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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-06-04 · 23 (4.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
23 (4.6.1926)
Date
1926-06-04
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 OKMEINPEBLATT DER ISRAELITISCHEN RKLIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 5 (Fortsetzung des redaktionellen Teiles von Seite 3) 7. Verbandstag der selbständigen Handwerker jüdischen Glaubens Die in unserem Bialte bereits angekündigte 7. ordentliche Tagung des „Zentralveibandes jüdischer Handwerker Deutschlands e. V" begann am Sonrtag vormittag mit einer Festsitzung im Blauen Saale des Krystallpalastes. Außer dem Veroandsvorstand und einer großen Anzahl von Delegierten aus allen Teilen des Reiches waren auf Einladung erschienen: Vertreter des Ortsrabbinais und der Religionsgemeinde, der großen jüdischen Organisationen und der jüdischen Ortsvereine, des Innungsausschusses für das Handwerk zu Leipzig und der hiesigen und auswärtigen Presse. — Die Delegierten und Ehrengäste wurden von dem Vorsitzenden der Leipziger Ortsgruppe des Verbandes, Herrn Alfred Muscathlatt, begrüßt. Hierauf sprach der VerbandsvorsiUende, Herr W. Marcus- Berlin, in seiner Eröffnungsrede der Ortsgruppe den Dank des Zentralverbandes für ihre mühevolle Voraibeit und für die gastfreundliche Aufnahme aus. Er wies darauf hin, daß im Mittelpunkt der Tagung da* Thema „Erziehung zum Handwerk" stehen solle und daß dieser Oedanke unter dem Licht der heutigen Wirtschaftskatastrophe, die im Judentum ihr eigenes Gepräge habe, eine besondere Behandlung erfahren müsse und werde. Der Verband arbeite an der Lösung dieser Aufgabe Hand in Hand mit den allgemeinen Reichsorganisationen und Innungen. — Der Höhepunkt der Festsitzung war die Festrede des Tischlermeisters, Herrn Louis Wolff- Berl'n. Diese formvollendete, gedankentiefe und mit packender Wärme vorgetragene Ansprache gab einen ausgezeichneten Abriß der historischen Entwicklung des jüdischen Handwerks in Deutschland und der Wandlung in der Einstellung der jüdischen und nichtjüdischen Umwelt zum jüdischen Handwerk. Der Redner schilderte d e lnnen^rbeit des Zentralverb-indes an der Ertüchtigung seiner Mitglieder und an der Erziehung zum Oemeinschaftsgedanken und wies in der überzeugendsten Weise den engen Zusammenhang dieser Arbeit mit dem Wohl des deutschen Vaterlandes nach, in welchen Zusammenhang auch die in Deutschland seßhaft gewordenen ostjüdischen Handwerker durchaus einzubezithen seien. Mit tief ergreifenden Worten gedachte der Redner dei für das Vaterland gestorbenen Handwerker jüdischen Glaubens und charakterisiere den Handwerker in seiner Stellung im allgemeinen Gewerbsleben des Staates als den „Frontsoldaten des Friedens". Schließlich formulierte der Redner die Forderungen des Verbandes unter vorzüglicher Begründung etwa dahin: Beseitigung der heutigen Unterstützungsformen durch Almosen, Schaffung von Darlehnskassen für produktive Leistung, Ausbau der sozia'en Wohlfahrtspflege, sozialer Ausgleich der Interessen zwischen der allgemeinen Wirtschaft und dem Handwerk durch die Innungen und Handwerkskammern, gerechte Verteilung der seitens jüdischer Gemeinden zu vergebenden Arbeiten und Lieferungen, Umstellung der jüdischen öffentlichen Wertung des Handwerks in •hrer Auswirkung auf die Berufswahl, Entfernung des Glaubenshasses aus den Berufsorganisationen. — Die Festrede wurde mit einem Beifallssturm aufgenommen, wie er bei ähnlichen Gelegenheiten selten zu hören ist. Es folgten Ansprachen der Ehrengäste, unter denen besonders die des Herrn Schlossermeisiers Franke vom In- Mungsausschuß Leipzig auffiel, der wiederholt seine Zustimmung zu den grundsätzlichen Zielen betonte, die der Hauptredner angeführt hatte; „wir können ein weites Stück Weges zusammen gehen", war die Quintessenz der Ausführungen des Innungsvertreters. — Alle Redner gaben ihrer hohen Sympathie mit den Bestrebungen des Handwerkerverbandes den lebhaftesten Ausdruck, so daß der Verbandsvorsitzende in seinem Schlußwort der Hoffnung Ausdruck geben konnte, daß aus soviel warmherziger Sympathie schließlich auch wertvolle praktische Mitarbeit und ein Eintreten für die jüdischen Handwerker in der Zeit nach der Tagung hervorgehen werde. Musikalische Darbietungen der Orchtstergruppe des Jüd. Theatervereins / Jüd. Jugendhundes zu Leipzig hatten die Festsitzung eingeleitet und schlössen sie wieder. Am Abend trafen sich die Handwerker und ihre Gäste zu einem gemütlichen Ballfeste im Theatersaal des Krystallpalastes. Trotz des festlichen Anlasses übte die Jahreszeit ihre Wirkung auf den Besuch in ungünstiger Weise aus. Die Darb;etungen des großen Festprogramms jedoch wurden mit außerordentlichem Beifall entgegengenommen. Sie standen auch wirklich auf bemerkenswerter Höhe. Besonders verdient machten sich Fräulein Aenni Pommeranz durch ihre wunderschönen Gesargcvorträge und Frau Betty Goldstein am Flügel, ferner Herr Sant > Sonn:ni, der bestbekannte Sangeskünstler, und Herr Berkowitz, der mit feinem Einfühlen am Flügel begleitete. — Im Voidergrund der künstlerischen Darbietungen standen die Vorträge des erweiterten Orchesters des Jüd. Theatervereins / Jüd. jugendbundes, von seinem Leiter, Herrn Ei ich Schmerel, mit kundiger Hand durch die Weiten der großen Klassiker geführt. — Herzlich begrüßte das Publikum einen kleinen Liebling: Lotte Lippel, die sich wie eine Elfe auf der großen Bühne wandte und wiegte. — Als der Berichterstatter die gastlichen Räume verließ, es war in erster Morgenstunde, wogte eine hochgestimmte Menge im Wirbel festlichen Gedränges bunt durcheinander. Über den Verlauf der Arbeitssitzung am Montag wird ein weiterer Bericht Kunde geben. M. J. Nachrichten aus dem Gemeindeamt Unter Aufsicht des orthodoxen Gemeinderabbinates stehen: a) Fleischereien: Moses Bild, Gerberstraße 48-50. Muses Frischer, Nordstraße I, Sally Lob, Packhofstraße 11-13 u"0" Ranstädter Steinweg 7. Adolt Zcllncr, Gerberstraße 5. Wilhelm Zellner, Nordstraße 13 Das Fleisch soll an demselben Tage, an dem es gekauft wird, koscher gemacht werden. Wer das Fleißch durch nichtjüdisches Personal bringen läßt, muß fordern, daß das Packet durch den Schomer gesiegelt wird. b) Geflügelverkauf: Die vorgenannten Fleischereien. Moses Feuer, Tauchaer Straße 20. Bei Feuer dürfen Teile von Geflügel nur in Gegenwart des Schnitters gekauft werden. c) Milch und Butter: J. ßarthfeld, Yorkstraße 9. S. Ritigelblum, Gerberstr 43. Fil. Lohmühlgasse, Eck* Kberhartbtr. Chaim Zipser, Berliner Straße 18, IV. Die Aufsicht erstreckt sich nur auf die ausdrücklich als ..Koscher** gekennzeichnete Waren. Modehaus ersten Ranges Größte Auswahl modernster Neuheiten in Herren-, Damen-, Mädchen- und Kinder- Konfektion. Anzug- und Kleiderstoffen. Leinen und Wäsche aller Art, Trikotagen und Herren-Artikeln. Gardinen, Teppichen und Möbelstoffen. LEIPZIG Sämtliche Bedarfsartikel für die Schneiderei.

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