Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 9 (26.2.1926)
- Date
- 1926-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang Haman zu jeder Zelt. mnnc" k1?") jns'' k"? *dTW V — I — T 1 T I ' — I IT Von jlia S. Toptschiaschwili, cand. rer. oec. In verschiedenen Jahrhunderten ist vieles unter der Erde begraben worden; aber das, was einmal von einer ganzen Nation, von einer Masse gesdiaffen war, hat ewigen Bestand auf der Erde. In der jüdischen Geschichte geht der unsterbliche Tag des 14. Adar niemals unter- Im Judentum waren, sind und werden noch immer Esther, Mordechei und der mit ihnen verknüpfte Purimsjubeltag unvergeßlich bleiben. \ß Warum feiern wir eigentlich Purim? Was sind seine Ursachen? I» Purim ist das Symbol der Freude! Das in der ganzen Welt zerstreute jüdische Volk kann nirgends ruhig leben; überall steht es die schwersten und unglücklichsten Zeiten aus Und dennoch hat es sein Selbstbewußtsein nicht eingebüßt; ja vielleicht rührt es gerade daher, daß es in unversöhnlichem Gegensätze zu skrupelloser Selbstherrlichkeit steht. Gegen ..Herren" dieser Art bäumt sich sein gerechtes Empfinden auf. mit der Leidenschaftlichkeit des Unterdrückten, der um die Seele des ungerecht Leidenden weiß. Vor uns stehen Mordechai und Haman als Gegensätze. Ganz verschieden in ihren Handlungen, symbolisieren sie unser ganzes Diasporaleben. Haman — der Typus der Ungerechtigkeit und des Hasses, will seinen Durst durch das unschuldige Blut der kleinen Nationen stillen Fr ist sehr von sich eingenommen und kennt kein Bedenken, durch fremdes Unglück sein Glück zu bereiten, Haman ist eine historische Person. Im persischen Reich galt er als Erster unter f lervorragendsten, und das ganze Volk zitterte in Angst vor ihm. Seine hohe Stellung in Persien während der Regierung des Königs Achaschwerosch glaubte dieser Urmensch benützen zu können, das unsterbliche Judentum zu vernichten. Mordechai. ein dem I laman ganz gegensätzlicher Typ — liebt aus Gerechtigkeit sein unterdrücktes Volk. Darum ist er gerne bereit, sein Leben für seinen Gott und für seine Stammesbrüder aufs Spiel zu setzen. Wenn auch alle vor Haman, dem königlichen Befehle gemäß, sich beugen und knieen, nur ein Mordechai vermag das nicht. Es gab im Laufe der Zeiten viele „Mordechais" (jüdische Staatsmänner», die verantwortliche Ämter in verschiedenen Staaten begleiteten. I landelten sie auch so gemein wie 1 laman?... Nein! Sie versuchten stets das Beste iür den betreffenden Staat und sein Volk zu tun, das sie auf diesen Posten berufen hatte. Sie waren sich bewußt, daß sie die Pflicht hatten, ihrem Vaterland zu dienen, auch wenn sie zugleich ihrem jüdischen Volk nützlich sein wollten. Sie standen immer den Unterdrückten bei und trachteten nach Versöhnung zwischen den Völkern. In der Geschichte verschiedener Völker finden wir die Beweise dafür. Überall und immer stellte die jüdische Nation Persönlichkeiten, die der Menschheit als Vorbild voranschritten. Wann hätten diese Kinder des Judentums irgend einmal mit ihrem Wissen und ihrer Klugheit der Menschheit Schlechtes getan oder den Haß gegen die Nebenmenschen hervorgerufen? Könnte jemand auch nur den Schein des Beweises dafür beibringen? — Purim ist der Tag, an dem Haman in die Grube gefallen ist, die er für die Juden gegraben hatte. Für Haman gilt das populäre russische Spridiwort: „Was gesäet, wird geerntet". Was er für das Judentum vorbereitete, ist ihm selbst geschehen. Haman ging zwar unter, aber seine schädlichen Gedanken leben unverändert immer wieder auf; sie verfolgen uns in unserer 2000jährigen Geschichte und gelten für solange, bis Juda wieder beherzte Mordechais hervorbringt. Ja, es änderten sich die Zeiten, Nationen und Regierungen, aber Hamans Plan gegen die Juden blieb unverändert. So hat Nachfolger Hamans in jeder Epoche gegeben: In Rom, Spanien (Inquisition), Frankreich, Deutschland, im imperalistischzaristischen Rußland (Beilis Ritualmordprozeß 1912), in Polen (Niedermetzelungen u dergl.) usw. Purim bleibt stets mit dem jüdischen Geiste verknüpft, weil es der Tag war, an dem der jüdische Pulsschlag in Persien aufhören sollte. Daß es nicht so kam, verdankt die Judenheit neben Mordechai jener Heldin, die sich für ihr geliebtes Judentum opferte und ihm bereitwillig große Dienste erwies und damit ihre heilige Pflicht erfüllte, die unsterbliche jüdische Nation vor dem katastrophalen Untergang zu beschützen: Esther (Hadassa) hat damit der jüdischen Frau unsterblichen Ruhm gesichert. Niemals, solange die Haman's noch leben, wird der Name Esther in der jüdischen Geschichte sterben. Für sie gilt der Satz: „Amor vincit omnia". Esthers Liebe zur jüdischen Nation hat alles andere besiegt. Der 14. Adar und die mit ihm verbundenen Personen werden in jüdischen Gedanken stets unsterblich bleiben. Leipzig in der „Ort"-Bewegung Am 18. Februar fand unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Hermann Spitz eine Sitzung des „Ort"-(Aufbau-Fonds-) Komitees statt, die sich als für die Entwicklung der hiesigen Ortsgruppe bedeutungsvoll erweisen wird. Im Anschluß an eine gedrängte Schilderung <li-r „Ort"-Aufgaben und der ,.Ort"-Arbeit. die Herr Rechtsanwalt Dr. Bramson gab. wurden die Möglich« keiten iür die Entfaltung der „Ort*-Bewegung in Leipzig eingehend behandelt. An erster Stelle solcher künftigen Arbeit soll die Propaganda für die Ideen dieser hier noch viel zu wenig gekannten Bewegung intensiviert werden. Der Verband „Ort" i*t vor einer stattlichen Reihe von jähren in Rußland begründet worden, mit der Grundtendenz, die notleidende jüdische Bevölkerung durch systematische Hilfsarbeit zu produktiver Arbeit zu führen. Zu diesem Zwecke fördert der „Ort"- Verbund die in der Landwirtschaft tätigen Kreise durch Beschaffung von Maschinen, Saatgut und sonstigem Bedarf. In gleicher Weise tritt der Verband für die Verbreitung des Handwerks unter den Juden ein, indem er den in handwerklichen Berufen Tätigen durch Gewährung von Werkzeugen förderlich ist. Daneben aber erstrebt die Organisation die Zuführung von Juden in die landwirtsdiaftliche Arbeit und das Handwerk durch Gründung und Erhaltung von Fadischulen. Während sich die Wirksamkeit des „Ort" ursprünglich auf Rußland besdiränkt hat, ist sie seit geraumer Zeit audi auf andrre Länder ^llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH^ Mein Erweiterungsbau Pelersslraße 48 Ist vollendet! Nordheimer ^■iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiaiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiutiiiaiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiisiitttiiiniiiittiittir«=