Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 25 (18.6.1926)
- Date
- 1926-06-18
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 25 0EMEIN1 »EBLATT HEB ISBA ELI TISCH EN RELlGlONSGEMETNDE, LEIPZIG Seile 5 Personenstandsnachrichten a) Geburten ,ni 1926 Mayer Josef Siegelbaum und Chaje Junte geb. Liebermann, Nordslr. einen Sohn „Isidor" nl 1926 Moritz Tom und Dlna Abrainowna geb. (jurstein, MontbesiralSe 31, einen Sohn i 1926 lizig Sudler Schlichter und (jolda geb. Singer, Weinligstr. 5, eine Tochter „Hinni" lunl 1926 Berthold Georg Freudenheim und l-lla geb Neuburfjer, ThomasiuMtr. 6, einen Sohn »Michael" |uni 1926 Nathan l'.ieder und Sala neb. Grllnberg, Kürberstr. I11, einen Sohn b) Barmizwah 2> |unl 1926 Heinrich Sternheim, Sohn des Herrn Josef Mernheim und I ran, Sedanstr. 14 c) Todesfälle n |uni 1926 l'rau Bresticzker, Eberhardatr. 10 In |unl 1926 Jerem Kuptermann, Gerberatr. i.\ Sprechsaal Helfet den heimatlosen Krwerbslosen! In den letzten Ausgaben unseres Gemeindeblattes wird unter Hinweis auf die Notlage der in unserer Mine weilenden •erwerbslosen Ausländei, die ohne Heimat sind, an die Wohltätigkeit der jüdischen Einwohnerschaft appelliert. Fortgesetzt gilt es Not zu lindern: denn ohne Ende lost als Folge und Auswirkung des Weltkrieges ein Elend das andere ab. — Fs muß zugegeben werden, daß gerade an die jüdisehe Gemeinde Leipzigs in dieser Hinsicht seither größte An!orderungen gestellt wurden, und es darf nicht minder zugestanden werden, daß Hilfeleistung und Opfersinn unserer Brüder und Schwestern in diesen Zeilen Großes und Frstaunliches geleistet haben. So groß aber ist immer noch die allgemeine Notlage besonders unter unseren heimatlost n Brüdern und Schwestern, daß seihst bei allersparsamster und wirtschaftlichster Verwendung der zur Linderung der Lage zur Verfügung stehenden Mittel dieselben bei weitem nicht ausreichen, um allen Nölen geredll zu werden. Diesmal ist ganz besonders der Frwerhslosen unler uns gedacht, die ihre Heimat verloren haben. Wenige nur kennen das Gefühl der Verlassenheit und inneren Zerrissenheit, welches Dl tisl auf jenen lastet, die heimatlos geworden sind oder unur^diuldeterweise nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können. Unter olt recht tragischen Umständen haben jüdische Familien Haus und Hof verlassen müssen, um nach langer W mderung in unbekannter Gegend sich an irgend einem neuen rieekchen Frde, worauf sie sich fürs nächste vor Feindseligkeiten sicher wähnten, wieder anzusiedeln. Während die Allen in Sdiicksalsergebenheit der Gegenwart lebten, haben sich die Jüngeren im Glauben und in der Hoffnung, die Erlösung von so hem Schicksal und das Heil für die Zukunft nur in der » iten Fremde finden zu können, von Familie und Heimat getrennt. Viel Überwindung kostet solcher Fntschluß, denn niemand von ihnen weiß, ob er jemals die Zurückgelassenen « . lorsehen wird, welchem Schicksal sie entgegengehen. — Heimat ist Heimat, und mag man auf dem Stück Frde, das man seine Heimat nennt, auch noch so viel erlitten haben, Stall Karlen! Zu der am 26. Juni 1920 vorm. 9 Uhr in der Synagoge Otto Schill-Straße stattfindenden Barmizwa unseres Sohnes Heinrich laden wir Freunde und Bekannte herzlich ein. Leipzig, sedanstr. 14 Josef Sternheim und Frau Emptang ab 12,SO Uhr allezeit fühlt man sich mit der Scholle, der unsere Kindheit angehörte, aufs engste verwachsen, und stille Sehnsucht nach ihr wird das ganze Leben lang in uns wach bleiben. — Wer je Gelegenheit hatte, die Gemeinschaft des Judentums, das tief ausgeprägte Solidaritätsgefühl unter unseren östlichen Brüdern und Schwestern von der Nahe aus kennen zu lernen, der begreift nur allzuiut die oft red: bittere Enttäuschung so mandier unter ihnen, die, weit abgeschieden vom Lande ihrer Herkunft draußen in der Fremde den Kampf ums Dasein führend, in Zeilen der Not aul den Beistand und die Liebe ihrer Glaubensgenossen rechneten, Es mag /ngegehen werden, daß ihrer eine stattliche Anzahl es zu Wohlstand und Reichtum gebracht Italien (wobei zugleich hervorzuheben ist, daß die Gebefreudigkeit gerade dieser Emporkömmlinge als redit vorbildlich zu gelten hat). Weilaus größer indessen ist die Anzahl jener die in hhtercr Armut, allem Elend preisgegeben, ihr Dasein Insten; ihnen zu hellen ist nicht mehr als unsere Pflicht. Daß selbst bei gewissenhaftester Prüfung der mit dem Wohlfahrtsdiensl Beauftragten mitunter Mißbräuche seitens der die Hille der Gemeinde in Anspruch nehmenden Personen unterlaufen können, wird sidi gänzlich wohl kaum vermeiden lassen Es wäre jedenfalls um das Wohlfahnswesen im allgemeinen redit übel lies eilt, wollte man sich etwa bei Ausübung der unbedingten Pflicht, der Gesamtheit der Notleidenden unter uns eine wirksame Stütze zu sein, von soldun Erwägungen leiten lassen, l eider sind die Fälle, in welchen man unter Berufung auf vereinzelte Vorkommnisse glaubt, sich der Gabe entziehen zu dürfen, keine SclMheit; solche Handlungsweise entbehrt indessen vollends der BerechtigUl g, denn unler keinen Umständen darf zugegeben werden, d: ß die Vielen für das Unrecht einzelner büßen sollen. — Die Zeilen des Weltkrieges gehören wohl der Vergangenheit an, in vielen unter uns aber wird che herzinnige und liebvolle Aufnahme, deren wir sowohl als Kriegs e Inehmer als auch als Kriegsgefangene im Osten bei unseren Brüdern imdSdiwestern in jenen Ländern teilhaftig wurden, allezeit lebendig bleiben. Trotz schwerster Entbehrungen, oft keinen Augenblick ihres eigenen Schicksals sicher, haben selbst die Ärmsten unter ihnen voll lieferfüllter innerer Freude das Letzte n it uns geteilt und für uns hingegeben. Fin jeder Osifrontkäirpfer weiß aus eigenen Erlebnissen Episoden anzurühren, d e dem Mitgefühl und der Gebefreudigkeit unserer Glaubensgent ssen in den anderen Ländern das prachtvollste Zeugnis ausstellen. — Mit der dankbaren Erinnerung allein ist indessen nicht gedient und geholfen, wo es jetzt gilt, jenen notleidenden Brüdern und Schwestern vorübergehend Beistand zu leisten, um sie während der Dauer sdiärfster Wirtschaftskrise, weldie ihnen jedwede Arbeitsmögüchkeit vorenthält, vor Schlimmstem zu bewahren.— Mit seinem Teil unversäumt zur praktischen Hilteleistung beizutragen, mag jedem von uns Herzensaufgabe sein! Willy I.evisohn ^^tUoW^^ RÖTHER e KU NT^E Quo/itof u. 9ryfm ei-^^/osi/gi, (Denkbartjünst/gr-stc ^re/se. JZ.eittjemc*s.se JS.o/i/u/i5uitfei'se. o/Le/o/cry's tr. 7. £**x 'Kurjort'rtxatti