerhalb des Haushaltplanes einen größeren Beirag vorschießen. Det Antrat Dubiners wird abclehnt, ein Antrag Steii.s, den Etat der Wohllahrisplfi ge um M 201-00 zugunsten uer Darlehrsk; sse zu crlöl.tr. wird ebenfalls abgelehnt, und gen:äß dem Vorschlage des Finanzausschusses beschlossen, der Darlehnskasse außerhalb des Ha>tl; i planes nach Bedarf bis zu M 10000 zur VerH'suxj,?u stellen. [•tri IX \'ersdiicdenes spricht auf Antrag Tumpowskys die Sitzung ihr Bedauern aus, daß durch Aufnahme eines Inserates zum Volksentscheid im Gemeindeblatt antisemitische Kreise Gelegenheit genommen haben, den falschen Anschein zu kolportieren, als ob die Gemeinde irgend eine politische Einstellung zu den schwebenden Fragen genommen habe. Ein Antrag Kestenbaums, das Gemeindeblatt solle nur lmai monatlich erscheinen, wird abgelehnt. In Abschnitt X Beiträge, der in der vorigen Sitzung durchberaten worden ist. sollen zusätzlich die M 8000 als Beitrag für die Höhere israelitische Schule eingesetzt werden, die beim Abschnitt Kultus und Unterricht gestrichen worden sind. Hierzu gibt Dr. Wohrizek eine Erklärung ab. Es ist bekannt geworden, daß Herr Hodes von der Bewilligung dieses Pestens sein Verbleiben im Amte abhängig macht. Die liberale Fraktion sei nicht imstande, sachlich der Bewilligung zuzustimmen. Aus rein persönlichen Gründen wollen einzelne Mitglieder den Betrag bewilligen. Vom Standpunkt der Fraktion aus müsse es bedauert werden, daß Herr Hodes durch seine Stellungnahme einen Zwang ausübe. Wenn auf diese Weise die Bewilligung diesmal durchgesetzt werde, so könnten doch aus solchem Verfahren üble Folgen entstehen. Vor der Wiederholung eines solchen Verfahrens könne nicht eindringlich genug gewarnt werden. Hodes erwidert, daß die Mitteilung des Herrn Dr. Wohrizek richtig ist und begründet seinen Standpunkt. Die Nichtbewilligung des Beitrages würde für die Schule eine Katastrophe bedeuten. Der Zusammenbruch der Schule würde aber für die Gemeinde ein solches Unglück sein, daß er es mit seinem Verantwortlichkeitsgefühl nicht würde vereinbaren können, im Amte zu bleiben. Fr lasse sich aber nicht nachsagen, daß er einen Zwang ausübe, und lege deshalb sein Amt nieder. Tumpowsky billigt das Verhalten des Herrn Hodes und bestreitet Herrn Dr Wohrizek das Recht, die Vorstandsmitglieder zu kontrollieren. Du bin er meint| weitesfe Kreise betrachteten es als Aufgabe der Gemeinde, nicht nur für den Kultus, sondern auch für kulturelle Aufgaben zu sorgen. Es bitten nicht nur M 8000, sondern M 20000 gefordert werden sollen. Die Schule werde viel von Minderbemittelten in Anspruch genommen, und viele arme Kinder hätten herausgesetzt werden müssen, weil lür sie das Schulgeld nicht bezahlt worden ist. Dr. Wohrizek spricht seir Bedauern aus, daß seine Worte Herrn Hodes verletz' haben. Fr habe nur zum Ausdruck bringen wollen, daß einzelne Mitglieder seiner Fraktion, der Person des Heim Hodes zu Liebe gegen ihre persönliche Überzeugung Stimmen werden. Fs sei aber allen in gleichem Maße daran gelegen, daß Herr Hodes unter allen Umständen im Amte verbleibe. Namens dcsVorstam.es bittet Goldschmidt H-.rrn Hodes herzlich, seinen Fn Schluß zu widerrufen. Ein Antrat! Dr Halberstams: Die Versammlung diüekt Herrn Hodes ihre ungeteilte Sympathie aus und bittet ihn, seinen Entschluß zurückzuziehen, findet einstimmige Annahme Ein Antrag Dubiners auf Bewilligung von M 16000 wird abgelehnt, dagegen ein Beitrag von M 8000 mit großer Mehrheit bewilligt. Darauf eikarl Fl o d e s, daß et seinen Entschluß zurückzieht. DacLl&r Grosz gibt seiner Freude Ausdruck, daß dieser Zwischenfall iu so befriedigender Weise erledig! und beantragt., daß auch Herrn Dr. Wohrizek, der lediglich die sachliche Stellungnahme der liberalen Fraktion habe aussprechen wollen, das Vertrauen bekundet werde. Dieser Antrag wird gegen 3 Stimmen angenommen. Bei dem Abschnitt Außerordentliche Ausgaben spricht D u b i n e r den Wunsch aus, daß die Gemeinde sich rechtzeitig darauf einrichten möge, bei steigender Not den Erwerbslosen zu hellen. Gemeindevorsteher Goldschmidt sagt zu, daß gegebenenlalls rechtzeitig ein Antrag eingebracht werden wird. Bei Besprechung der Einnahmen trägt Goldschmidt nach, daß die Errichtung einer Mauer zur Abgrenznng des jetzigen Friedhofes nach der Theresienstraße hin M 3—400O kosten werde. Es wird beschlossen, die Arbeit auszuführen; erforderlichenfalls wird ein Nachtragskredit bewilligt werden. D u b i n e r bittet, die Lage der Minderbemittelten bei der Ausstellung der Rechnungen lür Bestattungen weitgehend zu berücksichtigen. Hodes erklärt, daß dies schon bisher immer geschehen ist. Ein Antrag Kestenbaums, den Höchstsatz der Gebühr lür Bestattungen von M 2000 aui M 10000 zu erhöhen, wird abgelehnt, Der Steuerbedarl wird mit M 437 000 festgestellt. Tumpowsky gibt folgende Erklärung ab: Meine Freunde und ich stimmen gegen den gesamten Etat, in welchem eine durch undemokratisches Wahlrecht zustande gekommene kleine Majorität ihre eigenen Forderungen in weitestem Maße bewilligt, dagegen wichtige kulturelle Interessen entgegen dem Willen weitester Kreise benachteiligt. Darauf wird der Haushaltplan im ganzen in Einnahme und Ausgabe mil M 60000 gegen 2 Stimmen genehmigt. Es iolgt noch eine nichtöffentliche Sitzung. ^2iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiitiiiiitaiiiiiniiiii^= | | Achtung Hausfrauen! J I Rasenbleiche u. Lufttrocknung erhält ihre Wäsche bei I | Hermann Reinhard* Leisn rg j | Gegr. 1865 Wasch-, Bleichu. Plättanstalt Femr.55 j | Geschäftsstelle Leipzig, Markt 17, Tel. 15438 | Abholung u. Lieferung frei Haus in all. Stadtteilen innerhalb',8 Tagen ilHIIIIIUIMIIIIIIIIlUIIIIIIUIIIIUIIIIU Kauft bei unseren Inserenten