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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-04-09 · 15 (9.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
15 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 GEMEINIDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgan: Albert Frankenberg Tel. 27 128 Markgratenstraße to Tel. 27 128 Spezial-Maßgeschält f. elegante Herrenkleider Nur erstklassige Stoffe Allerbeste Zutaten individuelle Ausführung Garderobe-Abonnements zweckmäßig eingerichtet Anfertigung auch bei Zugabe des Stoffes 8ü( in ÄonBurjen unb ionftioen acidwjtl. 6chu>icria.Peiton, Prüfung r>on Sicherheiten, 9ilanjen, Suchern etc. biete al» erfahrener, bekannter Spejialift. — 3n iüb. Greifen bejtenö empfohlen 1 <5Hrc&for Neubauer, £cip3*ig SJDinbmOblenJtralk Till :: Xcl. 248«3 Korbmöbel enorme Auswahl - - gediegene Formen Kinder wag en aparte Neuheiten - billigste Preise iTääärtcttitc. Neu mark* 16/1ö(Hoh/mvnHop — 86 — ber auner ben rabbinifcfjeu Schriften liiel griffen unb gelernt unb >~id) mit ber au ®eifte9er}ru(|ttiffrn (o reichen Literatur beo SRittelalterS Oertraut gemacht hatte. Dieirr Velirer mar ber Damalige Deffauer Cberrabbiner Dnötb .'piridi Tvränfel. SRofeS mürbe 0?n ihm titcl)t allein im Xatmub unb in ber Bibel Untermieten, fottbtrn auch mit ben HnfcbauungSweifen ber jübifdien Genfer oertraut gemarkt, vor allem mit beut grölen ©erfe be<5 SDtaimonibeS: Aithrer ber Arrenben isJKore neburhimi, baä entft&iebenen Sittflui au? feine fpätere Denfmeife gewann. Aiir feine forperliche Entmicflung mar aller« bingä biefei eifrige Stubium iehr nachteilig. Dienbelö« [ohn bat iiniter oft baoon gebrochen, bafj er infolge ber Vertiefung in 3)caimonibes' 2xJerf einen Derwatbfe* nen Körper betotnmen habe. 9Rittlerweilf hatte Ütoieo bac< dreizehnte Sabr oott* enbet unb batnit ba-> i'llter erreidjt, in bem bamatt bie jubifäjen Rnaben unbemittelter Eltern angehalten mur« ben, i"id) ihren Unterhalt ielber )U uerbienen. Die Sitahl eine* fBentfefi bereitete ben Altern unb iUiujes felbft nid)t geringe Überlegenheit. *3Tru^ ber Mcnntniffe, bie er iid) bereite erworben hatte, unb ber unzweifelhaften sJlnlagen tonnte an ein Stubium nid)t gedacht werden. SRofeS' ßetjrer, [Rabbiner Danid gränfei, mar ichon feit einiger ^t\t nU) iRabbiner in Berlin, tobafi ber Sd)üler ihm borthin hatte folgen muffen, ^et ber herrfd)enben Srmut mußten aber bie (Eitern buranf uer^idjten. Dazu lam, bafc ber «nahe immer fränflid) mar unb bie tiltetn ihn auch bedbalb nicht in bie ^rembe ziehen laffen mollten. So blieb ihnen nid)tä anderes übrig, als ihren Sohn bem ftaufierhanbel jujuführen: mie bie meiften feiner?lltetc-- unb Wlaubensgenoffen mu|te er ben id)werbe labenen Baden auf ben fdimnchlitben »luden nehmen. Sange ertrug SRofeO bieies i^'eben nicht. Ammer mieber brängte er bie (Eltern um bie Erlaubnis, wenigsten! noch einige 3ahre beut „fernen" obliegen zu bür« fen. Er [ab, wohl uorauö, baf; Mangel unb Entbehrung nicht ausbleiben (ofirben. iMber l>att«* er nid)t aud) im elterlidjen §anfe itets Dutfttgfeit uor Äugen??ln Entbehrungen mar er gewohnt: er mürbe fie übeiminben. Rit beffimmertem »erjen milligten enbltch bie Eltern ein: fein fefter föille, etwas ju merben, befebwichtigte fcrjlienlid) itjre iöebenfen. — 27 — So machte fich "Diofes auf bie BSanberung nach Breuftenft fmupnjtabt — 3lm oCofentalet tote, bem einzigen, mo zu jener 3eit fremde Rubelt in Berlin einpnffieren burften, ia& ein jiibifcber Jorfdjreiber; er mar al<J ifleamter ber jiibifd)en Wemeinbe eingefeljt, um bie .Slontrolle über biefe Einmnnberer flu führen. Diefer'äDiann hatte idjon manebeä Ungewöhnliche an feinem Ruften erlebt. Üioch nie aber mar er (o erftaunt mie an bem Sage, ba ber fleine, blafe unb fd)mäd)lich auofeljenbe lüer^ehnjährige *Diofe^, Sohn be<5 ü)fenbel aucs Deffau, bei ihm vinlaj) begehrte. Rur mit sJÜiül)e tonnte er au« bem fdjeuen jungen her» auobefommen, UW0 er ieftftellen muüte. 9^a« ber $mtA feineo Jlufenthalten in Berlin fei? „üernen", antwortete lurji aber inhallofdper ber Sange. Unb nad) fdjeu oerlegenem Umherblicfen muiite er auf bie Jvrage nact) feinen Rütteln nidjtd anbere« ju ermibem als „Diabbiner DaDib ^ränfel". So trat SRofefl in Berlin ein. Cl)ne ©elb. Cl)tte Empfehlungen. Chne ^reunbe nnb Gelaunte, bic< auf ben einzigen MabU Aräntel, ber ihm einft bei feinem?lbfd)ieb ouö Deifau hatte gufagen muffen, ihn fpäter alö Sd)üler anzunehmen. Aränfel mar auch mit aller i.'iebe um ben lern« eifrigen Aungen bemüht. Er uerfetjaffte ihm im .fmufe eine« 96nnert unb Jyörberero btr ftrebfauien Sugenb einige ^reitifdje: in einer Dachfammer fanb er für Ihn freie SBohnung: unb er felbft )Og ihn an Sabbatl)* unb gefttagen an feinen Jifcb. Ilm ihm auch einen, wenn aud) geringen Verbienft }U uerfdjaffen, übertrug er ihm bie Slbfchriit eiiie<5 ^um Drucf beftimmten l)e^ bräifchen 9ilerfe<5. SJiit einem färglichen 5Rlod)enlol)n oon wenigen (Uroichen triftete sDienbelffol)n ein bürjtigeü Da fein. Xrobbem mibmete er fich mit ungefd)mäd)tem Eifer im Stubtum. 3n, er fing balb an, insgeheim fid) bie itenntniö beo Deutfchen anzueignen, ma? bamnlö unter ben Juben noch ftreng gemieben mürbe. Sn fpäter Macht, beim matten H'antpenfcb'immer laö er bie beutfehen Sücher, bie er fich heimlich, ju befc^affen oerftanb; mit unerfätt» lirt)em Eifer oerfchlang er aUeö an beutfd)en Drucfroerfen, wasi er nur auftreiben tonnte. Der Erfolg, ben er mit öem Erlernen beä Deut« fdjen erreichte, trieb iljn an, immer 9ieueS anjugreifen.

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