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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-03-12 · 11 (12.3.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
11 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Seite 3 Etwas übe 9* syr Von S. Am 14. März findet in unserer Gemeindesynago^e ein Konzert statt. Dies ist der Anlaß zu den folgenden Zeilen. Die synagogale Musiki Wie vieles ist über dieses Thema nicht schon gesagt und geschrieben worden. Und doch drücken sich ernsthafte Forscher nur vorsichtig und zögernd aus; denn das Wichtigste fehlt: die Aufzeichnung. Nur Mutmaßungen sind es, die ein bescheidenes Vorwärtstasten erlauben. Gewiß zeigt uns der 150 Psalm eine ganze Reihe von Musikinstrumenten, aber — wie alt ist dieser Psalm. Gewiß lesen wir in den Büchern der Chronik der Bibel von der Anordnung des Tempelorchesteis Aber: wie haben diese verschiedenen Instrumente gespielt? Welche Melodien haben sie gespicli? — Von einer Harmonie kann ja überhaupt noch keine Rede sein, da diese erst im 10. Jahrhundert nach der gewöhnlichen Zeitrechnung entstand. Nun spricht man häufig von uralten jüdischen Melodien nnd meint meistenteils solche, die die Skalen der sogenar nten alten Kirchentonarten enthalten (besonders dorisch, phrygisch, mixolydisch und äofisch). Man möchte diese alten Kirchentonarten gern als Überbleibsel der alten Tempelmusik ansprechen und so eine direkte Verbindung herstellen vom Altertum bis weit hinein ins Mittelalter. — Dann tritt innerhalb einer Skala der 1 1 . Tonschritt auf. Die Musikgeschichte lehrt, daß dieser Schritt (bei der phrygischen Tonart) erst ziemlich spät entstand, als man zwecks Harmonisierung und flüssigerer Melodiebildung sich freier bewegen wollte. Und dann: wir kennen auch die sogenannte magyarische Tonskala, die sogar zweimal den 1 l/i Tonschritt zeigt.- Wie alt ist sie? — Man setze sich einmal ans Klavier und stelle eine kleine Melodie zusammen aus der melodischen und harmonischen Moll- und der magyarischen Tonreihe — und man wird glauben, eine alte „jüdische" Melodie gespielt zu haben. Die synagogale Musik ist — das ist zweifelsohne richtig — von dem jeweiligen Lande beeinflußt, auf dessen Boden sie entstanden ist. Das läßt sich am besten nachweisen an den aufgezeichneten Stücken. Leider reicht unsere Kenntnis nicht sehr weit zurück; denn der erste „Synagogenkomponist" ist Salomone Rossi (ca. 1587—1628). — Sidier ist, daß dieser hudibenubte Musiker von Palesltina, dem gewaltigsten Komponisten der katholischen Kirche, beeinflußt worden ist, dessen überragendes Wirken, anerkannt von der gesamten damaligen Kunstwelt, in die Mitte des 16. Jahrhunderts fällt. Mit dem Beginne des 18. Jahrhunderts war für die Musik der christlichen Kirche eine Blütezeit angebrochen, eine Zeit der Fruchtbarkeit und Tiefe, wie sie bis jetzt nicht nur nicht übertroffen, nein noch nicht einmal annähernd erreicht worden ist. Bach und Händel schreiben ihre unsterblichen Werke. Und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Vertreter jener i&gogale Musik Lampel Zeit manche dieser edlen Melodien mit in die Synagoge nahmen und daß das reiche Figurenwesen (Koloratur) der großen Meister auf die Singweise (Chasonus) der Vorbeter überging. Nach den großen „Vorklassikern" Bach, Händel, Gluck traten die drei großen „Klassiker" Haydn, Mozart, Beethoven auf den Plan, und die Fülle edelster Musik, die von diesen geschaffen wurde, konnte die empfänglichen Juden nicht unbeeinflußt lassen. Troiz Richard Wagners hämischen Bemerkt!!!« gen stellen wir mit St Iz lest, daß die Juden bedeutende produktive Musiker hervorgebracht haben; man denke an Meyerbeer, Bizet, Halevy, Brüll, Offenbach, Goldmark — und an Mendelssohn - Bartholdy und Rubinstein, die dem Judentum« entstammen. Als die Altmeister synagogalcr Komposition sprechen wir heute Sulzer und Lewandowski an, die in ihren großen Werken die Liturgie des ganzen Jahres behandeln — Salomon Sulzer (1804—1890), Oberkantor in Wien, hat in seinem Schir zijaun, dessen erster Teil im Jahre 1840, dessen zweiter Teil 25 Jahre später erschien, eine Reihe hervorragend schöner Kompositionen geschaffen, die in ihrer Art vielleicht an Beethoven Schubert gemahnen. (In der Gemeindesynagoge hört man u. a, von ihm: Abendgebet an den drei Festen, die Linleitungssegensprüctie des I lauptgebctes, Priestersegen) Louis Lewandowski (1823—1894), Chordirigent der Berliner Gemeinde, hat eine große Anzahl von schönen Werken hinterlassen, die in ihrer Art vielleicht auf Mendelssohn-Bartholdy hinweisend, die Betenden entzücken und ergreifen. (In der Gemeindesynagoge hört man u. a. von ihm: L'eho daudi und T'auw l'hauclaus am Sabbath und Un'ßanne taukef usw. an den hohen Festen.) Damit hat die synagogale Komposition nidit aufgehört, sondern neben den Genannten und nach ihnen wurden Syna- ' gogengesänge geschaffen. Aus der großen Reihe der Tonschöpfer mögen genannt sein: Naumburg-Paris (Olenu an den hohen Festen), Deutsdi-Breslau (Haudu am Schowuaus), Birnbaum-Königsberg (Hasdikiwenu an den hohen Festen), Kirsdiner-München, Berggrün-Hannover (Tal am Pesachfeste), S. Jadassohn-Leipzig, der für uns besondere Bedeutung hat, da er als Chordiligeni an unserer S)iiagogc wirkte (Wenn der Stifter. .. zur Seelcnfeier, Finleitungslieder zu den Kesten), D. Rubin-Prag, Rose-Hannover, Grünzvveig-Arad Diese haben ganze Bände oder einzelne Stücke für die Synagoge geschrieben, die die Weiterentwicklung der Musik audi in der Synagoge zeigen. Ja sogar kühnere Harmonien (etwa auf R. Strauß und Reger hinweisend) werden heute in der Synagoge nicht verschmäht, und so steht das Gotteshaus trotz seiner alten und uralten Gebete mitten in der Gegenwart. Sonnabend 20. März 1926 abends 8 Uhr, General-Versammlung des Bundes jüdischer Frontsoldaten der ehemaligen österr.-unjar. Armee sowie ein VORTRAGSABEND im KRYSTALL-PALAST Goldener Saal Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des abgelaufenen Jahres. 2. Entlastung des Vorstandes. 3. Völkische Agitation: Referent Hechts-Anwalt Dr. A. Jacoby. 4. Beschlußfassung über Erweiterung (tei Statuten. 5. Neuwahl des Vorstandes. fi. Verschiedenes und neue Antrage. Allen Mitgliedern wird das Krscheinen zur unbedingten Pflicht gemacht Gäste und neue Mitglieder willkommenI Evtl. Anträge für die Generalversammlung müssen bis spätestens 18 März einlangen Geschäftsstelle: S Rosdeutscher, Brühl 71 DER VORSTAND. Der Vorstand des Hilfsverereins isr. Gewerbetreibender beehrt sich, seine verehrten Mitglieder, Freunde und Gönner zu seinem am Ponnerstag, 18. MlgX in sämtlichen Räumen des Zoologischen Gartens stattfindenden EKVLADlJlliC}. 39. S T I F T l;V Ii S f Ii S T ■ hierdurch ergebenst einzuladen. WIR BRINGEN GROSSE ÜBERRASCHUNGEN I

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