Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 10 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEINDERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang den Fällen, in denen ausgesuchte Grabstellen oder Erbbegräbnisse genommen werden, die entsprechenden Gebühren für die Plätze. Die entsprechenden Kosten einer Beerdigung bei Nichtjuden betrafen für den Mittelstand 600—1500 M, bei größeren Ansprüchen inbezug auf die Ausstattung 2000 M und mehr. Aus dieser Ver^leidiun« der Gebührensätze geht hervor, daß die Klauen nicht als berechtigt anerkannt werden können. Das Ehrhard-Lied in Leipziger Cafe's Wie uns von mehreren Gemeindemitgliedern mitgeteilt wird, spielt die Kapelle im Cafe „Römisches Haus", Peterssteinweg, das Lhrhard-Lied „Hakenkreuz am Stahlhelm". Eine Reihe von Gästen dieses Cafe's, die wiederholt in den oberen Räumen des ..Römischen Hauses" Billard und Skat spielten und durch ihr Benehmen keinerlei Anlaß zu Belästigungen gaben, wollten deswegen mit dem Wirt Rücksprache nehmen, erhielten aber von dem Kellner die Auskunft, daß der Wirt für sie nicht zu sprechen sei (Wirt und Kellner sind die betreffenden Personen als Juden bekannt.) Der Kapellmeister und zwei andere Gäste begannen daraul heftig auf die Juden zu schimpfen und wollten die jüdischen Gäste zu einer Prügelei provozieren, was diese jedoch durch ihre besonnene Haltung verhindern konnten. Auch im Cafe Küster ist in der letzten Zeit das Ehrhard-Lied wiederholt gespielt worden. Es dürfte für unsere Leser wichtig sein, davon Kenntnis zu erhalten, daß sie in den genannten Cafe's in unangenehme Lage geraten können. Synagogenmusik im Konzertprogramm (Zum „Großen .Musikabend" im Jüd. Theaterverein / Jüd. Ju^endbund) von Max Jafie Der zweite musikalische Abend in der Winterarbeit des J.T.V. J.J.B, trug t;'.nz das Gepräge großer Abende. Sowohl das Programm, als auch die imposante Schar der Zuhörer erweckten von vorhinein geradezu festliche Stimmung und der Verlauf des Abends war völlig dazu angetan, diese Stimmung zu erhalten und wesentlich zu steigern. Nach sehr langer Pause trat das Orchester des Vereins wieder zum ersten Male vor sein Plenum und die stolzesten Erinnerungen wurden wach, als unter dem Mab unseres rührigen Erich Schmerel die farbenprächtigen Akkorde und beschwingten Rythmen der „Preeiosa"- Ouverture erklangen, die wohlabgetönt und rein zu Gehör gebracht wurde. Im .Mittelpunkt des Abends standen die beiden Gäste des Vereins: unsere Bundesschwester Erl. Elisabeth Berger- Dresden als Sängerin und der in der jüdischen Gemeinde als Organist der Zweiggottesdienste rühmlichst bekannte Herr Alex Conrad als Pianist. Im Programm der Sängerin war insofern ein Novum enthalten, als sie einige hervorragende Stücke der Synagogenmusik mit dem hebräischen Originaltext aufgenommen hatte. Stücke, die sonst nur dem Manne — am Vorbeterpult — vorbehalten sind. Wenn auch die Sängerin durch ihre längere Mitwirkung im Dresdner Synagogenchor einige innere Vorbereitung für solche Stücke, die ja Gebete darstellen, mitbrachte, so darf man doch besondere Bewunderung darüber aussprechen, daß Fraulein Berger eine wunderbare Einfühlung in den Stimmungsgehalt dieser Gesänge bewies und sie mit herzergreifender Innigkeit darbot. Man darf es ihr als Verdienst anrechnen, daß sie so ihrem Programm Qeg&iSchuppen v Haarausfall nur Hr. med m | iJ^j^Kt Dose Mk. Vs rSANOSTCINfCO. O.H.B H. LllPlIO OfTTPIClIPINO 76 eine echt jüdische Note gab und die außerordentliche Schönheit unserer synagogalen Musik einem jüngeren jüdischen Publikum nahebrachte, das sonst vielleicht weniger geneigt ist, bei den Gottesdiensten darauf acht zu haben. Vorgetragen wurde: „W'schomru" von Rubin, „W'hogen baadenu" und „Kol nidre" von Lewandowski. Die Sängerin brachte im Laufe des Abends noch Lieder von Brahms, Mendelssohn und Gräner zu Gehör. Man darf ihr nachrühmen, daß sie im Besitz einer ungewöhnlich weichen, wohllautenden und biegsamen Altstimme ist, in der auch nicht ein harter Ton bemerkbar wird. Tongebung, Modulation und Atmung zeugen von reifer Durchbildung und die erstaunliche Beseeltheit des Vortrages von reichem und tiefem Gemüt. Auch die liebenswürdige Erscheinung von Fräulein Berger trug zur Hebung ihrer Wirkung viel bei, und so war der Erfolg ein ganz großer, der Beifall von stürmischer Herzlichkeit. — Freilich: gut begleitet, ist halb gesungen! Alex Conrad saß am Harmonium — er, der gerade als Begleiter unser Lob gewiß nicht mehr braucht. Eine umso größere Überraschung war es uns aber, ihn an diesem Abend als Konzertpianisten zu hören; und zwar mit solch anspruchsvollen Stücken wie: „Italienisches Konzert" von Bach, „Intermezzi" (Op. 118) von Brahms, „Rhapsodie" (Op. 79) von Brahms, sowie „Phantasie" es-moll und „Scherzo" cis-moll von Chopin. Sämtliche Stücke, an dem schönen Blüthner aus dem Gedächtnis vorgetragen, wurden mit unerhörter tschnischer Meisterschaft, mit überquellendem Empfinden dargeboten und entfesselten Stürme der Begeisterung Wir begreifen nicht, daß wir diesem ausgezeichneten Pianisten nicht schon auf einem großen Konzertpodium unserer Musikstadt begegnet sind. Es war uns eine Auszeichnung, gleichsam vor aller Öffentlichkeit Alex Conrad als Konzertpianisten gehört zu haben. Der wirklich „große" Musikabend schloß mit der gelungenen Wiedergabe der reizenden Mozartsdien „Kleinen Nachtmusik" durch das Vereinsorchester und hinterließ bei den etwa 120 Hörern langanhaltende Eindrücke und weitgehende Hoffnungen auf den wiedererwachten musikalischen Leiter. Nachrichten aus dem Gemeindeamt Wohnungswechsel Herr Gemeinderabbiner Cohn wohnt seit dem 15. Februar . „, . .. ... Löhrstraße 10 III Fernsprechanschluß (29641) und Sprechzeit bleiben unverändert. Zur Beachtung! Wir richten an unsere Gemeindcmitglieder die nitte, im eigenen Interesse diesem Teil, sowie den amtlichen lickanntmuchungen auf der ersten Seite besondere Beachtung zu schenken, da eine Veröffentlichung unserer Bekanntmachungen, soweit nicht die Gemeinde-Satzung anderes bestimmt, nur noch im ,.Gemeindeblatt" erfolgen wird. Gemeindeamt: Lührsti.ißc io: Fernsprecher 23602. Erdgeschoß; r ursorgeabteilung. Geöffnet: Montag, Dienstag, Uonnerstag, Freitag von 11 — 1 Uhr. — Mittwoch und Sonntag nur für Durchreisende (12 — 1 Uhr). 1. Stock: Vorstand und Verwaltung. Geöftnet tur den allgemeinen Verkehr werktäglich von 9—1 Uhr. Postscheckkonto der Gemeinde Nr. 50533 Leipzig. W.KretZSCtllfiar Inh.: Rob. Hahne praktischer HemdeilSChneider Tadellos, sitz. Oberhemden und jegliche HerrtawitcN naeh eigenem Idealsystem, Crawttten-Neuhaltea Jetzt 71 Jahre am Markt in Leipzig.