Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 11 (27.11.1925)
- Date
- 1925-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Seile 3 Bettina Brenner In Kürze wird Frau Bettina Brenner Leipzig verlassen, um ihren Wohnsitz nach Berlin zu verlegen. Der Fortzug dieser so ungemein rührigen, tatkräftigen und klugen Frau verursacht eine fühlbare Lücke im jüdischen Lehen Leipzigs. Frau Brenner stand schon seit Jahren im Mittelpunkte der jüdischen Frauenarbeit innerhalb unserer Gemeinde, und besonders ihrer Initiative verdanken unsere jüdischen Frauen das aktive und passive Wahlrecht zur Gemeindesitzung. Konnte sie auch als Verordnete dieses neu erworbene Recht nur kurze Zeit wahrnehmen, so ist doch ihr Name mit verschiedenen bestehenden Einrichtungen eng verknüpft. Die hiesige Ortsgruppe des „Jüdischen Frauenbundes" erlebte unter ihrem unermüdlichen Vorsitz einen bedeutsamen Aufschwung ihrer Stellung und ihrer Arbeitsgebiete; der „Jüdische Kindergarten", zu dessen Begründung sie den Anstoß gab, entfaltete sich unter ihrer Führung tu einem unentbehrlichen Faktor unserer jüdisch-sozialen Arbeit. Auch gehörte sie dem Vorstande des „Israelitischen Frauenvereins" an. Iis ist aber wert, auch das in der Erinnerung festzuhalten, was an vorübergehender, durch die jeweiligen Zeitbedürfnisse bedingter Arbeit unter ihrer zielbewußten Leitung erfolgreich in Angriff genommen und durchgeführt wurde. Die Nähstube, die im ersten Kriegsjahre bedürftigen Frauen Arbeit und Brot vermittelte, die groß angelegte Sammlung „für das jüdische Kind" (1921), die örtliche „Erziehungskonferenz" als Auftakt der großen jüdischen Erziehungskonferenz (1923), die „Mitlelstandshilfe" waren Beweise ihres tiefen Verständnisses für soziale Notwendigkeiten und ihres großen organisatorischen Geschicks. Im Hinblick auf solche so wertvollen Leistungen, die für eine weitere Wirksamkeit zu großen Hoffnungen berechtigten, ist ihr Wegzug tief zu bedauern. Frau Brenner, die schon geraume Zeit dem Vorstände der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden angehört und seit etwa einem Jahre auch erste Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes für Deutschland ist, wird an ihrem neuen Wohnsitze, in größerer Nähe der Zentralen dieser Organisationen, noch reichere Entfaltungsmöglichkeiten finden. I"s hegleiten sie unsere aufrichtigen Wünsche für ihre weitere segensreiche Tätigkeit. Zu dem geplanten Attentat gegen die Gemeindesynagoge Wie aus den Tageszeitungen bekannt, hat die politische Polizei die Verhaftung von zwei Männern vorgenommen, die Vorbereitungen trafen, die hiesige Gemeindesynagoge in die Luft zu sprengen. Die an amtlicher Stelle eingeholten Auskünfte weisen darauf hin, daß die Untersuchung bei der Staats* anwaltschaft geführt wird, so daß weitere Einzelheiten zurzeit nicht bekanntgegeben werden können. Wir werden daher auf die Angelegenheit erst eingehen können, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist. Elternabend im jüdischen Privatkiiidcrgartcn Im Vordergrund des letzten Liternabends stand ein Vortrag der Jugendleiterin Frl. Pohle über ..Kinderfehler". Die Referentin behandelte eingehend sämtliche Arten von Kinderfehlern, soweit sie auf Charakterveranlagung sowie auf bewußte oder unbewußte Beeinflussung durch Erwachsene zurück- M. Ritter. Elegantes Fuhrwesen Fernsprecher 20798. Matthäikirchhof 32 zuführen sind. Sie beschränkte sich dieses Mal darauf, die einzelnen Formen genau zu umschreiben, um auf diese Weise ihr genaues Auseinanderhalten den Eltern klar zu machen. Zum Schluß wies sie noch darauf hin, daß das vorbildliche und selbstbeherrschte Verhalten des Erwachsenen das beste Mittel sei zur Bekämpfung der Kinderfehler. — Mit ihren Ausführungen hatte die Referentin die Gemüter aller Anwesenden, die diesmal auch sehr zahlreich waren, so stark berührt, daß eine Unzahl von Fragen an sie gerichtet wurde. Hierbei konnte man mit besonderer Freude feststellen, von welch erzieherischer Bedeutung diese Abende sind. Manche Mutter schilderte eingehend die an ihren Kindern beobachteten Fehler und forschte nach Maßnahmen zu ihrer Abhilfe. Frl. Pohle, unterstützt durch die Oberkindergärtnerin Frl. Zabel, verstanden es in mustergültiger Weise, die Fragen der Fitem knapp und für diese zufriedenstellend zu beantworten. Sehr anregend waren auch die Ausführungen des Herrn Dr. Körber über eine suggestive Beeinflussung der Kinderfehler (nach der Lehre eines französischen Arztes namens Cou6). Danach entspann sich eine sehr lebhaite Diskussion über die Berechtigung solcher Methoden in der Kindererziehung. Herr Dr. Soloweetschik wandte sich in ausführlicher Entgegnung gegen die wahllose Anwendung der Suggestion, insbesondere im Kindesalter. Er betonte ein zielbewußtes und konsequentes Entgegenstellen der Persönlichkeit des Erziehers den schwankenden, aber oft sehr beharrlichen Willensäußerungen des Kindes. Man kann mit gutem Gewissen sagen, daß dieser Abend einen Höhepunkt in der Reihe Her bisherigen Elternabende darstellte. Die Elternabende des Kindergartens müssen früher oder später das Interesse unserer jüdischen Allgemeinheit auf sich lenken, da ihre Leitung bemüht ist, durch die Vorträge die Eltern in Erziehungsfragen systematisch fortzubilden. — Am 12. Dezember spricht Frl. Dr. Dyck: ..Das Seelenleben des Kindes". - Das Nähere wird noch bekanntgegeben. B. Soloweetschik. „Keren Hatauroh" Aul der Keneissjo gedaulo der Agudas Jisroel wurde bekanntlich angeregt, täglich zusammen ein Blatt Gem «roh zu lernen, um dadurch die Gemeinsamkeit des ideellen Slrebens zu bezeugen. Dieser Gedanke wurde auch in Leipl zig freudig begrüßt, und es versammeln sich allabendlich im Beiss hamidrosdi, Färberstr. 4-fi, zahlreiche I lörer, um an dem I geistvollen Vortrage des Herrn Rabbiner Feld mann teilzunehmen. Am Sonntag wurde Sseider Maueid beendet und mit Sseider Noscbim begonnen, und deshalb halten die Teilnehmer des Dal hajaumi ein Fest veranstaltet, das geistige und leibliche Genüsse in reichster Fülle bot. Hervorgehoben sden die An- 1 sprachen der Herren Rabbiner Feld mann, Dr. Carle« bach und Schmuckler sowie die Gesangsvorträge der Herren Kantoren Schneider und Spektor. Die Religionsschule des Vereins Aha was Tauro verband mit dieser Feier einen Ssijiun auf den Traktat Makkaus. Einige Schiller zeigten in Vorträgen die vollständige Beherrschung des Gelernten, so daß sämtliche Festteilnehmer erstaunt waren über das hohe Niveau, auf dem die Talmud Tauro gegen- Q mpf«fite mein rcufifiatti^c*?aqt<c In Juwelen, Uhreil, Göhl fn u Silber waren, feine Kristalle für Paten . Geburtstags-, Barmizwah-, Verlobung^- nnd =5 Hochzeitsgeschenke I f J eJtfuanferUoungen u l/marfteilmitjcn oon Äifmuctcjegenftflnden, [oicic 9tcp«ra- •>. turen a(f«r 5\rt werden prompt, »aufcer und &ifficj*f aufgeführt £. i. Erlbaum, Juweli »ichestr. 18-20. Telefon 1