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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-06-11 · 24 (11.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
24 (11.6.1926)
Date
1926-06-11
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 Aus unserer Gemeinde Jugend Versammlung Aus Anlaß der Tagung des traditionell-gesetzestreuen Rabbinetverbandes hatte die Leipziger Agudas Ju roel-Jugendgmppe und der Esra zu einer Jugendversammlung im Künstleihaus am 26. Mai eingeladen. Außer der zahheich erschienenen Jugend bemerkte man auch v.ele. d.e, obwohl nicht mehr zur Jugend gehörend, wohl in der berechtigten Erwartung gekommen wa en, daß, wer sich an die |ugend wendet, auch der älteren Generation noch etwas zu sagen haben wird. Herr Dr. Hallemann ei leihe als erstem Redner Herrn Rabbiner Dr. Micha! Ski- Karlsruhe das Wort, der kurz und eindiinglich das Wesen und die Aufgaben der gesetzestreuen Jugend skizzierte. Darauf eridelt Hetr Rabbiner Dr. Pinchas Kohn-Wien, der Präsident der Agudas-Jisrocl, von der Versammlung mit Begeisterung begrüßt, das Wort. .,Wir haben nicht nur das Recht, sondern die Pflicht", uns an die Jugend mit der agudistischen Forderung zu wenden, Eine Neutralitat in der jüdischen Frage, die unsere Lebensfrage ist, gibt es nicht. Agudas-Jisroel ist nicht von gestern, sie ist keine Partei, sie ist so alt wie das jüdische Volk selbst. Die Agudas-Jisrocl datiert seit dem Tage, als zum ersten Mal in der jüdischen Geschichte der Ruf erschallte: »i<? v> Die Versammlung spendete dem verdienten Führer der Orthodoxie ehrlichen, von Heizen kommenden Beifall. Nachdem dann Herr Rabbiner Dr. A nsbac her-Wiesbaden noch einige Worte an die Versammlung gerichtet hatte, sprach als Mitglied der Bundesleitung des Lsra Dr. Eii Münk-Berlin. Er wendete sich vor allem an die Esra- Jugend und bezeichnete als Kardinalforderungen der im Esra organisierten jüdischen Jugend: Verantwortlichkeit und Ehrlichkeit im Sinne innerer Wahrhaftigkeit. Ist der Einzelne stark, so ist es auch die Gesamtheit. Aufgabe des Esra ist es auch, durch Arbeitsteilung die Pflicht zur Gemeinschaft zu erfüllen. Im Anschluß daran sprach A. Wohlgennith lür die Leipziger Esra-Führeisehaft. Der Esra habe die Aufgabe, die Jugend speziell vom 14. bis zum 18. Jahre im jüdischen Geiste zu erziehen; denn gerade jn diesen Jahren des Sturmes und Dranges nimmt die jugendliche Seele am leichtesten Eindrücke auf, und die beste Schule und die beste Talmud- Thora hätten ihr Ziel nicht erreicht, wenn mau die Jugend in den eindrucksvollsten jähren einem seelenlosen Sportenthusiasmus verfallen läßt, anstatt sie dem Uiquell des jüdischen Seins zuzuführen, der '•, nav- Als letzter in der Reihe der Redner folgte Herr Rabbiner Dr. Esra Münk-Berlin. Mit jugendlichem Feuer und glänzender Rhetorik begeisteric er die Versammelten; er warnte vor jenem faschen kompromißreichen tnfo der immer zum Vt?D3 führt, und rief zum Kampf auf für den 3-| orVff> der allein in der Einheit der min begründet ist. Der Abend war nicht nur nir die Veranstalter ein großer Erfolg, sondern hat auch tkr Leipzigei gesetzestreuen Judenheit, die ihr Interesse durch zahlreichen Besuch und einmütigen Beifall zeigte, ein Ehrenzeugnis ausgestellt. K. Aus dem Jüd. Theaterverein Jini. Jugendhund Von den beiden letzten Abenden des Vereins vor Abschluß seiner diesjährigen Winterarbeit ist redit Interessantes zu berichten. — Am 12. v. M. fand ein Juristischer Abend" statt, zu welchem die Vereinsjuristen seit langein durdi die Vortragsreihe „Sozialismus der mosaischen Gesetzgebung" angeregt worden waren. Das mosaische Gesetz als Ausgangspunkt der Gesetzgebung der kultivierten Staaten der Gegenwart dadurch nachzuweisen,, daß man einmal einen ganz praktischen Streifzug durdi ein bürgerliches Gesetzbuch der Gegenwart machte, darf als ein nidit uninteressantes Beginnen gewertet werden. Wir dürfen gewiß der mosaischen Gesetzgebung nachsagen, daß sie schon vor Jahrtausenden das Recht, das mit uns geboren ist. und das Goethe in der Rechtsprechung seiner Zeit so schmerzlich vermißte, weitgehend berücksichtigt hat. Durch das, was Herr cand. jur. Bernhard Berkowitz in seinem äußerst fesselnd dargebotenen Streifzug ausführte, wurde diese Überzeugung wesentlich verstärkt. Der Referent ging von ganz alltäglichen Vorfällen aus, die sich immer wieder ereignen, ohne daß man an ihnen einen juristischen Hintergrund ahnt oder gar juristische Fallen vermutet. Nachdem der Referent mi;. | roßer Geschicklichkeit über einen jeden Fall sozusagen eine Vordiskussion der Zuhörer herbeigeführt hatte, heleuehtete er selbsl den hesprodienen Fall auf Grund des deutschen BGB ocier des StGB und beantwortete zum Schluß noch eine Anzahl Fragen als Jurist, wobei immer wieder die Brüdce zu unserem altjüdisdien Gesetz geschlagen werden konnte. Der Abend, der von Herrn Rudolf Berkowitz theoretisch eingeleitet worden war, verlief sehr angeregt und erweckte den lebhaften Wunsch nach einer baldigen Wiederholung. Mit dem „Filmabend" am 17. v. M. verabschiedete sich die Vereinsleitung sozusagen vor den Sommerferien. Zu diesem Abend hatte das Mitglied des Vereins, Herr Karl Kleinberge r. ein filmisches Programm zusammengestellt, das eine hervorstechend jüdisdie Note hatte, und das er selbst mit Hille eines vorzüglichen Apparates im Heim vorführte. Der Hauptfilm, ein sedisaktiges Sdiauspiel aus den jüdischen Kreisen der nordamerikanischen Metropole, führte den Titel „Kinder des Glücks". Fr führte uns in die dunklen Gassen des New Yorker Judenviertels und zeigte in seinen wehmütig-heiteren oder lieferschütternden Bilderreihen, daß auch die schrecklichste Finsternis irdisdier Armut das Licht altjüdischen Familienlebens nicht zu verdunkeln vermag. Wenn auch eine durch plötzlichen Krieg im Lande eintretende Verwicklung im Leben des Helden etwas künstlidi konstruiert erschien, so war doch das Filmspiel im ganzen ein Hohelied jüdischer Kindesliebe und jüdischer Elternverehrung, welche in der wundervollen Darstellung der Vera Gordon als Mutter und des Gaston Glass als genialer Sohn wahre Triumphe feierte. Sehr anerkennenswert war auch die priiditige musikalisdie Begleitung des Films durch die beiden Mitglieder des Vereinsordiesters Fräulein Edith Streißler und Herrn Rudolf Berkowitz. Man möchte den lebhaften Wunsch aussprechen, dem Film bald einmal in einem der großen heimatstädtischen Liditspielhäuser zu begegnen. Nadi 33 gruben Ycreinsabenden und fast ebensoviel Arbeitsabenden in den drei Sondergruppen ist der Verein nunmehr in die Ferien gegangen. Eine stolze Leistung! Zumal wenn man bedenkt, daß fast kein Versager unter diesen Veranstaltungen war und daß im Durchsdinitt ein Besuch von 70 "„ der Mitglieder zu verzeichnen war. — Die Sommerzeit ist den allsonntäglichcn Wanderungen gewidmet und vereinigt ab und zu die Mitglieder in Leipziger Gartenlokalen. Wir j Der geflochlene Schuh als letzte ^^^^K Modeneuheif! / ^S*^ 16,50 ^^^^Ul 19.50 NORDHEIMER

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