Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 15 (9.4.1926)
- Date
- 1926-04-09
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 HEMEINDEBLATT I>ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 Sachen, mit denen man sich abzufinden hat. Frieden und Ruhe können nur sein, wenn die Völker von dem Willen beseelt sind, sich in das Bestehende zu fügen und miteinander auszukommen; und gegenüber den so häufigen Veisucnen, das Verhältnis zwischen Pulen und Juden als ein ewig feindliches autzufassen und jeden Annäherungsversuch zu stören, sollte auch an dieser Stelle die Notwendigkeit einer Verständigung betont und die von beiden Seiten ergriffenen Maßregeln, die dem Ausgleich und dem Frieden dienen, sollten geschildert werden Dr. F. G. Aus unserer Gemeinde Religionsunterricht In den nächsten lagen beginnt in der Gemeinde- Rcligionsschule das neue Schuljahr An alle Eltern, die ihre Kinder dem Unterricht in dieser Schule zuführen wollen, ergeht die dringliche Bitte, die Anmeldung, soweit dies nicht schon geschehen ist, spätestens bei Beginn des neuen Schuljahres vorzunehmen. Das Interesse der Schulzucht verlangt es dringend, daß alle neueintretenden Schüler und Schülei innen bereits zu Beginn des Unterrichts die Schule besuchen. Über Zeit und Ort des Unterrichtsbeginns in der Religionsschule und ihren Zweigschulen ist das Nähere aus der amtlichen Bekanntmachung in der heutigen Nummer des „Gemeindeblattes" zu ersehen. Zur Warnung Mißbrauch mit dem Namen der Gemeinderabhiner In jüngster Zeit mehren sich wiederum die Fälle, d.iß mit dem Namen der Gemeinderabbiner Mißbrauch getrieben wird. Immer noch, obwohl schon vor Monaten davor gewarnt worden ist, werden Gemeindemitglieder von Schwindlern unter dem Namen der Gemeinderabbiner telefonisch angerufen und gebeten, einem sehr zu emplehlenden bedürftigen Glaubensgenosse n e i n e U n t e r s t ti t z u n g z u g e w ä h r e n. Es empfiehlt sich daher, in jedem Falle derartiger telefonischer Empfehlung sofort nach Beendigung des Gesprächs durch Rückfrage festzustellen, ob tatsächlich die Persönlichkeit am Telefon war, mit der man zu sprechen meinte. „Völkische Agitation" Zu Sonnabend, dem 20. d. M., lud der Bund jüd. Frontsoldaten der ehern österr.-ungar. Armee zu Leipzig seine Mitglieder in den Goldenen Saal des Krystaüpalastes. Auf der Tagesordnung stand die Generalversammlung des Bundes, außerdem ein Vortrag des 1 Vorsitzenden des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten, Herrn Rechtsanwalt Dr. Alfred Jacoby, über „Völkische Agitation". Nach der kurzen Begrüßung durch ein Vorstandsmitglied (der 1. Vorsitzende war durch einen Trauerfall am Erscheinen gehindert) verlas der Schriftführer das Protokoll der vorjährigen Generalversammlung, das widerspruchslos angenommen wurde. — Dann nahm der Referent, Herr Dr. Jacoby, das Wort. Fr ging von der Erfurter Friedhofsschändung aus, die wieder ein charakieristisches Beispiel des heutigen Radau-Antisemitismus ist. Aber so fürchterlich und tragisch solche Vorkommnisse sind: der größere Feind ist der sogenannte stille Antisemit, gefährlicher, weil wir ihm gegenüber harmloser sind. Das ist der llauptvorwurf, den der Redner den Juden, speziell den deutschen Juden macht: sie sind nicht wachsam. Solange sie nicht selbst Opfer eines Pogroms, einer Untat waren, solange glauben sie noch weit entfernt von der Möglichkeit eines Unglücks zu sein. Sehr viele deutsche Juden glauben fälschlich, der Antisemitismus richte sich nur gegen die ausländischen Juden, und of: ist der deutsche Jude stolz, in christlichen Kreisen gesellschaftlich zugelassen zu sein; er übersieht dabei, daß der Antisemit den deutschen Juden genau so als Outsider betrachtet, wie den;uis dem Osten eingewanderten. Im Reichsbanner sind viele Juden organisiert. Aber nur wenige sind mehr als eingeschriebene Mitglieder. Die prozentuale Beteiligung an den Veranstaltungen des Reichsbanners ist bei den Juden wesentlich kleiner als bei den Christen. Ist das notwendig? Wir können die Abwehr des Antisemitismus nicht passiv betreiben, wir sind zur Aktivität gezwungen! Gezwungen, weil unsere Gegner aktiv sind. Das beweisen die täglichen Flugblätter, SCHIRME REPARATUREN STÖCKE BEZÜGE Gustav HaiTipel, Hainstraße 31 r ■ ÜUdlscl ind» Ortsgruppe Leipzig. Sonnabend, den lO. April, abends 8 Uhr im VOLKSWOHL, Löhrstraße 7 EJJjHJ^QsT ■■ ftJfr Ki UA11 Bekämpfung und Verhütung der englischen Krankheit. mit begleitendem Vortrag des Herrn Dr. K. Soloweetschik. Alle Jüdischen Männer und Frauen haben freien Zutritt.