Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 18 (30.4.1926)
- Date
- 1926-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus unserer Gemeinde C.-V.-Jugcndversammlung. Am Donnerstag, den 22. April, sprach Herr Gemeinde rabbiner Dr. Qoldmann im „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Qlaubens" über das Thema: „W a s k a n 11 d i e h e r a n W a C h send e J u g e n d für den C.V.-Gedanken tun?" Er führte etwa folgendes aus: Es ist unsinnig, die Jugend in Parteikämpfe zu verwickeln, und die Politisierung der jüdischen J u g e n d , die leider schon weit vorgeschritten ist, bedeutet vor allem darum ein Unglück, weil junge Menschen ein ein Urteil über jüdische Dinge gewinnen sollen, ohne daß sie etwas g e 1 e r u t haben. UnW i SSC n h e i t allein ist ein Unglück für einen Juden, gepaart mit politischen Schlag Worten ist sie unwürdig! Von der Jugend ist nicht Entscheidung, sondern die Erwerbung von geschichtlichem und religionsgeschichtlichem Wissen ZU fordern. Die Kämpfe zwischen dein nationaljüdischen und dem religiösjüdischen Standpunkt sind ganz unfruchtbar, die Unterschiede müssen als eine Gegebenheit betrachtet werden. Es ist aber ein Irrtum anzunehmen, daß der C. V. einen chauvinistisch deutschen Standpunkt verfechte. Als politischer Verein der Erwachsenen ist er ein Verein deutscher Staatsbürger, weil nur sie bei der Gestaltung deutscher politischer Belange ein Recht auf Einwirkung haben. Als Qesinnungsgemeinschaft umfaßt er aber einen weit größeren Kreis, nämlich alle jene, die des Judentums Wesen und Bestimmung im Religiösen erblicken, und die in u a t i o n a I e n Fragen auf vaterländisch e m Standpunkte stehen. Der C. V. hat natürlich das Recht und die Pflicht, alle Jugendlichen seiner Gesinnung zu sammeln. Er will aus ihnen keine Kampfgemeinschaft gegenüber anderen Teilen des Judentums, keinen politischen Diskutierklub machen, sondern einen Hund, der die E r w e r b U n g von W i s s e u u n d d i e Charakterbildu il g erstrebt. So ergeben sich zwei Aufgaben. Es muß etwas gelernt werden! Ein Judentum, das nur auf der Grundlage eines mystischen „jüdischen Gefühls" sich erhebt, ist ein Kind der Phrase und ganz wertlos, weil es seine Inhalte aus der Zeit nimmt und darum sich mit den Zcitströnumgen ändert. Noch heute gilt das alte Wort, daß ein Unwissender nicht fromm, kein Volljude sein kann. Zum zweiten aber ist die Jugend in dem Gedanken zu erziehen, daß es keine j ü d i s c h e Mass e gibt, in der der einzelne untertauchen kann. Jeder ist verantwortlich, jeder ist Repräsentant des Judentums, jeder handelt in den Augen der Welt typisch, und hieraus ergibt sich eine Verpflichtung, die jeden einzelnen in den Dienst reines Judentums stellt. Der Kampf gegen den Antisemitismus soll nicht Selbstzweck sein, sondern er muß schließlich dazu ist die Jugend zu erziehen die selbstverständliche Auswirkung wissender, charaktervoller jüdischer Persönlichkeit sein. Eine kurze Debatte, an der sich die Herren Fritz. G r ü b e 1, Rolf Ar« n, Heinz C o h n, Sachsmann, H erper und der Referent beteiligten, berührte Einzelpunkte. Die Jugendgemeinschaft will im Herbst ihre positive Arbeit beginnen. Ihr Zustandekommen ist gesichert, nachdem sich etwa sechzig Mitglieder zusammengefunden haben. Die Leipziger Ortsgruppe bittet alle Jugendlichen, die auf dem Standpunkte des C. V. stehen, ihre Adressen beim Vorsitzenden, Herrn Julius Krause, Lange Straße 32 b, zu melden, damit ihnen Einladungen zu künftigen Veranstaltungen gesandt werden können. Beiträge erhebt die Jugendgruppe, die als eine Arbeitsgemeinschaft gedacht ist, nicht! Mitgliederversammlung des J.-T.-V. Bar-Kodiba. Der J.-T.-V. Bar-Kodiba hielt am 24. 4. eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Herr Dr. Lehrfreund eröffnete mit einer Ansprache, in der er über die befriedigende Lösung der Turnhallen- und Sportplatzfrage Bericht erstattete. Es wird eine Wandergruppe eingerichtet. Kerner besteht der Plan einer I Tennis- und Ruderabteilung. Kür das Kultur-Ressort wurde Herr Dr. Lewitan in den Vorstand kooptiert. Es folgen die Berichte der einzelnen Abteilungen: Herr | A. Kelsenstein für die Schwimmabteilung; Herr S. Lehrfreund für die Leichtathletikabteilung und Herr Reinsch für die Turnabteilung. Die fleissige Winterarbeit ist durch gute Erfolge bei den Krühjahrswettkärnpfen gekrönt worden. Nur durdi regelmäßige Beteiligung aller am Training wird es gelingen, das errungene Ansehen des Bar-Kochba zu bewahren. Nach Entgegennahme des Kassenberichts des Herrn Zülzer bestätigt die Versammlung einstimmig die Wahl des Herrn Dr. Lewitan in den Vorstand und des Herrn Oelberg zum Pressewart. Die Mitglieder erklären sidi bereit, sich für drei Stunden innerhalb zwei Monaten für die Arbeiten des Vereins zur .Verfügung zu stellen. Infolge Zeitmangels musste leider der Vortrag des Herrn Dr. Rosenbaum ausfallen. IIIIIIIIhVIlllllllllllNIIIIIII^ GUTE REISE-LEKTÜRE MlltllllülMMIIIIIlMIIltllllllltlllKIllllllllllDlIIIIIIIIIIM......illtlllM1tllltll)l4IMtJlllllllllllirilMItliltlllltl)tltll(Hlti»ilMlli;tiltljilllli bekommen Sie zu billigen Preisen bei: M. W. Kaufmann Buchhandlung Brühl 8.