Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 14 (18.12.1925)
- Date
- 1925-12-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Oo&fflflitfl» 2fr« 14 18. ^c^mbev 19125 MitteMkft der Jtr&zUtischzn Amtliches Nachrichten bis *cler CeMieihdeverwtltm kz l iqionZqe ttieinde \u &t1tytg ZlKHAHD %i> \ Das Gemeindeblatt erscheint wöchentlich am Freitag. Den Mitgliedern der Religionsgemeinde W'rd es unentgeltlich durch die Post zugestellt, Bezugspreis für Nichtmitglieder monatlich 60 Pfennige. Anzeigenannahme: W. Teicher, Glockcnstraße 11 Schriftleitunq: Gemeinderabbiner Gustav Cohn, Leipzig, Karlstraue5. S Für den Inseratcntcil. Siegmund Cohn, Leipzig, Ottostraße 24. :: Druck undVerlag: Druckerei W. Teicher, Leipzig, Glockenstraße 11. Anzeigenpreise: Die 4gespaltene mm- Zeile 20 P(g. Familien- und kleine Anzeigen 10 Pfg. Umschlagseitcn und Textinserate nach hesond. Tanl. Die Schriftleitung übernimmt für die unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Beiträge und die Vereinsnachrichten nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Quellenangabe und Genehmigung des Verfassers gestattet. Kalendarlum 18.—26. Dezember 1925. — 1.—9. Tewes 5686 1925 Dezember Tewes 5686 Freitag 18. 1. Sonnabend 19. 2. Mikkez Chanukkah Sonntag 20. 3. Montag 21. 4. Dienstag 22. 5. Mittwoch 23. 6. Donnerstag 24. , 7. Freitag 25. 8. Sonnabend 26. 9. Sabbath Wajigasch Gottesdienste Gemeindesynagoge Sabbathgoüesdienst ■. Freitag abend 4,15 Uhr mit Predigt, die sich besonders an die reifere Jugend wendet (Rabbiner Cohn); Sonnabend vorm. 9 Uhr, Nachmittagsgehet 4,20 Uhr, anseht. Lehrvortrag (Rabb. Cohn); Abendgebet 4.54 Uhr,i Voranzeige: Freitag, den 25. Dezember 1925 Gottesdienst mit Predigt, die sich an die reifere Jugend wendet. Wochentags früh 8 Uhr, abends 4,15 Uhr. Talmud-Thora-Synagogen Otto Schillstraße 6 u. Keilstraße 4 Freitag, den 18. Dezember 1925 Abendgebet 4,15 Uhr, nach dem Gebet Schrifterklärung. Sonnabend, den 19. Dez. 1925 Morgengebet 81 , Uhr; Mincha 4 Uhr; Sabbathausgang 4,54 Uhr. Wochentags Morgengebet 7 Uhr, Abendgebet 4,15 Uhr. Vergangenheit unserer Professor Dr. Jadassohn (1831—1902) Der jüngeren Generation des Judentums wird der Name Salomon Jadassohn ziemlich fremd sein; sie wird kaum wissen, welche Bedeutung dieser Name hat. Mit diesen Zeilen möchte ich nun in aller Herzen ein Gedenken und Erinnern an den großzügigen Menschen, den ernsten Juden und den von aller Gelehrten- und Kunstwelt hochgeschätzten Meister der Tonkunst Professor Dr. Salomon Jadassohn wachrufen. Salomon Jadassohn entstammte einer vornehmen, streng jüdischen Familie in Breslau. Er wurde am 13. August 1831 geboren, besudite 1848 das Leipziger Konservatorium und studierte, speziell bei Moritz Hauptmann, Komposition. 1849 bis 1851 war er Schüler von Liszt in Weimar. Seit 1871 war er Lehrer am Konservatorium für Theorie, Komposition und Instrumentation und bekam von der Universität Leipzig den Doktortitel ehrenhalber verliehen. Sein Ruf als bedeutender Pädagog war in der ganzen Welt verbreitet; von allen Ländern strömten die Kunstjünger nach Leipzig, um bei ihm Kontrapunkt, Canon und Fuge zu studieren. Noch viele Schüler von Jadassohn leben überall verstreut als erstklassige Meister. Was uns Juden aber besonders mit ihm verbindet, ist, daß dieser Meister 35 Jahre an unserer Synagoge den Chor leitete. Jadassohn tat es mit tiefster Überzeugung; denn er war durch und Huren Jude. — Ich erinnere midi noch genau einiger Begebenheiten, die ich hier mit einflediten möchte. — In den drei Jahren, da idi bei ihm studierte (Oktober 1898 bis Februar 1903), hatte idi olt die Freude, auf Spaziergängen und zu Haus mit ihm zusammen zu sein. Idi war ein ungefähr 22jähriger Jüngling, als ich aus Amerika ans hiesige Konservatorium kam, um bei ihm und Carl Reinecke zu studieren. Glatt rasiert, wie ich damals war, dazu noch hellblond, hielt mich der Meister für einen ediien Amerikaner, spradi stets englisch mit mir und glaubte einen der christiidien Gemeinschaft Angehörigen vor sich zu haben. Als ich ihn wieder einmal nadi Hause begleitete, kam er auf das Judentum zu sprechen, und da ich einige hebräische Ausdrücke in der Unterhaltung gebraudite, blieb er plötzlich auf der Straße stehen, schaute mich an und sagte: „Sind Sie denn Jude?" — „Ja, Herr Professor!" Da nahm er meine Hände, drückte sie liebevoll an sein Herz mit den Worten: Dnnn buiw "?3, wobei ihm Tränen in den Augen standen. — Als er später den Synagogenchor nicht mehr dirigierte, besudite er immer fleißig den Gottesdienst, den zu dieser Zeit der ehrwürdige Kantor Jacobsohn und als zweiter Saul Lilienthal}leiteten. Letzterer hatte die Gewohnheit, die Gebete sehr schnell zu sprechen. Bei