Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 25 (18.6.1926)
- Date
- 1926-06-18
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang genommen hat, wird als Barmizwa in der Gemeindesynagoge zugelassen. Anmeldungen bis 31 .Juni 1926 im Gemeindeamt, Löhrslr.101. Von der Teilnahme können auf Antrag der Eltern solche Knaben befreit werden, welche bereits ihren Religionsunterricht privat durch einen von der Gemeinde angestellten Lehrer eriiaücn. Audi diese Kinder sind zur angegebenen Zeit zu melden Leipzig, den 31. Mai 1926 Der Vorstand der Israelitischen Keligionsgemeinde zu Leipzig Friedhof. Zahlreiche Grabstätten auf unserem Friedhof an der Berliner Straße befinden sich in schlechtem Zustande und bedürfen, um nicht gänzlich zu verfallen, der Instandsetzung. Namentlich müssen Grabmale:, die umzusinken drohen aufgerichtet und beschädigte Grabeinfassungen ausgebessert werden. Es ist eine Ehrenpflicht der Angehörigen der Toten, die in diesen Grabstätten ruhen, für deren Instandhaltung zu sorgen. Wir fordern daher die in Frage kommenden Familien auf, die Instandsetzung zu veranlassen, und weisen besonders darauf hin, daß wir berechtigt sind, schadhafte Grabsteine und Einfassungen wegzunehmen und eingesunkene Grabhügel einzuebnen. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß der Friedhof am Sabbath und an den israelitischen Feiertagen geschlossen ist. Leipzig, den 28. April 1926. Der Vorstand dor israelitischen ReJigiotisgemeinde zu Leipzip Jüdische Familienforschung von Dr. Arthur C z e 11 i t z e r (Berlin) II. Die Aufgabe der jüdischen Familienforschung Im Mittelpunkte aller Arbeit steht das von der „Gesellschaft für jüdische Familienforsehunt" ins Leben gerufene Familienarchiv. Was soll nun an dieses Archiv eingeliefert und von ihm aufbewahrt werden? Zunächst alle Familienchroniken, die wenigen gedruckten wie die zahlreicheren handsenriftlich vorhandenen. Aber audi Aulzeichnungen über Erlebnisse besonderer Art, seien es hervorragende Leistungen in Krieg oder Frieden, seien es Leiden und Verfolgungen, seien es auch nur die schlichten Alltagsschicksale der „namenlosen" Zeitgenossen, denn auch aus solchen Schicksalen setzt sich jenes Mosaikbild zusammen, das wir Geschichte heißen Neben solchen Lebensbeschreibungen oder Memoiren kommen in Betracht vor allem Stammtafeln (der Ausdruck ..Stammbäume" sei besser vermieden!). Man unterscheidet: Vorfahren- oder Aszendcnz-Tafeln, die, von einer bestimmten Person aufwärts steigend, deren Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und so fort enthalten, zweitens Nachfahren- oder Deszendenztafeln, die abwärts steigend die gesamte Nachkommenschaft eines bestimmten Stammelternpaares geben, also auch die Tochter und deren Kinder. Wird für Stammtafeln der Anspruch erhoben, in unserem Archiv aufbewahrt zu werden, so müssen sie mindestens ein Jahrhundert umfassen. Das heißt, wenn es Ahnentafeln sind, so müssen sie zurückgehen bis zu den vier Urgroßelternpaaren und für diese, für die zwei Grolklternpaare und natürlich die Eltern des Einreichers wenigstens Geburtsort. Geburtstag sowie Sterbeort und Sterbetag enthalten. Handelt es sich aber um Deszendenztafeln, so muß der Stammvater geboren sein vor 1806 (Beginn der obligatorischen Annahme von Familiennamen in Westeuropa). Da eine Generation rund dreißig Jahre umfaßt, wird der Urenkel eines solchen Stammvaters durchschnittlich nach 1896 geboren;-ein. Audi hier bilden also die Urgroßeltern der heute lebenden Jugend d.n Ausgangspunkt. Nochmals sei darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, auf einer Deszendenztafel alle Nachkommen lückenlos aufzuführen, auch die Töchter und deren Nachkommen! Nur der Laie nennt eine Familie ausgestorben, wenn keine männlichen Träger des Namens mehr da sind. In Wahrheit vererbt sich, soweit unsere heutige Kenntnis der Vererbung geht, in der weiblichen Linie ebenso wie in der männlichen alles, was an körperlichen und geistigen Eigenschalten das Wesen einer Persönlichkeit ausmacht. Daher lebt das Blut berühmter Glaubensgenossen, auch wenn ihre Söhne kinderlos gestorben oder aus dem Judentum ausgeschieden sind, vielfach aul dem Wege über ihre T ö ch t e r unter uns fort. Nur muß solcher Zusammenhang erst nachgewiesen werden. Aber es lohnt die Mühe, denn das Bewußtsein, Träger solchen Blutes zu sein, erweckt nicht nur begreiflichen und berechtigten Stolz, sondern auch Verantwortungsgefühl und die Pflicht, solcher Abstammung würdig zu leben! „Noblesse oblige" gilt nicht nur für den Schwertadel. Aus der Institution des „Schutzjudentums" ergab sich die Registrierung vieler familiengeschichtlicher Daten in den sogen. Judenakten der Regierungen, die vielfach noch vorhanden sind. Die gelegentlich der Namengebung angelegten Akten aus der Zeit der Freiheitskriege sind teils bereits für unser Archiv kopiert, teils steht ihre Einreichung bevor. Neben diese archivalische Sammelarbeit tritt die vereinsmäßige in Ortsgruppen, soweit solche bis jetzt entstandan sind. In den regelmäßigen Sitzungen werden Erfahrungen ausgetauscht. Es findet sich Gelegenheit, Stammtafeln und Ghroniken zu demonstrieren, Lücken auszufüllen und — vor allem aus Vorträgen historische und kulturgeschichtliche Anregungen zu schöpfen, die oft auch auf die Gebiete der Soziologie und der Vererbungslehre übergreifen werden. Aber nicht alle unsere Mitglieder sind in der glücklichen Lage, so viele Gleichgesinnte am seihen Orte zu haben, um eine Ortsgruppe bilden zu können. Für sie alle sollen die vierteljährlich erscheirenden „Mitteilungen zur jüdischen Familienforschung", die kostenlos allen Mitgliedern zugehen, das einigende Band bilden, das den Zusammenhang aufrecht erhält. Fünf Helte sind bisher erschienen und haben steigenden Beifall gefunden. Sie wenden sich an das gesamte jüdische Publikum, nicht nur an den Familienforscher. Unsere Aufsätze sollen von allen Seiten und von allen Standpunkten die Probleme der Familienkunde beleuchten. Bisher war es die jüdische Namensforschung, die Der geflochtene Schuh als letzte Modeneuheit! 16.50 19.50 NORDHEIMER