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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-12-11 · 13 (11.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
13 (11.12.1925)
Date
1925-12-11
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Seite 5 Industrialisierung oder ähnlichem. Besonders ausgebreitet ist die Anschauung, den Quell der Zersetzung Im Judentum zu erblicken, und manche Kreise rufen im Interesse der Kulturerhaltung zum Kampf gegen das Judentum auf. Insbesondere macht man zwei Einwände gegen das Judentum, die sich freilich ausschließen. Die eine Richtung sagt, daß es keine positive kulturelle Betätigung im Judentum gibt, daß es steril und parasitär ist. Die andere dagegen macht ihm den Vorwurf, daß es in seiner geschickten Betriebsamkeit die Herrschaft über die Kulturen der Völker an sich gerissen hat. Was den ersten Einwand anbetrifft, so ist nicht die Einzel 1 e i s t u n g des Juden, sondern die Kollektivleistung bemerkenswert. Dem Judentum verdankt die Weltkultur ihr Urerlebnis, die religiös ethische Kultur der Bibel. Kultur aus Einheitlichem, also Blut oder Rasse, erklären zu wollen, ist unmöglich, denn sie ist ein großes kompliziertes Gebilde, aus tausend Einflüssen zusammengesetzt. Ferner gab das Judentum dem deutschen Wesen das Ausgleichen de, das Gesc hm eidige. Obwohl seine Grund- Stimmung eine konservative ist, stellte es stets ehrliche und begeisterte Kämpfer für Freiheit und Recht. Sein Anteil am Liberalismus ist mehr, als das Hinneigen zu einer Partei, es ist der Ausdruck seiner freiheitlichen und staatsbürgerlichen Gesinnung. Schließlich hat das Judentum Kroße Bedeutung als Vermittler zwischen der gebenden und aufnehmenden Sphäre im Kulturleben. Das Judentum bedeutet darum unendlich viel für das deutsche Theater und für die Popularisierung der gewaltigen Geisteshelden, wie Goethe und andere. Bezüglich des zweiten Punktes ist es lächerlich, über die Betriebsamkeit des Judentums zu klagen. Der Deutsche muß einen etwaigen übermäßigen Einfluß des Judentums durch Arbeit überwinden. Grundsätzlich sei aber zu warnen vor historischen Falschmeldungen, welche alle „Ismen" und ähnliches, die einem unsympathisch sind, auf das jüdische Konto setzen. Frivolität beispielsweise sei nicht jüdisch, sondern die zwangsläufige Folge der Großstadtentwicklung. Ebenso ist zu verurteilen die Verallgemeinerung, welche Fehler, aber auch Tugenden des einzelnen Juden allen zuschreibt. Besonders unsinnig ist die falsche Vergleichsgrundlage. Wenn die Völkischen einen germanischen, mit allen Tugenden ausgestatteten Normaltypus konstruieren, und diesem gegenüber die schwarzen, für alles Böse der Well v e r a n t - wortlichen, Juden stellen, so sei das törichte Romantik. Die Zeit des rohen völkischen Antisemitismus ist vorüber. Gegen Ausnahmegesetze für die Juden werden sich die besten Teile des Volkes rühren und den Juden beistehen. Der Antisemitismus ist überwunden, der sich in der Gewalt austoben will. Das menschliche Problem aber bleibt. Wahre Kultur gesin n ung ist aber nur dort, wo der Antisemitismus überwunden ist. Der Vortragende schloß mit den Worten: „Fassen Sie die Juden uns nahe sein, und von dem Problem der Lebenszersetzung braucht keine Rede zu sein". Den ungewöhnlich geistvollen Ausführungen spendete die Versammlung anhaltenden Beifall. In der Diskussion begann ein ehemaliger Völkischer, der sich bekehrt hatte, über interne Vorgänge in der völkischen Bewegung zu sprechen, welche freilich ein bezeichnendes Licht auf die Gesinnung jener Schichten warfen. Ihm, sowie einem holländischen Pf" rrer, der das religiöse Element betont wissen wollte, erwiderte Herr Professor Nöl ing in einem scharf pointierten Schlußwort. Während der Diskussion verließen die Völkischen den Saal, wobei es zu kleinen Ruhestörungen kam. Insbesondere mußte einein völkischen Jüngling ein Revolver abgenommen werden, und ein anderer stach mit dem Messer um sich. Unter der energischen Leitung des Vorsitzerden der Leipziger Ortsgruppe, des Herrn Baumeister Julius Krause, konnte aber die Versammlung harmonisch und wirksam zu Ende geführt werden. F. G. Israelitischer Frauenverein Gelegentlich einer Besprechung, die kürzlich in Vereinssachen stattfand, stellte sich wieder einmal heraus, wie wenig unsere Leipziger Frauen über die Tendenzen des Israelitischen Frauenvereins orientiert sind. Es soll deshalb heute darüber einiges zur allgemeinen Kenntnisnahme gesagt werden. Der Israelitische Frauenverein zu Leipzig ist der älteste jüdische Frauenverein Leipzigs. Er ist der jüngeren Generation unserer Gemeinde weniger bekannt, weil er, seinen Satzungen entsprechend, in aller Stille wirkt und sich nie durch Veranstaltungen geselliger Art an die breite Öffentlichkeit wendet. Seine Aufgabe besteht darin, armen, kranken und alten Frauen sowie Mädchen Unterstützungen zu gewähren, zu ihrer Kräftigung und Fliege beizutragen und Medikairente und Bäder zu verschaffen. Ferner jungen Mädchen bei der Berufsausbildung behilflich zu sein und ihnen hierzu die Mittel zu gewähren! Vielen Tausenden hat der Verein in den mehr als sieben Jahrzehnten seines Bestehens wohltuende Linderung ihrer Leiden verschafft oder ihnen die Möglichkeit zu eigener Erwerbstätigtätigkeit gegeben. In der heutigen schweren Zeit sind die Anforderungen, die an den Israelitischen Frauenverein gestellt werden, außerermann fö orrmann - ^llfiren-^p^iaf-^escfiäff - fefemfr. 2 [ftfeeftner ©urcncjanj] / gegr. 1888 /Stuf 2773^ u. \ empfiefttf ' ■ I a C?L_____ mahn. ■a^ro 1hüj2 3 iff |*ä t^sSkJi ifiren in ^otd. §1 Iber Eigene IDerüsfaft für sofide Separat LADY-SALON gibt sich die &hrc, Sie zur E R O F F N U N G ganz ergebenst einzuladen. 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