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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-03-19 · 12 (19.3.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
12 (19.3.1926)
Date
1926-03-19
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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2. Jahrgang GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 soll die Seele bewahren vor Falschem, soll sie hinleiten zum Höchsten und Reinsten, zur Wahrheit. — Wo Schönheit waltet, da verspürt die Seele den Drang, Schönheit auch über das Tun zu breiten: im Heiligtume Gottes mit all seiner Pracht soll für diesen Adel im Tun, die Verwirklichung des Guten, Antrieb geschalten werden. Alle Kunst entsprang dem Religiösen. Aber wenn sie anderwärts in einer weiteren Stufe der Entwicklung nur um des Schönen und der Lust am Gestalten willen geübt wurde: die jüdische Anschauung lockerte nie das Band, das sie an das Religiöse knüpfte. Den Durst nach dem Schönen, diesen edlen Ur rieb im Menschen, ungestillt zu lassen, wäre Unnatur gewesen. Gerade weil das Verlangen nach dem Schönen so ursprünglich im Menschen wirkt, ja weit machtvoller wirkt als die Neigung zum Guten und Wahren, konnte das Judentum es nicht bekämpfen wollen, aber es räumte ihm nicht den Rang als gleichwertiges Drilles neben dem Guten und Wahren ein, sondern ließ es nur als deren Erwecker und Förderer gelten. So wurde jüdische Kunst nur im Dienste des religiösen Lebens entfeitet, darin aber in allen seinen Verzweigungen in Synagoge und Haus. Der Bau der Gotteshäuser mit ihrem architektonischen Schmuck (man denke an die jüngsten Ausgrabungen von Synagogen in Galiläa, an die prächtige Synagoge von Toledo, an die herrlichen Holzsynagogen usw.) und die ganze Fülle ihrer einzelnen Einrichtungen, und die zum häuslichen Gottesdienst erforderlichen Gegenstände, Sabbath¬ und Ghanukah-Leuchter, die Gewürzbüchse, der Kidduschbecher, die Shederschüssel, die Megillah für Purim und die Hagadah für Peßadi; in den Synagogen das Poraucheß für den Thoraschrank, Mäntelchen, Schilder, Kronen für die Thorarollen, der Almemor, die ewige Lampe, und vieles, vieles andere gab reichlich Gelegenheit zu künstlerischer Gestaltung. Unser Verhältnis zur Kunst hat sich in jüngster Zeit in weiten Kreisen der Judenheit gewandelt. Die Ängstlichkeit, mit der man sich vor dem Genießen künstlerischer Werke hüiete, ist geschwunden; und selbst als Schaffende wenden sich zahlreiche Juden der Kunst zu. Ja, es fehlt nicht an Bemühungen, auch in diese Seite jüdischer Kunstbetätigung eine jüdische Note zu tragen, um eine jüdische, sagen wir, im Gegensatz zu älterem jüdischen Kunstschaffen, profane Kunst zu entwickeln. Es muß aber mit Bedauern festgestellt werden, daß in dem gleichen Maße, in dem unter den Juden die Hinwendung zu einer vom Religiösen unabhängigen Kunst zugenommen hat, die alte Liebe zur Verschönerung des frommen Dienstes schwindet. Früher galt es immer als eine besonders schöne Pflicht, bei freudigen Anlässen durch fromme Spenden an die Synagoge zu ihrer reicheren Ausstattung an schönen Kultgeräten beizutragen. So sammelten die Synagogen oft zahlreichen kostbaren Thoraschmuck und wertvolle Behänge. Diese Art der Spenden wird immer seltener. Darauf ist es z. B. zurückzuführen, daß in unserer Gemeindesynagoge nur je zwei Behänge für heilige Lade, Tisch und Kanzeln vorhanden sind: der eine, der durch das Jahr hindurch benutzt wird, und ein anderer, der an den hohen Festtagen und an Festtagen mit Seelenfeier an seine Stelle tritt. Gerade das enger entwickelte Verhältnis zur Kunst und das daraus entwickelte feinere Verständnis für sie sollte sich auch in dieser Richtung betätigen. Es liegt ein wundervoller Reiz darin, wenn man in die Synagoge kommt und an der heiligen Lade den Vorhang sieht, den man selber gestiftet hat, oder mit dessen Stifter man in persönlicher Beziehung verbunden ist. Das hat in früheren Zeiten, in denen man zahlreiche solche Stiftungen hatte, ein ganz intimes Band unter den Besuchern der Synagoge begründet. Vielleicht regen diese Zeilen dazu an, an diese alte schöne Sitte wieder anzuknüpfen. Stiftungen dieser Art bedeuten zudem auch ein Denkmal, das den Namen des Stifters für die Dauer mit der Synagoge verknüpft. Gemeinderabbiner Gustav Cohn Aus unserer Gemeinde Abendheim für die jüdische Jugend Eine Versammlungsstätte für unsere jüdische Jugend, in der sie frei von allen schädlichen Einflüssen einige Abendstunden verbringen kann, war eine unbedingte Notwendigkeit. Die Entwicklung des „Abendheims" beweist, wie stark das Bedürfnis vorhanden war. Der schon von Beginn an starke Zuspruch ist während der 12 Veranstaltungen immer stärker geworden, sodaß jetzt schon mit einer Besucherzahl von mindestens 170 Personen zu rechnen ist, weit mehr, als der grüne Saal im Zoo zu lassen vermag. Die letzte Veranstaltung wurde mit einem von Herrn Dr. Soloweetschik verfaßten Sprechchor eingeleitet. Der große erzieherische Wert eines solchen Chores besteht in der Disziplinierung, die ein gemeinsames Sprechen erfordert, Jerner in der Übung, durch ein scharf pointiertes Sprechen eine gepflegte Aussprache zu erzielen. Im Mittelpunkt dieser Abendveranstaltung stand ein äußerst populärer Lichtbildervortrag von Herrn Dr. Soloweetschik, der llpr £«ip)ig, Dittricferina 18. das sehr wichtige Thema „Maßnahmen gegen Verbreitung der Tuberkulose" behandelte. In anschaulicher Weise wurde durch Bild und Wort erläutert, wie durch Gedankenlosigkeit und mangelnde Rücksicht (Aufwirblung von Staub, Essen mit ungewaschenen Händen, mangelnde Luftzufuhr und Reinhaltung der Wohnräume) viel zur Verbreitung dieser Volksseuche beigetragen wird. Die Bilder zeigten, wie auch der ungeübte Blick des Laien den Kindeskörper beobachten soll, um etwaige Anzeichen drohender Tuberkulose nicht sorglos zu übersehen. Von wie starkem volkserzieherischem Wert derartige Aufklärungsvorträge sind, braucht nicht erst betont zu werden. Deklamatorische Vorträge aus dem Kreise der Mitglieder, die mit gutem literarisdien Geschmack gewählt und vorgetragen wurden, beschlossen den Abend. Alle Darbietungen wurden mit Dankbarkeit und Verständnis vom Publikum entgegengenommen. Es wäre zu wünschen, daß gerade dieser Jugend für ihre Erholungsstunden ein weiter, luftiger Raum, der Bewegungsmöglichkeit und gesunde Luft bietet, zur Verfügung stände. Leider ist aber selbst dieser viel zu beengte Saal in Frage gesteilt, da die kleinen Unkosten nicht allein aus dem Kreise dei Zuhörerschaft gedeckt werden können. Es müßte tief bedauert werden, wenn sich nicht Wege fänden, diese so verheißungsvolle Arbeit fortzusetzen. Else Cohn LEOPOLD LYSSOW Stecfcner-Passage - Telefon 29183 Spezialgeschäft feinster Schokoladen Heller > Lindt - Marquis Ramann (neu aufgenommen)

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