Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 19 (1.5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Seite 3 Aus unserer Gemeinde Generalversammlung des Jüdischen Frauenbundes Ortsgruppe Leipzig Der Jüdische Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig, hielt am 28. April seine diesjährige Generalversammlung in Hotel Hauffe ab. Die Vorsitzende, l-'rau Rabbiner Cohn, faßte in ihrer warmen Begrüßungsansprache die Ziele der gesamten jüdischen Frauenbundsarbeil zusammen, damit sie zum Maßstab für die Beurteilung der Ortsgruppenarbeit dienen. Sie gibt darauf folgenden Tätigkeitsbericht: Die Diskussionsnachmittage fanden ein immer größeres Publikum. Ks wurden folgende Themen behandelt: liannah Karminski-Berlin „Gegenwartsaufgaben der jüdischen Frau", Sonderveranstaltung Abschiedsfeier für Frau Bettina Brenner mit Referat v'on Frau Brenner, „Psychologische Studien in einem jüdischen Waisenhaus in New York" von Frau Dr. Anna Berliner, Max Brods Roman „David Reubeni" von Frau Hadassah Chamizer. Als Neueinrichtung sind zwei sich diner regen Teilnehmersdiatt erfreuende Arbeitsgemeinschaften zu begrüßen, deren eine über „Bibelkunde" Frau Anna Neumann, deren andere über „Moderne jüdische Literatur" Frau Hadassah Chamitzer geleitet hat. Als Auftakt zur Reichsgesundheitswoche fand ein Öffentlicher medizinischer Filmvortrag von Herrn Dr. K. Soloweetschik statt. An sozialer Arbeit ist die unter der erfahrenen Leitung von Frau Flora Cahn stehende, seit Jahren bewahrte Familienfürs irge zu nennen, die durch Hinzuziehung neuer Hilfskräfte weiter ausgebaut ist. Line ergänzende Neueinrichtung besteht in cer Rechtsschutzstelle, bei der bedürftige Frauen und Mädchci Rechtsrat finden können. Leiterin ist Frau Amanda Fhrmarm; eine Zahl Rechtsanwälte haben sich in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Während der Sommerferien wurde im Palmengarten tnter Leitung einer Kindergärtnerin als eine An örtlicher Erholungslürsorge eine Kinderkolonie eingerichtet unter Führung von Frau Kallmann und Frau Krause; es wurde etwa 100 Kindern Gelegenheit gegeben, des Vormittags im Freien zu spielen und sidi an einem Glas Milch zu erfrischen. Der Kassenbericht wurde vor Frau Justizrat Löwenstein erstattet. Den Einnahmen von M 3391.74 standen M 2801.74 an Ausgaben gegenüber, s;)daß ein nur geringer Überschuß von M 5Ü0.— verbleibt. In Anbetradi; dieser dürftigen Geld- Verhältnisse bittet Frau Else Golm, gelegentlich durch Spei den audi des Frauenbundes zu gedenken. Man sdireitet nun zur Neuwahl des Vorstandes, aus dessen Reihen drei Mitglieder ausscheiden. Frau Bre.mer durdi Wegzug, Frau Anna Adler bedauer id.erweise durd. Krankheit und die uns leider durdi den Tod entrissene Frau Dr. l.enlsdiner. An ihre Stelle sind gewählt: Frau Dr. Ghamilzer, Frau Dr. Ehrmann, Frau Dr. Schindler. Anträge lagen nicht vor, doch stellt Frau Chamitzer eine in warmen Worten gehaltene Anregung zur Diskussion. Sie schlägt vor, der J. F. möge sich mit anderen Vereinen zu gemeinsamer Veranstaltung von Vorträgen zusammenschließen. Die Arbeitsgemeinschaften, die sich im Ansdiluß daran bilden, sollen die Hinzuziehung weiterer Kreise erstreben; insbesondere aber empfiehlt sie, die Jugend heranzuziehen, nicht nur als nehmende, sondern audi als gebende Faktoren, um auf diese Weise die soziale und kulturelle Basis zu erweitern. Nach kurzer Diskussion wurde beschlossen, diese Anregung im engeren Vorstand näher zu besprechen. Hierauf ergreift Frau Else Cohn das Wort zu ihrem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag: „Der ethische Wert des Neutralitäts-Gedankens". Das Wort Neutralität ist vielumstritten, es gilt vielfach als ein Ausdruck der Gleichgültigkeit, der Unentschiedenheit oder gar der Charakterlosigkeit, man empfindet in ihm den üblen Beigesdimack der Farblosigkelt. Frklärung lür diese Auffassung bietet der ursprüngliche Sinn, hergeleitet vom lateinischen „neutrum", welches besagt, „nicht das eine und nicht das andere". Man sieht deshalb in ihm einen Begriff, der nur negiert und gar nichts Positives ausdrückt. Neutralität ist zuerst als ein staatsrechtlicher Begriff in Anwendung gekommen und dann wie viele andere Begriffe und Gebahrungen aus dem großen Parlament der Völker in das Leben anderer menschlidier Gruppierungen, Organisationen, Vereine usw. getragen worden. Die einfachste Ausdrucksform finden wir in den meisten Wohhätigkeitsvereinen; Neutralität ist hier selbstverständlidie Voraussetzung, aber nicht Tendenz. Aber schon in soldiem Zusammenschluß Verschiedengesinnter zum Zwecke gemeinsamer Arbeit liegt ein ethischer Wert. Eine Steigerung erfährt er, sobald der Neutralitätsgedanke Ausdruck einer bestimmten Geistesrichtung wird. In seiner Betonung liegt ein stark ausgesprochener F r i e d e n s w i 11 e. Neutrale Verbände sind Inseln des Friedens inmitten der streitenden Parteien. Aus der Friedensbereitschaft erwächst ein V e r s t än - digungswille. Neutrale 'erbände sind nicht eine erneute Partei, die der Parteilosen. Sie erkennen vielmehr aus der naturgegebenen Versdiiedenh< it der Menschen die Verschiedenheit der Lebensauffassung an Es soll jeder sein eigenes Feld sorgfältig bearbeiten, dann ergibt alles zusammen ein fruchtbares Land, wenn aber jeder störend in das Feld des Nachbarn greift, liegt das ganze Land brach. Ein Beispiel ist die Jugendbewegung, die sich nicht entwickeln konnte, weil von allen Richtungen um die Jugend gekämpft wurde. Man sollte die Begeisterungsfähigkeit der Jugend in eine Liebe *um Gesam'judentum mit allen seinen Schattierungen lenken. Man erkennt im neutralen Verband, daß aul allen Seiten die gleiche Liebe zum gleichen Objekt gleich stark ist. Das führt zur Abgeklärt h e i t. Aus ihr erwädist die Erkenntnis von den Grenzen mensdilidien Denkens. Alles Erkennen und Glauben ist subjektiv, es gibt keine objektive Wahrheit. Mit dieser Erkenntnis fällt alles Trennende. Menschen aller Richtungen werden zu Sudienden, und jeder, der überzeugungstreu handelt, ist auf einem der vielen Wege, die zum gleichen Ziel führen. SCHIRME REPARATUREN STÖCKE BEZÜGE Gustav Hampel, Hainstraße 31 OEBBBBOBBXH Q&mSchuppen vfjaamusfall t^^Äfi^ÄÄ *^r^arf7T7i £■••,•, /? U____ :'*'yjf gjte&.Ju*'^--Dose Nk. Vc R SANOi'TCIN PCO. O KU H. lUPUG DiTWlCltPIHü 16 r^r!. ( ._ m ig RÖTHERtKUNTiE c=,. Quo//fäf u. (Torrn <er-s fss.i'<j. {Denkbargünstigste ^Ve/se. -Zeitgemctsse ^o/>/<v/if/>ioejse. aCe/ofcry&tr. 7. "KursorSnz&tr.