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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-12-04 · 12 (4.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
12 (4.12.1925)
Date
1925-12-04
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG I. Jahrgang Abschiedsfeier des Jüdischen Frauenbundes Ortsgruppe Leipzig für Frau Bettina Brenner Krau Bettina Brenner, eine der bekanntesten und markantesten Erscheinungen der hiesigen jüdischen Frauenwelt, verlaßt Leipzig) um'nach Berlin überzusiedeln. In dem bis auf den letzten Platz gefüllten Feurichsaal widmete die Vorsitzende der Ortsgruppe, Frau Rabbiner Cohn, der Scheidenden warme Worte. Nicht der Wehmut des Abschieds sollte diese Veranstaltung gehören, sondern dem Gedanken an Arbeit, Schaffen und Erfolg. Ein Abschied darf nicht sein: denn ein Mensch, mit dem man durch persönliche Beziehungen, durch gemeinsame Arbeit, durch gleiche Ideen so lange eng verknüpft ist, bleibt nah, trotz aller raumlichen Trennung. Frau Rabbiner Cohn gedachte alsdann des dahingeschiedenen Vorstandsmitgliedes, Frau Dr. Lentschner, die zwar erst kürzere Zeit dem Kreise angehörte, aber durch ihre Hingabe an die Idee und ihre warme Herzensgute allen eng verbunden war. Danach ergriff Frau Brenner selbst das Wort. Sie sei auf einen Abschied nicht vorbereitet. Sie könne und wolle von ihrer Arbeit, von den Menschen, die ihr durch jahrelange Arbeit verbunden sind, nicht Abschied nehmen. Ganz persönlich wolle sie aus eigenen Erfahrungen einige Worte an die Hörer richten. Und sie sprach vom Schaffen der Frau, von der Notwendigkeit und Möglichkeit dieses Schaffens, das der Frau erst einen Lebensinhalt, eine Daseinsberechtigung gibt. Um all das Entseelende, Materialisierende um uns herum auszugleichen, müssen wir uns unseren eigenen neuen Rythmus schaffen. So selbstverständlich es ist, Galtin. Hausfrau und Mutter zu sein, so muß dennoch Kraft und Zeit vorhanden sein, für die Allgemeinheit zu wirken. Nur so ist es möglich, den Kontakt mit der neuen Generation, mit der Jugend zu erhalten. Frau Brenner geht dann in ihren Ausführungen auf die einzelnen Institutionen der jüdischen Frauenarbeit ein; den Israelitischen Kindergarten, den Frauenverein „Ruth", den Israelitischen Frauenverein, bei dem sie besonders der stets tatkräftigen Frau Zander gedenkt, das Erholungsheim Dürrenberg, den Schwesternbund. Besonders wesentlich ist ein Gebiet, das immer noch unterschätzt wird, auf dem die Frau große Leistungsmöglichkeiten hat: die Frau in der Gemeinde. Zuletzt sprach sie von der Ortsgruppe des Frauenbundes. Sie bedankte sich warm für die Mitarbeit und das Vertrauen aller, ohne die ihr jede Arbeit, jeder Arbeitserfolg unmöglich gewesen wäre. Besonderer Dank gebühre Frau Rabbiner Cohn und Frau Neumann. Danach sprach Frau Rabbiner Cohn. Sie erinnerte daran, wieviel Können. Kraft und Gesundheit Frau Brenner uns in den langen Jahren gegeben hat, an das Verantwortlichkeitsbewußtsein ihres Handelns, an die Kraft ihrer Persönlichkeit, durch die es ihr gelang, die Lauen und Schwachen zu wecken und zur Gefolgschaft heranzuziehen. Danach überreichte Frau Neumann eine Adresse, in der der Dank der Ortsgruppe ausgedrückt ist. Es sprachen noch Frau Zander, Herr Goldschmidt als Vertreter der Gemeinde, Frau Felsenstein im Namen des Israelitischen Kindergartens, zuletzt Frau Dr. Neuhaus. Frau Brenner dankte in bewegten Worten und sprach den Wunsch aus, recht oft Gast der Ortsgruppe sein zu dürfen. V. P. „Das jüdische Element bei Remhrandt" Im „Jüdischen Theaterverein Jüdischen Jugendbund" sprach am 19. d. M. der Kunsthistoriker, Herr Stud.-Ass. Kurz, über das obige Thema. In dem etwa anderthalbstündigen äußerst gründlichen und gelehrten Vortrag, der durch zahlreiche Lichtbilder illustriert war, brachte der Redner zunächst ein umfassendes Lebensbild des großen niederländischen Meisters und eine aus diesem Leben überzeugend entwickelte Darstellung des künstlerischen Werdegangs Rembrandts. Im folgenden Hauptteil des Vortregs wurden die Beziehungen Rembrandts zum Judentum in einer umfassenden Weise begründet und dargestellt: Der Redner ging von der Art der religiösen Erziehung in Deutschland und Holland aus, die um jene Zeit auf strenger Bibelgläubigkeit beruhte und gründliche Kenntnis des Allen Testaments vermittelte. Rembrandts viele Bilder mit der Darstellung seiner Mutter mit der Bibel in der Hand reden da eine deutliche Sprache. Überhaupt verrät das gesamte Werk des Meisters nidit nur seine ausgezeichnete Kenntnis des Alten Testaments, sondern auch seine große Vorliebe für dasselbe. Der Redner hob diese Tatsache mit den Worten hervor: „. . . obwohl das Neue Testament wohl über dieselben Stimmungswerte, doch nicht über dieselben Register verfügt". — Gelegentlich war auch ein Auftrag bestimmend für die spezifisch jüdische Themenwahl des Künstlers. Eine stärkere Begründung für die Hinneigung Rembrandts zum jüdischen Element war die tiefe Freundschaft mit Amsterdamer Juden, darunter Männer von klangvollen Namen. Remhrandt wohnte mitten im Amsterdamer Judenviertcl, an drei Seiten stieß sein Haus an die von bekannten portugiesischen Juden, wie Pinto u. a. Der reife Künstler fand gerade hier mehr Verständnis als in außerjüdischen Kreisen, besonders in der Zeit nach Vollendung der „Nachtwache", die sonst eine geradezu sensationelle Ablehnung erfuhr. Die tiefste Wirkung auf Rembrands künstlerisches Schaffen hatte u. a. der gemütstiefe und redegewandte Mystiker und Kabbaiist M a n a s s e ben Israel, Rabbiner in Amsterdam, und Ephraim Bonus. — Der sehr gut besudite Vortrag fand den lebhaftesten Beifall. M. J. ^"des 3. Stiftung« jüd. Frontsoldaten der ehem. östr.-ung. ■\ 2 findet am 2. Januar 1926, abends 8 Uhr im großen Festsaal des CENTRAL-THEATERS ■ statt. m Im Reiche des Wiener Walzers, Tanz- und Ballett-Vorführungen unter Leitung der Ballettmeister n Frau Erna Abendroth vom Neuen Theater. Leipzig ■ Tanzorchester Gustav Schätze, erstklassige Jazzband-Kapelle und Wiener Schrammein * sorgen für Stimmung und Tänzer! ■ Besondere Überraschungen in Vorbereitung. — Keine Tombola! ■ Hierzu werden alle Mitglieder und Gönner herzlichst eingeladen. ■ Besondere Einladungen werden nicht verschickt ■ Eintrittspreis MK. 2. Gesellschaftsanzug erbaten. Der Vorstand.

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