Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 27 (2.7.1926)
- Date
- 1926-07-02
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4876568-5968774-5968912--0541-4877048- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
OFMKINI'ERT.ATT l>FR [SRAEUT1SCHEN RFLIG'ONSOEMEINUE. LEIPZIG 2. Jahrgang Bericht Uber die Gemeindesitzung vom 24. Juni 1926 von Verwaltungsdirektor Katzenstein Gemeindevorsteher OoldSchmidt beglückwünscht bei Eröffnung der Sitzung im Namen der Versan mlung die Gemeindeverordnete Frau Felsenslein und ihre Familie anläßlich der voi wenigen Tagen staltgehabten Vermählung ihrer Tochter. Aul ihren Wunsch wird Frau Mathias aus Gesundheitsgründen von dem Amt einer Gemeindeverordneten enibunden. an ihre Stelle tritt Frau Fanny Rosenthal. Auf Vorschlag des Unterrichts- und Erziehungsausschusses wird in diesen als Ersatz für ein ausgeschiedenes Mitglied Herr Desider Gut mann zugewählt; für den Fall, daß dieser ablehnen sollte, Herr Hugo Kaufmann. Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft eine Änderung der Gebührenordnung, und zwar die Gebühren für Versorgung mit rituellem Fleisch. Gemeindevorsteher Goldschmidt b» richtet hierüber: In dem am 31. März zu linde gegangenen Rechnungsjahr ist beim Kaschrus ein Ausfall von M 17 ODO entstanden. Es muß also für eine Erhöhung der Einnahmen gesorgt werden. Im Finanzausschuß ist gerügt worden, daß der Vorstand nicht schon früher eine entsprechende Vorlage gemacht hat Dies ist deshalb unterlassen worden, weil seitens der Fleischer mehrere Rechtsstreite anhängig gemacht worden sind, deren Ausgang der Vorstand erst abwarten zu sollen glaubte. Sie sind inzwischen zugunsten der Gemeinde entschieden worden, während einer noch sei webt. Bei der Neuordnung der Gebühren handelt es sich rieht nur um die Deckung des Ausfalls, sondern auch darum, daß zwei neue Fleischereien eröffnet werden, die unter Aufsicht stehen wollen. Die neu entstehenden erheblichen Aufsich'skosten können nur dann gerecht umgelegt werden, wenn die bisherige einheitliche Gebühr in Schacht- und Aufsichtsgebühren zerlegt wird Eine wesentliche Erhöhung der Gebühren im ganzen ist unerläßlich. Es haben Verhandlungen n it den Fleischern stattgefunden, die auf eine Erhöhung nicht eingehen wollen. Sie erklären, die Erhöhung der Gebühr werde preissteigernd wirken, so daß der Konsum, dessen Rückgang den Ausfall verschuldet hat, noch weiter zurückgehen und der Zweck der Gebührenerhöhung nicht erreicht werde. Die Bedingungen der Aufsicht seien überspannt, wie ein Vergleich mit allen anderen Städten im Deutschen Reiche zeige. Die Zahl der Aufseher müsse eingeschränkt werden, sie seien nicht ausreichend beschäftigt und zu hoch besoldet. Mehrere Fleischer haben gedroht, sie würden aus der Aufsicht ausscheiden. Sie fordern, daß auch in diesem Falle für sie weiter geschachtet wird, während Rabbinat und Kaschruskommission dies als unzulässig ablehnen. Beide Standpunkte haben ihr Für und Wider. Der Gemeindevorstand habe sich der Forderung des Rabbinats und der Kaschruskommission angeschlossen, doch sei es zweifelhaft, wie ein etwaiger Rechtsstreit ausgehen werde. Redner selbst befürchtet, daß die Aulsichtsbehörde verlangen wird, daß auch für unbeaufsichtigte Fleischereien geschächtet wird. Die Fleischer haben auch gedroht, auswärts Schächten zu lassen. Hudes lügt dem liiii/.u. daß die Fieischer nicht grundsätzlich gegen die Neuordnung sind, sondern nur gegen eine Erhöhung der Gebühren. Die Fleischer seien im Recht, denn die Besoldungen seien im Hinblick darauf, daß immer erklärt worden sei. «Jas Kaschrus trage sich selbs', zu hoch bemessen worden. G o 1 d r e i hält dem entgegen, daß das Kaschrus im Interesse der darauf Reflektierenden geführt und deshalb auch von ihnen getrogen werden muß. Die Klagen der Fleischer seien nicht neu. Ein Abbau der Kosten könne nicht in Frage kommen. Die Zahl der Aufseher sei nicht willkürlich festgesetzt, sondern nach der Entscheidung des Rabbinats. Ein Aufseher sei kein gewöhnlicher Handarbeiter, sondern eine Ver- Irauersperson. die eine hohe Verantwoitung trage und dementsprechend besoldet werden müsse. Die Verbraucher würden sich nicht weigern, die geringe Verteuerung des Fleisches durch die Gebühren, die bisher höchstens 6 bis 7 Pfennig ausgemacht I a''e und künftig höchstens 10 Pfennig bedingen weide, zu tragen Es würde eine Aufösung des Kaschrus bedeuten, wenn lür nicht beaufsichtig e Beiritbe geschächtet wurde. Es schließt sich eine etwa zweistündige Aussprache an, in welcher einige Redner mehrfach das Wort erg eifen. Im Folgenden sei das Wesentliche wied« rgegeben. Tumpowsky wirft dem Vorstand ein schweres Versäumnis vor. weil er nidit rechtzeitig für eine Erhöhung i'cr Gebühren gesorgt habe. Der Vorstand hätte die Weisung gehabt, für Deckung des Kaschrus zu sorgen, und hä'te entsprechende Konirollen führen müssen. Er sähe sich veranlaßt, dem Vorstand sein Mißtrauen aus/usprechen. Dr. Wohrizek bittet den Vors and, diesen Vorwurf nicht so ernst zu nehmen, daß etwa daraus Folgen gezogen werden müßten; er sei überzeugt, daß Gründe in Mengen vorgelegen haben, die das Verhalten des Vorstandes rechtfertigen. Ury billigt, daß der Vorstand während der schwebenden Rechtsstreitigkeiten nicht zu einer Erhöhung der Gebühren geschritten ist. Gemeindevorsteher G o I d s ch m i d t stellt fest, daß der Vorstand von dem Defizit nur für M 11000 verantwonlich sei, weil schon im Haushaltplan ein Ausfall von M 61)00 vorgesehen gewesen sei. Ein Antrag Tumpowsky's: Die Gemeindesitzung bedauert, daß durch ein Versäumnis des Vorstandes in Sachen Sdiedtila der Etat um VI 11000 belastet worden ist, wird mit allen gegen eine Stimme abgelehnt. Markend orf, Wolf, Stein und Kesten bau in Lhnen einen Abbau der Aufsicht ab. Wolf berechnet, daß die bisherigen Gebühren auf das Pfund Fleisch nicht mehr als 4 Pfennige ausgemacht hätten. Er und Kestenbaum behaupten,, daß die Fleischer übertrieben hohe Preise fordern, die durch nichts gerechtfertigt seien. , Andererseits sind Breslauer, Dubiner, Pelz und Ury der Meinung, daß ein Abbau im Kaschrus wohl möglich sei. Dr. W o h r i z e k und Direktor G r o s z haben keine Bedenken, wenn einzelne Fleischer, deren Kunden auf die Aufsicht keinen Wert legen, aus dieser ausscheiden. Ury wünscht, daß auswärtige Orthodoxe darüber gehört werden, wie dort das Kaschrus gehandhabt wird, und daß wöchentlich vergleichende Preislisten aufgestellt werden. Tumpowsky fordert die Einsetzung einer Expertenkommission, welche die Relation der Preise zwischen koscherem und nicht koscherem Fleisch feststellen soll, da man auf die gegen die Fleischer erhobenen Anwürfe zu einer objektiven Prüfung verpflichtet sei Später wird auf einen Antrag Tumpowsky's der Vorstand beauftragt, eine Sachverständigenkommission zu be- Der geflochtene Scl\uK als letzte Modeneuheit! 16.50 19.50 NORDHEIMER