Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 15 (25.12.1925)
- Date
- 1925-12-25
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 GFJk/EINiDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEVIE1NDE, LEIPZIG Seite 2 Bericht Uber die Fürsorgetätigkeit der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig in der Zeit vom 1. Juli 1924 bis I. November 1925 Unser Fürsorgeamt ist für den Verkehr mit dem Publikum am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 11 — 1, Mittwoch und Sonntag von 12—1 Uhr und zwar nur für Durchreisende geöffnet. Die tägliche Besucherzahl schwankt zwischen 20 und 60. Die Personalien eines jeden, der bei uns vorspricht, werden in unserer Karthotek eingetragen, mit einem kurzen Vermerk über das Anliegen, das ihn herführt. Die Gesuche werden jede Wodie nach eingehender vorheriger Prüfung in der am Dienstag nachmittag 5 Uhr stattfindenden Sitzung des Fü rsorgeaussehusses beraten. Natürlich bleibt es den Abfertigenden überlassen, von Fall /u Fall kleine Beträfe auch ohne den Beschluß der Sitzung zu bewilligen, um größter Not zu steuern. Diese Sitzungen werden vom Dezernenten des Fürsorgeaussdiusses geleitet. Es wird Protokoll geführt, das am Schluß der Sitzung sn wird. Über jeden Fall liegen Akten vor. Am Mittwoch lallt die tägliche Spredistunde aus, weil das Dienstag- Protokoll bearbeitet wird; die in der Sitzung erledigten Gesuche werden beantwortet, und die Falle, die neu zu redierchieren sind, unseren Pflegerinnen übergeben. Sie kommen jeden Mittwoch tan 1 .11 Uhr zu der sogenannten Mittwochs! t zun g im Gemeindeamt zusammen. Ihre Teilnehmer rekrutieren sidi aus Mitgliedern des jüdischen Frauenbundes. Sie berichten über die Fälle, die sie schon zu betreuen haben und übernehmen neue. Einen großen Teil unserer täglidien Petenten bilden die D u r c h w a n d e r e r. Für ihre Abfertigung kommen die am 1. Juni 1925 in Kraft getretenen Richtlinien der Hauptstelle für jüdisdie Wanderfürsorge. Berlin, in Betradit. Da wir uns streng an die Richtlinien hallen müssen, geht die Abfertigung oft nicht ohne starke Reibung vonstatten. Mittagessen in der Speiseanstalt des Israelitischen Wohltätigkeitsvereins wird jedem Durchwanderer auf unsere Kosten gewahrt. Nachtquartier von Fall zu Fall durch den Verein ilachnossas aurchim. Iis gehen täglich auch viel schriftliche Gesuche bei uns ein. Bei einem Teil handelt es sidi um Gewährung von Darlehen. Wir leiten sie an die Darlehenskommission weiter, die demnächst auch hierüber im Gemeindeblatt einen be- -,;t-il» .,1 \irir/t Stellenlose bitten um Vermittlung von Arbeit. Sdiüler und Sdiiüerirnen, die die Schule verlassen, wenden sidi behufs Berufsberatung an uns. In vielen Fällen, wo Streitigkeiten, meist in Wohnungs-, aber audi in anderen Angelegenheiten entstanden sind, versudien wir zu schlichten. In verschiedenen Fällen ist es uns gelungen, uneheliche Kinder bei Pflegeeltern unterzubringen, die sie dann ltdoptiert haben. Häufig mußten wir Kinder, deren Erziehung zu Flause in keiner Weise gewährleistet war, in Anstalten unterbringen; wo es sich um deutsche Kinder handelt, in Zusammenarbeit mit dem Fürsor^eamt der Stadt Leipzig. Wir arbeiten eng mit der Zentrale für Jugendfürsorge zusammen. Im Folgenden geben wir eine gedrängte Übersicht über einzelne Zweite der Fürsorge. Unterstützt wurden 117 Familien laufende Unterstützung erhalten jetzt noch 56 „ Bei den übrigen 61 Fällen hat sidi die Fürsorge im Laufe der Zeit erübrigt. Teilweise bekamen die Petenten leihweise kleine Summen, die sie wochenweise abzahlten; sie wurden dadurch instand gesetzt, sich selbst zu ernähren. Einigen war durch die Beschaffung von Wohnung geholfen. Viele sind an das Fürsorgeamt der Stadt verwiesen worden und werden von dort dauernd unterstützt. Sie bekommen von Fall zu Fall einen kleinen Zuschuß von uns. Es wurden i n 70 F ä 11 e n Mieten gewährt, davon sind 40 abgebaut. Selbst bei den Abgebauten sind aber noch Familien, die Unterstützung bekommen und die dadurch Anspruch auf Erlaß der Mietzinssteuer haben. Sie erhalten dann von uns eine diesbezügliche Bescheinigung. Von 6 Familien waren 10 Kinder in auswärtigen Erziehungsanstalten (Ahlem, Königsberg, Stettin, Isenburg) untergebracht. Ein Kind ist adoptiert worden und ein Zögling hat eine Lehrstelle angetreten. 13 Kinder aus 7 Familien sind im hiesigen Kinderheim der Leipzig-Loge untergebracht. Davon sind 4 Fürsorgekinder der Gemeinde, sie stehen im Alter von 10 — 14 Jahren. Die Gemeinde muß bis zu ihrer Entlassung die Kosten für sie tragen. Bei den anderen bemühen wir uns, von den Verwandten Zusdiüsse zu den Kosten zu erhalten, was selbst bei minimalsten Ansprüchen selten gelingt. 2 Mädchen sind in niditjüdisdien Heimen untergebracht, davon 1 nur vorübergehend im Heilerziehungsheim Klein- Meusdorf, das andere in Harthau i. S. Es arbeitel dort in einer Fabrik und wohnt in einem Mäddienheim. Die Unterhaltungskosten dafür bestreitet es von seinem Verdienst. Wir hatten nur die Aulnahmegebühr von M. 30.— zu bezahlen. Vorübergehend hatten wir audi Mäddien in der Zufluchtsstätte des städtischen Pilegeaints untergebracht, da wir keine Möglichkeit sahen, den Mädchen, die sonst auf die Straße gekommen wären, eine Unterkunftsmöglichkeit zu sdiaffen. Die Erwerbslosenfürsorge kam 42 Personen zustatten. In 20 Fällen hat sie sich erübrigt, teits durch Fortzug von Leipzig, teils durch Erlangung von Arbeit. Es wurden in 29 Fällen Kosten bezw. Zuschüsse für einen Kuraufenthalt bewilligt. Vorher wurde jeder, der dalür in Frage kam, von unserem Vertrauensarzt daraulhin untersucht, ob die Reise eine Gewähr für die Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit sein würde. Nur in diesem Falle, oder wenn Lebensgefahr vorlag, wurden Reiscunterstützungen gewährt. Das Resultat war, daß 20 wieder die Erwerbsfähigkeit erlangten, bei 5 war es nicht der Fall, 2 sind fraglich, da die Betreffenden ihre Kur noch nicht beendet haben, und 2 sind gestorben. Die Zahl unserer Pflegebefohlenen in Dösen beträgt 7, davon ist 1 Fall gesundet, bei 2 besteht Aussicht auf Heilung, 4 sind unheilbar krank. Von diesen 4 Fällen haben wir die Kosten gemeinsam mit dem Hilfsverein israelitischer Nordheimer sagt von jetzt ein nichts rrK.hr. Er läßt allein die Schönheit und Preis Würdigkeit seiner Schuhe sprechen Oer fesche LMerstraBensiielei und Lack. Warm gefüttert, mit Pelzbesatz in schwarz, farbig Sehr preiswert!