Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 13/14 (26.3.1926)
- Date
- 1926-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13/14 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 heißung mußte erst in einem mühseligen Kampfe mit den Widerlichkeiten der Wüste gesucht werden. Und so war Israels Gang durch die Geschichte immer der Zug entgegen dem Lande der Verheißung. Israels Daseinsaufgabe wurde darin erblickt, daß es mitarbeite an der Vervollkommnung des Menschengeschlechts, an der Schaffung einer im Streben nach dem Guten und dein Wahren einigen Menschheit. Daß dieses Streben einst zum Erfolge geführt würde, war die Verheißung, an die Israel unentwegt glaubte, und aus diesem Glauben gewann es immer Kraft zu seiner mühseligen Wanderung. Als ein junges Volk zog Israel aus Ägypten. Immer ist es die Jugend, die neue Wege weist Die reife Generation würde in ausgetretenen Pfaden verharren, wenn nicht die Jugend neue Wege forderte und mit der ihr eigenen Kraft lorderle. Jugend bedeutet Tat. Sie trägt in sich das Sehnen nach Großem. Ihr Blick ist noch nicht getrübt durch das Wirkliche, sondern unverwandt auf das gerichtet, was ihr Geist als das Kommende schaut, und er sdiaut dieses Ungeborene, Werdende immer groß. Und dieser Blick wird gestützt durch ein starkes Wollen, das dieses Große auch als Wirklichkeit sehen möchte, und für seine Durchführung kein Hemmnis gelten läßt. Jugend heißt Glauben, Glauben an ein Ziel Muß auch jedes Geschlecht erfahren, daß dieser Glaube enttäuscht wird, daß die Gewalt der Wirklichkeit stärker ist als alle Begeisterung: wäre nicht der jugendliche Glaube, es gäbe kein Vorwärts. Als ein solches jugendlich gestimmtes Volk zog Israel aus Ägypten, nahm es alle die Schwierigkeiten auf sich, die ihm auf dem Wege zum Lande der Verheißung entgegentraten. Die stete Erinnerung an den Auszug gab unserer Gemeinschaft in mer wieder die jugendliche Begeisterung, den jugendlichen Glauben an ihre Aufgabe, trotz allem, was sie erleben mußte. ' nxan lütb „Im kommenden Jahre". In diesem Worte lag soviel Aulinunterung, soviel Verjüngung, Suviel Eiweekung zu ' neuer Tatkralt, daß die Erinnerung an den Auszug mehr war als bloßes Gedenken an ein geschichtliches Ereignis. Jung machen möchte das Peßachfest Wie können wir uns wieder verjüngen? Was die Jugend begeistert, ist die Lrfülltheit mit ihrem Gedanken. In einem Gedanken lebt sie Was den reifen Menschen matt und tatenlos werden läßt, ist die Besiegung jugendlicher Gedankenfülle durch die Fülle der Sorgen des Alltags. Das Peßachfest will uns wieder darauf hinweisen, daß wir mit unserem Leben einen Gedanken verknüpfen müssen. Es kann nicht zweifelhaft sein, welches der Gedanke ist, dem wir immer wieder neue Lebendigkeit geben müssen: die j Lehre der Väter mit ihren noch immer nicht zur Tat geworde- | nen Idealen. Sie ist das Land der Verheißung, nach dem wir j hinstreben. Mag uns auch bisweilen auf dem dürren Wüstenpfade, den wir wandeln, der Mut verlassen wollen: wenn wir den Gedanken immer wieder die Richtung auf das große Ziel ' geben, dann wird immer wieder der Glaube erstarken, nxnn rlHrV vielleicht schon im kommenden Jahre, sicher aber in kommender Zeit wird Ideal zur Wirklichkeit. Aus diesem Gedanken wächst Wille, Begeisterung — jugendliche Kraft. Uber di< Bericht Gemeindesitzung vom 22. März 1926 Von Verwaltungsdirektor Katzenstein Gemeindevorsteher Goldschmidt begrüßt den erstmals in der Gemeindesitzung erschienenen Verordneten Herrn Ch. Eitingon und teilt mit, daß Herr hodes verreist und Herr Breslauer wegen Krankheit nicht anwesend ist. Die Zahl der Zuhörer hat der Vorsitzende auf Grund der ihm erteilten Ermächtigung auf 20 beschränkt. Auf ihren Wunsch werden Frau Mathias und Herr Ury von dem Amt eines Mitgliedes des Unterrichts- und Erziehungsausschusses entbunden; anstelle von Frau Mathias wird Frau Fanny Rosenthal gewählt, für Herrn Ury soll der Ausschuß selbst einen Vorschlag machen. Ferner wird dem Wunsche des Herrn Schwadron stattgegeben, ihn aus dem Amt eines Mitgliedes des Fürsorge- und des Darlehnskassenausschusses zu entlassen. In den letzteren Ausschuß wird Hen M. Marcus, in den Fürsorgeausschuß Herr Rabbiner Cohn gewählt. Dem Gemeindevorstand wird die Ermächtigung erteilt, bis zur Festsetzung des neuen Haushaltplanes nach Maßgabe des jetzigen zu wirtschaften. Der Finanzausschuß hat empfohlen, dem Verein Moaus Chitim einen Beitrag von M 6500 zu seinen Peßach-Verteilungen zu gewähren. Lustig erinnert an den Beschluß, daß gespart werden soll, und meint, daß die Peßachspenden privat aufgebracht werden sollten. Kestenbaum weist darauf hin, daß alle Gemeinden größere Beträge für diesen Zweck bereitstellen und daß dies in diesem Jahre mehr denn je notwendig sei. Gut mann bittet namens des Finanzausschusses, die Summe zu bewilligen, aber daran festzuhalten, daß jede Nacliforderung ausgeschlossen ist: die Gemeinde bedenke außerdem die Insassen der Gefangenen- und Krankenanstalttn mit Pesachgaben. Darauf wird der Beitrag von M 6500 bewilligt. Es liegt eine Beschwerde gegen die Heranziehung zu einer Gebühr vor. Gleichzeitig hat der Bescl werdeführer bei der zuständigen Behörde Einspruch gegen die eingeleitete Zwangsvollstreckung ethoben mit der Besiündung, daß nach der Änderung der Gesetze die Gemeinde nicht mehr berechtigt sei, ihre Gebühren im Verwaltungszwangsverfahren beizutreiben. Der Vorstand hat diesen Einwand widerlegt. Da aber eine Entscheidung der Behörde noch nicht ergangen ist, wird der Beschluß über die Beschwerde ausgesetzt. Auf eine Anfrage, unter welchen Bedingungen die Gemeinde die dauernde Pflege von Gräbern übernimmt, wird entsprechend dem Antrag des Vorstandes beschlossen, daß von Fall zu Fall ein Kapital zu fordern ist, dessen Zinsen den gleichen Betrag, den die Pflege und Unterhaltung der Gräber beansprucht, für wohltätige Zwecke übrig läßt; im Hinblick auf die Erfahrungen aus der Inflationszeit ist der Die neugegründete K red itge mein schaff Deutscher Pianofabriken bietet die Möglichkeit der Anschaffung eines Markenflügels oder Pianos zu bequemen Monatsraten. Wir sind der Kreditgemeinschaft angeschlossen und bitten alle Reflektanten, zwanglos Offerte bei uns einzuholen. GEBR. GROTRIAN - STEINWEG Leipzig, Dittridiring 18.