Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 28 (9.7.1926)
- Date
- 1926-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG, 2.Jahrgang Anzeige zum Volksentscheid über die Fürstenabfindung auf die Entscheidung von Einfluß gewesen wären, könnten auf ihre Richtißkeit hin nicht nachgeprüft werden. Das stenographische Protokoll über die Verhandlungen der Stadtverordnetenversammlung werde nach Erscheinen im Gemeindeamt ausgelegt werden. Auf die Anzeige im Gemeindeblatt sei eine amtliche Gegenerklärung des Gemeindevorstandes erfolgt. Dei Gemeindevorsteher berichtet sodann über eine Ausschußsitzung des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes in Dresden, die am 27. Juni stattgefunden hat. Der Erlaß eines Kirchenaufsichtsgeseizes, unter welches auch die israelitischen Religionsgemeinden fallen werden, steht bevor. Auf Verlangen der Regierung ist die im bisherigen Entwurf der Verbandssatzung vorgesehen gewesene Möglichkeit des Austrittes einer einzelnen Gemeinde aus dem Verband beseitigt worden. Dadurch ist die Genehmigung der Satzung und die Anerkennung des Verbandes als öffentlich-rechtliche Religionsgeselischaft im Sinne der Reichsverfassung gesichert. Die Verbandssatzung wird nach Genehmigung durch die Regierung der Versammlung zur Kenntnis vorgelegt werden. Kerner hat in der Ausschußsitzung eine Aussprache über den Entwurf der Satzung eines jüdischen Reichsverbandes stattgefunden, über welchen am 18. Juli in München beraten werden wird. Das Zustandekommen des Reichsverbandes, dessen Name noch nicht feststeht, ist zu erhoffen. Auch dessen Satzung wird nach Fertigstellung zur Kenntnis vorgelegt werden. Es ist eine schriftliche Erklärung der Fleischer eingegangen, daß sie die in der letzten Sitzung beschlossene Erhöhung der Gebühren für Schächten und Aufsicht ablehnen und um eine erneute Besprechung der Angelegenheit bitten. Die Versammlung geht zur Beratung des Haushaltplanes über. Es wird «e^en den Einspruch Tumpowskys mit Stimmenmehrheit beschlossen, daß ein Redner zu einem Gegenstand nicht mehr als zweimal sprechen soll. Eine Ausnahme bedarf der Zustimmung der Versammlung. Man beginnt bei Abschnitt X der Ausgaben: Beiträge für gemeinnützige Anstalten und Körperschaften. Breslauer schickt einleitend voraus, daß der Entwurf zum Haushaltplan nach der Vorbereitung durch den Vorstand in vier ausgedehnten Sitzungen des Finanzausschusses und danach nochmals in einer Vorstandssitzung so eingehend und sorgfältig durchgearbeitet worden ist, daß eine beschleunigte Verabschiedung im Plenum erhofft werden darf. Gemeindevorsteher G o 1 d s ch m i d t berichtet, daß im Finanzausschuß der frühere Beitrag für den Gentrai verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gestrichen worden ist, weil einige andere Posten auch nicht bedacht worden sind. Bei aller I lochschät/.ung für den Verein wollte man diesen nicht vor anderen Institutionen bevorzugen und' dadurch beweisen, daß lediglich Ersparnisrücksichten für die Streichungen maßgebend waren, sodaß keine Partei Uber eine Zurücksetzung klagen dürfe. Ury und Justizrat Dr. Löwenstein weisen auf die hervorragende Tätigkeit des Vereins in der Bekämpfung des Antisemitismus hin, die ohne Unterschied der Richtungen und Parteien allen Juden im Deutschen Reich zugute komme. Tumpowsky erklärt es nicht für richtig, Streichungen auf einer Seite vorzunehmen, weil man für andere Zwecke nichts bewilligen wolle. Er ist persönlich nicht für Streichung und spricht dem Verein seine Sympathie aus. soweit er sich allein auf die Bekämpfuni,' des Antisemitismus beschränkt. Dr. Goldschmidt spricht schweren Herzens gegen eine Bewilligung, obwohl er dem Vorstande der 1 ►rtsgruppe angehöre, einzig mit Rücksicht auf die «enenwärtige geringe Steuerkraft der Gemeinde. Es dürften nur die allernotwendigsten Ausgaben im engsten Rahmen der unmittelbaren Aufgaben der (ietiieinde geleistet werden. Alles was darüber hinausgehe, müsse abgelehnt werden, wenn man bedenke, daß man nicht einmal Geld habe, um der Not der Arbeitslosen zu steuern. Seine Oesinnungsgenossen seien daher der Meinung, daß alle Einrichtungen, deren Unterhaltung nicht zwingende Anfyabe der Gemtuide sei, von.privaten Beiicäyen unte-rhaltert s werden müßten. Kämen bessere Zeiten, so könne die Gemeinde Uber diesen Rahmen wieder hinausgehen. D u b i n e r ist mit Rücksicht auf das Gesamtbild des Haushaltplanentwurfes vom ostjüdischen Standpunkt aus gegen eine Bewilligung. Ein Antrag von Justizrat Dr. Löwenstein auf Bewilligung von M 1000 wird abgelehnt, ein Antrag Ury auf Bewilligung von M 500 mit 13 gegen 10 Stimmen angenommen. Für den Israelitischen Kindergarten werden, trotzdem Frau Felsenstein für einen höheren Beitrag eintritt, nur M 1000 bewilligt, weil dem Verein aus den früheren Beiträgen der Gemeinde für das Jahr 1926 noch M 3000 verblieben sind. Eine Bewilligung für den Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands in Magdeburg unterbleibt, weil sich ein Sächsischer israelitischer Lehrerverband gebildet hat, der jedenfalls noch an die Gemeinde herantreten wird. Du bin er wundert sich, daß für die Rabbiner- und Lehrer-Seminare im Gegensatz zu früher keine Beiträge eingesetzt sind. Es mute merkwürdig an, daß für die geis>Le Ausbildung nichts geschehen soll. Er beantragt Bewilligungen von je M 300 Es verbleibt aber bei der Streichung. Bei der H e br üi seh e n Sprachschule handelt es sich nach den Worten Tumpowskys um einen der am meisten umstrittenen Punkte des Haushaltplanes. Hier müßte die Grundauffassung klargestellt werden. Es gäbe nicht nur eine Pflege des orthodoxen und des liberalen Kultus' und Unterrichts, s.<ndern dazu seien in den letzten 60 Jahren neue Aufgaben hinzugekommen, nämlich die kulturellen. Die Berliner Gemeinde hat die dortige hebräische Sprachschule in eigene Verwaltung übernommen. Unsere drei Gemeinderabbiner hätten übereinstimmend bekundet, daß der Unterricht in der hebräischen Sprachschule für den Religionsunterricht sehr förderlich sei. Gelehrt werde nach moderner Methode derart, daß den Schalern die Sprache als eine lebendige nahegeführt wird, im Gegensatz zu der früheren mechanischen Methode, die aus dem Cheder übernommen war. Gespart solle werden, niemand wünsche dies dringender als er selbst. Aber die Sparsamkeit dürfe sich nicht auf einzelne wenige Posten des Haushaltplanes erstrecken, indem diese ganz gestrichen würden, sondern müsse sich auf alle Zweige gleichmäßig verteilen. Redner beantragt die Einsetzung eines Beitrages von M 2400. Diese Anschauung wird von Du bin er, Sachs und G e 1 b e r g nachdrücklich unterstützt, wobei Dubiner die vorzügliche Leitung der Schule rtfhmt und mitteilt, daß einem Ausgabeetat nur M 8000 Einnahmen gegenüberstehen, während der Rest aus Spenden aufgebracht werden muß. Dagegen sprechen Kaufmann mit dem Hinweis, daß in den Religionsschulen Unterricht in der hebräischen Sprache erteilt wird, Fein, Pelz und Hahn, die erklären, daß die Schule als eine Luxussache angesehen werden müsse, die es wohl verdiene, in.normalen Zeiten durch die Gemeinde gefördert zu werden, deren Erhaltung aber angesichts der finanziellen Laue der Gemeinde der privaten Hilfe überlassen werden müsse. Dr. Halberstam beantragt eine Beihilfe von M 1500. Gemeindevorsteher Goldschmidt erklärt lür seine Person, daß man aus Gerechtigkeitsgründen die Schule unterstützen solle, nachdem man dem Verein Ahawas Thora eine Beihilfe gewährt hat. Es handle sich um eine moderne Sprachschule, die dem Juden jeder Richtung Wissenswertes bietet, und es sei auch vom liberalen Standpunkt aus zu begrüßen, wenn die Kinder so gefördert würden, daß sie die Thora lesen und verstehen können. Grosz ist auch der Meinung, daß die hebräische Sprache im Religionsunterricht genügend gepflegt werden könne. Man müsse den liberalen Gemeindemitgliedern Rechnung tragen, die zu einem erheblichen Teil gegen eine Subventionierung sind. Es sei Sache der Anhänger der Schule, diese Gegner von dem Nutzen der Anstalt zu überzeugen. Um des Friedens willen will Redner den durch Tumpowsky vertretenen Anschauungen soweit entgegenkommen, daß er einen Beitragvon- M 500-beantragte >"> - i •»••>.:•-------->...--» u J