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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-05-21 · 21 (21.5.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
21 (21.5.1926)
Date
1926-05-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 2. Jahrgang 25 Jahre Hilfsverein In diesen Taten beging der „Hilfsverein der deutschen Juden" sein 25jähriges Bestehen. Mit berechtigtem Stolz dürfen die Männer, von denen vor einem Vierteljahrhundert seine Gründung angeregt und sein Aufhau durchgeführt wurde, aul außerordentliche Leistungen zurückblicken. Am 20. Mai 1901 wurde auf Betreiben von Generalkonsul Eugen Landau, Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan, denen sich eine Reihe bedeutender jüdischer Persönlichkeiten angeschlossen hatte, die Begründung des Hilfsvereins beschlossen. Neben der seit 1860 in Frankreich bestehenden Alliance IsraeMite Universelle, der 1871 in England begründeten Anglo lewish Association und der seit 1873 in Oesterreich wirkenden Israelitischen Allianz sollte die neue Organisation für die Förderung der moralischen, intellektuellen und wirtschaftlichen Entwicklung tätig sein und seine Arbeit besonders den Juden im östlichen Europa und in Asien zuwenden. Ludwig Philippson, Moritz Lazarus u. a. hatten schon längst dem Gedanken einer solchen Gründung den Boden bereiten wollen. Erst jetzt, unter dem erschütternden Lindruck der rumänischen und mancher anderen Katastrophen hatte sich die Erkenntnis ihrer Notwendigkeit soweit durchgerungen, daß zur Tat geschritten werden konnte Das Hauptziel der Arbeit des Hilfsvereins war daraul gerichtet, die Juden Osteuropas und der orientalischen Länder aus leiblicher und geistiger Not zu befreien, nur im Notfalle sollte er sieh, gemeinsam mit anderen zu diesem Zwecke bereits bestehenden Vereinen, an den Hilfswerken für die in Deutschland notleidenden Juden beteiligen. Der Verein sollte eine Sammelstelle bilden, um bei plötzlich eintretenden Katastrophen in wirksamer und zweckentsprechender Weise Hilfsmittel verteilen zu können; dann aber sollten durch Errichtung von Elementar- und Mittelschulen, Ackerhau- und gewerblichen Schulen die l eiden der osteuropäischen Juden abgestellt werden, indem sie auf ein höheres Kulturniveau gebracht wurden. Solche Hilfe sollte von deutscher Seite gerade denen zuteil werden, für die nach Angabe von Kennern der Verhältnisse der Ubergang zur deutschen Kultur als der leichtere und geeignetere zu ihrer wirtschaftlichen, geistigen und sittlichen Hebung erschien. In diesem Sinne hat sich der Verein schnell zu einem achtunggebietenden Faktor in der allgemeinen jüdischen Hilfsarbeit entwickelt; das Jahrzehnt nach seiner Gründung gab ihm leider wiederholt Anlaß, großzügige Hilfswerke durchführen zu müssen, bei denen namhafte Summen aufgebracht wurden und zur Verteilung gelangten. Zumal vor dem Kriege hat er eine vielvercweigte Organisation durchgeführt, um den Juden, die den Wanderstab ergreifen und in ferne Länder übersiedeln ten, mit Rat und mit Tat behilflich zu sein. Lin Überblick Uber >.ine Leistungen zeigt, welch eine Fülle von erfolgreicher Arbeit von ihm durchgeführt worden ist. \>'- zum linde des Weltkrieges sind durch den Hilfsverein der deutschen Juden zur Linderung jüdischer Not und zur geistigen Förderung der jüdischen Jugend in Osteuropa sowie im Orient rund 47 Millionen Mark verwandt worden, und i\ ir für Hilfsaktionen nach Pogromen und in Kriegen, bei ignissen, Bränden usw. M 40381500 —. für Schulwerk M SÖ220U0. und für Auswandererfürsorge M 2805000.—. Poefefdi-Kaffee Detailverkauf: Hainstr. 16 18 - Königsplatz 13 - Grimm. Steinweg 20 ler deutschen «Juden In den Jahren der Inflation hat der Hilfsverein trotz aller Schwierigkeiten sein Hilfswerk fortgeführt. Line zahlenmäßige Übersicht Uber seine Ausgaben ist infolge der Geldentwertung nicht möglich und würde auch kein richtiges Bild von seinen damaligen Leistungen geben. Bis zum Ausbruch des Weltkrieges unterhielt und subventionierte der Hilfsverein an lünfzig Bildungsanstalten aller Art, Kindergärten, Volks- und Mittelschulen, ein Lehrerseminar und eine Handelsschule mit insgesamt 7000 Schülern in der europäischen Türkei. Palästina, Bulgarien, Rumänien und Griechenland Das Technikum in Haifa (Palästina) ist durch den Hillsverein begründet worden. Bis zum Jahre 1913 sind 200771 Personen unter Fürsorge des llrifsvereins durch Deutschland nach überseeischen Ländern ausgewandert. Nach den russischen Pogromen im Jahre 1903, 1905 und 1906, anläßlich der schweren Ausschreitungen während der Agrarunruhen in Rumänien im Jahre 1907 und während der Balkankriege 1912 und 1913 hat der Hilfsvercin zusammen mit großen außerdeulschen jüdischen Organisationen in weitem Maße Hilfe leisten können. Nach Ausbruch des Weltkrieges führte er ein umlassendes Kriegshilfswerk in Deutschland, in den besetzten Gebieten und im Orient durch. Nach Friedensschluß hat der Hillsverein seine Tätigkeit im Rahmen der sich bietenden Möglichkeiten wieder aufgenommen, insbesondere auf dem Gebiete der Auswandererfürsorge. In den letzten vier Jahren gingen über den Schlesischen Bahnhof, Berlin, wo der Hilfsverein eine Fürsorgestelle organisiert hat, 107600 Aus- und Rückwanderer. In dem gleichen Zeitraum passierten Hamburg und Bremen, wo Komitees des Hilfsvereins für Auswandererfürsorge seit Anfang des Jahrhunderts bestehen, 23400 bezw. 7600 Durdiwanderer. Der Hilfsverein vermittelt Geldsendungen zwisdien überseeischen Staaten und Rußland, ferner einen regen Briefverkehr zwischen Polen und Litauen, und stellt vielfache Recherchen nach Angehörigen von Familienmitgliedern an, die infolge der Kriegszeiten die Verbindung miteinander verloren haben. Der Hilfsverein hat, wie nach den russischen Pogromen zu Anfang des Jahrhunderts, auch in den letzten Jahren für Unterbringung und Erziehung von Waisenkindern aus der Ukraine in Deutschland gesorgt. Er steuert zur Aufrediterhaltung kultureller Institutionen bei und leitet die Hilfsaktion für ausländische jüdisdie Studierende in Deutschland. Diese Ubersicht zeigt, was der Hilfsverein dank der opferwilligen Arbeit seiner Führer, die sich nie vergeblich an die Gebefreudigkeit der deutsdien Judenheit wandten, in 25 Jahren geleistet hat. Nodi heute stehen, neben zahlreichen, in jüdischer Arbeit hochgeschätzten Männern, die drei Persönlichkeiten an seiner Spitze, denen er seine Entstehung und seine Entwicklung verdankt. Möge ihr Wirken audi für die Zukunft durdi die tatkräftige Unterstützung der deutsdien Juden ein erfolgreiches sein und dem Hilfsverein dazu verhelfen, seine schönen Aufgaben für lange Zeiten zum Segen für leidende Juden lösen zu können. I Der geflocrilene Schuh j I als letzte Modeneuheifl J^^^ 16.30 ^^^^UJ 19.50 (Äp^S^ NORDHEIMER

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