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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-11-06 · 8 (6.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
8 (6.11.1925)
Date
1925-11-06
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 5 Centraivereins, Dr. Ludwig Holländer, hatte auf Grund einiger nachgewiesener Fälschungen die Summe' verlangt; da Fritseh sich weigerte zu zahlen, wurde durch das Vorstandsmitglied, Herrn R.-A. Dr. Goldschmidt, Klage erhoben, die in der Berufungsinstanz mit Fritsch's Verurteilung entschieden wurde. Seinem Ärger über dieses Ergebnis sucht Fritseh dadurch Luft zu machen, daß er das talmudische Schrifttum umso stärker angreift und behauptet: die Juden hätten nur mit größter Mühe eine einzige gefälschte Stelle herausgefunden, und das Gericht hätte alle anderen Stellen als richtig übersetzt und erklärt anerkannt. In Wahrheit hatte Dr. Holländer drei beliebige Stellen herausgesucht; das Gericht hat von diesen überhaupt nur eine einzige geprüft und das Urteil ausgesprochen, als schon diese Stelle sich als falsch übersetzt erwies. Im zweiten Teile seiner Ausführungen zeigte der Vortragende, daß die Fälschungen des Talmuds nicht immer so offensichtlich seien, daß auch der einfädle Verstand sie sofort begreife. Ls bedeute auch eine Fälschung, wenn man Sätze, welche zu anderen Zeiten unter anderen Rechtsverhältnissen geschrieben sind, als gültig für die heutige Zeit erkläre. Ebenso bedeute es eine Fälschung, wenn man die Meinungen von Einzelpersonen, welche sich im talmudischen Schrifttum finden, verallgemeinere und sie für den Ausdruck des jüdischen Geistes und des jüdischen Gesetzes I erkläre. Der Vortragende brachte hierzu Parallelen von anderen Völkern: Ls gehe nicht au, den Geist des Nibelungenliedes, der oft Rachsucht und Hat.) atme, für den auch heute noch herrschenden deutschen Geist zu erklären. Ls sei ferner nicht möglich, etwa die Einzeläußerungen des Grafen Reventlow für den Betriff deutscher Mentalität zu erklären. Besonders sei zu beuten, daß die Angriffe gegen die Fremdengesetzgebung des Judentums unberechtigt seien, weil das Judentum die Fremden lediglich nach dem Gegenseitigkeitsprinzip behandelt habe. Die Juden wurden in der Fremde noch schlimmer behandelt, iis die Fremden in jüdischer Umgebung. Fritsch, der sich über die Fremdengesetzgebung aufrege, verlange ja selbst strengste Maßregeln gegen die Juden und billige es durchaus, wenn beispielsweise Ostjuden aus Wohnungen vertrieben werden, die iie seit Jahren innehaben. In allen solchen Fällen seien die intisemiuschen Behauptungen Fälschungen, wenn auch nicht Fälschungen des Wortlautes der jüdischen Schriften, so doch Fälschungen des jüdischen Geistes, und ein Attentat neuen die isunde Vernunft. Der Vortragende erinnerte zum Schluß daan, dali in Wahrheit die talmudischen Schriften verhältnismäßig miges enthalten, das auch bei strengster Prüfung beanstandet werden könne. Jedenfalls enthielten die Schriften der Kirchenväter neuen Juden und Judentum tausendmal Schlimmeres und tausendmal Gehässigeres, als es jemals dem Judentum zu Schreinen eingefallen ist. Rabbiner Dr. Ooldmann schloß mit dem dringenden Wunsch, daß sich die große Masse der Juden ein wenig mehr mit den Angriffen auf das Sdirifttum beschäftige, damit jeder Einzelne das Judentum zu verteidigen imstande sei. An den Vortrau sdiloß sich eine kurze Ausspradie. Der Vorsitzende, Herr Baumeister Julius Krause, gab noch Vereinsnachrichten kund und schloß die harmonisdi verlaufene Versammlung um 10,30 Uhr. Person alnachrichten. Jubiläum. Am 1. November vereinigten sich Inhaber, Personal und Gesdiäftsfreunde des Kaufhauses Brühl, um ihren Geschäftsführer, Herrn Otto Mühlstein, zu feiern, der auf eine 25 jährige Tätigkeit im Dienste des Concerns Messer u. Waldsdimidt zurückblicken konnte. Vertreter der 1 landelskammer, des Finzelhandelsverbandes, wie die Leiter des hiesigen Hauses und des Dresdener Stammhauses rühmten in begeisterten Roden die großen Verdienste des unermüdlich und mit großem Lrlolge um das Gedeihen der Unternehmungen bestrebten Jubilars und knüpften daran ihre Wünsche für sein ferneres Wirken, denen wir uns herzlich anschließen. Vereinsnachrichten. Jüdischer Theaterverein Jüdischer Jugemlbund. Es wird nochmals herzlichst zu dem am Sonntag, d. 8. November im großen Saale des Centrai-Theaters stattfindenden Winterfest eingeladen. (Siehe auch die Anzeige in vorliegender Nummer.) Am Mittwoch, den IL November findet kein Vereinsabend statt. Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß die von Frau Anna Naumann geleitete Arbeitsgemeinschaft Bibelkunde am Donnerstag, den 12. November um 4,30 Uhr präzis beginnt und im Gemeindeamt, Lölirstr. 10, stattfindet. Um eine volle Ausnutzung der Zeit zu ermöglichen, wird redit pünktliches Erscheinen erbeten. Verein „Ahawas-Thora". Am Sonntag, den 8. November nachm. 5 Uhr, findet in i unserer Jeschiwa (Färberstr.4 t>) die Sium-Feier auf ganz Seder Maued vom Daf hajaumi bis keren hattauroh statt. Gönner und Freunde des Vereins sind herzlichst zum Sium und Sudas mizwah eingeladen. Kinderbeschenkung des Hilfst creins. Etwa 450 Kinder wurden vom I lilfsverein im vergangenen Jahre völlig eingekleieet. Die Zahl der Kinder, denen die Besdienkung in diesem Jahre die für den Winter so notwendige warme Kleidung geben soll, wird nicht geringer sein. Wir möchten deshalb nicht unterlassen, auch an dieser Stelle auf das segensreidie Hilfswerk zu verweisen und die Gebefreudigen I aufzurufen: Unterstützt die Kinderbesdunkung des Hilfsvereins durch reiche Spenden an Geld oder guten neuen | Bekleidungsgegenständen aller Art.

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