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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-01-29 · 5 (29.1.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
5 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang Zahlungsbedingungen pünktlich erfüllt worden. Leider waren wir gezwungen, gegen einige Darlehnsnehmer und deren Bürgen klagbar vorzugehen. Es ist uns hierdurch gelungen, die fraglichen Beträge zu erhalten. Bis jetzt haben wir keine Verluste /n verzeichnen, wir schreiben dies dein Umstände zu, dal! wir auf unbedingt pünktliche Rückzahlung bestehen. Durch die Darlehnskasse haben wir dazu beigetragen, vielen Bedrängten zu helfen und verhindert, daß die Betreffenden der Fürsorge zur Last fallen. Es wäre ein Segen, w enn die Darlehnskasse nicht über so knappe Mittel verfügte, sondern wenn wir in den Stand versetzt würden, auch größere Beträge ausleihen zu könnnen. Leipzig, den 31. Dezember 1025. Der Ausschuß zur Verwaltung der Darlehnskasse. Joske. Marcus. Dubincr. Volkstrauertag Wie wir erfahren, wird die sächsische Regierung den für (! IS Reich auf den 28, Februar angesetzten Tennin für den Volkstrauertag mit Rücksicht auf die Leipziger Messe, die an diesem Tage beginnt, für Sachsen aufheben und einen späteren Termin festsetzen. Dieser neuen Festsetzung würde sich auch die innerhalb unserer Gemeinde abzuhaltende Feier anpassen. Näheres wird zur Zeit bekanntgegeben werden. Einheit der Menschheit und nationale Idee Auf Einladung der Leipziger A Ith e r renschaft des Kartells jüdischer Verbindun ge n fand sich am 21. Januar in den Räumen der Leipzig-Loge ein stattlicher Kreis jüdisch Interessierter aus allen Richtungen unserer Gemeinde zusammen, um Vorträge der Herren Prof. Dr. Driesch und Kurt Blume nfeld zu hören, die die oben gekennzeichnete Frage behandelten. Von zwei recht verschieden gearteten Einstellungen aus beleuchteten die beiden Redner Gedanken, die in tiefste Ideen menschlichen Lebens Klarheit zu bringen versuchten. Viele der Anwesenden waren allerdings der Ansicht, daß der zweite Redner seiner Idee einen besseren Dienst erwiesen hätte, wenn er seinen gegnerischen Standpunkt nicht in eine so auffallend aggressive Form gekleidet hätte. Die in ruhiger Sachlichkeit vorgetragenen Ausführungen des Herrn Prof. Driesch hatten hierzu keinen Anlaß gegeben. Driesch ging darauf aus, den Nachweis einer geistigen Einheit der Menschheit zu erbringen. Qanz unabhängig von der Frage, ob es innerhalb der .Menschheit Rassen oder andere durch körperliche Unterscheidungsmerkmale von anderen zu trennende Menschengruppen gebe, ist er der Ansicht, daß das Geistige alle Trennungsmomente überbrücke und so eine Einheit der Menschheit bedeute. Diese Einheit bekunde sich darin, daß Menschen verschiedener Gruppen einander verstehen. Der Jude Spinoza ist von Goethe, Sendling und Haeckel soweit verstanden worden, daß sein Denken tiefgehenden Einfluß auf das ihre gewinnen konnte. Ein Gleiches hat Driesch selbst beobachtet, als er während seines Aufenthaltes in China sehen konnte, wie stark in dein jungen China das Verständnis für europäisches Wesen 3ich geltend macht. Als ernsthafterer Einwand gegen diese Einheit könne die Verschiedenheit der Menschen t y p e n erscheinen, in die nach der neueren Psychologie die Menschen eingeteilt werden. So nehmen beispielsweise einige dieser Forscher zwei solcher Typen an, die nach den Schlagworten Macht und Liebe zu trennen sind. Diese Menschentypen, in jeder Rasse, jedem Volke, jeder wie immer gearteten Menschengruppe vorhanden, können einander nicht verstehen, selbst wenn sie demselben Volke angehören: Nationalisten und Pazifisten desselben Volkes stehen in heftigerem Gegensätze zueinander als etwa Pazifisten verschiedener Völker. Demgegenüber aber beweisen doch die begnadeten Einzeln e u, w ie Driesch die genialen Menschen bezeichnet, wiederum viel für die geistige Einheit der Menschheit. Diese begnadeten Einzelnen, die zuerst Neues schauen, neue Fragen stellen und mit Inhalt erfüllen, sie sind selbst schaffend und Milieu bildend. Sie sind nicht an Rassen und Völker gebunden. Ihr Schaffen wirkt befruchtend auf begnadete Einzelne auch in anderen Menschengruppen, und so führen sie den Fortschritt der Kultur herbei. Von diesen Gedankengängen aus erkennt Driesch die zionistische Bewegung als das Streben an, ein Refugium zu schaffen, wozu die Behandlung der Juden in den europäischen Ländern allen Anlaß gibt. Er weist aber auch auf die Gefahr hin, die darin liegt, daß ein jüdisches Staatswesen in Palästina in ein nationalistisches Fahrwasser gerät und damit zu den vielen Staaten ein neues, den Frieden gefährdendes Element in der Reihe der Staaten Schaffeh würde — Diesen vom Gedanken an die Einheit getragenen Ausführungen trat Herr Kurt Blumenfeld vom Standpunkt des Nationalismus entgegen. Er bestreitet, daß die Tatsache des Sichvcrstchens ein Beweis der Identität sei. Spinoza sei ja auch von Goethe, Schclling und Haeckel nur wenig verstanden worden. Dieser Grad des Verstehens rühre von einer Uebereinstimmung gewisser menschlicher Ungefüllte her. Stärker aber als das Verstehen sei das Mißverstehen; das zeige sich gerade bei den angeführten Beispielen. Auch die E3 JOdischer Theiterverein / Jodischer Jugendbund zu Leipzig Hg Unser am Montag, den 8. Februar 1926, abends 8 Uhr in den oberen Sälen des Krystallpaiastes stattfindendes Maskenfest „Wiener Prater-Rummel" wird unsere Mitulieder und Gäste für einige Stunden ins frohe und gemütliche Wien aus der Vorkriegszeit versetzen. 2 Kapellen, verschiedene Prämiierungen und Überraschungen werden für beste Stimmung sorgen tintrittskarten nur im Vorverkauf an den Vereinsabenden, bei Herrn Ph. Hübner, Lessingstr. 6 und Herrn H. Bredier, Taudiaer Straße 11

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