Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 8 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4876568-5968769-5968871--0128-4876663- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 8 Seite 3 sichert sei, und zieht seinen in der vorigen Gemtindesitzung gestellten Antrag, die Gemeinde möge das Gebäude kaufen, zurück. Czaczkea bedauert, daß das durch Sammlung aufgebrachte Geld nicht dazu verwendet wird, daß die Gemeinde das Gebäude kauft. Danach wird entsprechend dem Antrag Dubiner der Gegenstand verlassen. Der mit der Vorberatung über die Schaffung eines Gemeindeblattes betraute Ausschuß hat empfohlen, dem Schriftleiter einen ständigen Ausschuß beizugeben, in welchem alle einschlägigen Fragen erörtert werden sollen. Als Mitglieder dieses Ausschusses werden vom Gcmeindevorstaiid vorgeschlagen: der Syndikus Justizrat Lebrecht und die Gemeindeverordneten Gros/, und Schick. Zu dem Gegenstand liegt ein Schreiben von Frau Brenner vor, die verhindert ist, heute an der Sitzung teilzunehmen. Sie hält es für wünschenswert, daß das Gemeindeblatt nicht wöchentlich, sondern höchstens alle 2 Wochen erscheint; sie teilt bei dieser Gelegenheit mit, daß sie lüide des Jahres ihren Wohnsitz nach auswärts verleben und deshalb aus der Gemeindevertretung, in der mitzuarbeiten ihr eine Freude und Ehre gewesen sei, ausscheiden wird. Gemeindevorsteher G o I d s c h m i d t verweist darauf, daß die Gemeinde vertraglich an eine wöchentliche Herausgabe des Gemeihdeblattes gebunden sei, und daß die Druckerei, die die Zeitung kostenlos liefert, mit Rücksicht auf die Inserenten sich wohl schwerlich auf eine Änderung einlassen werde. G z a c z k e s verspricht sich durch Mitarbeit weiterer Kreise einen vielseitigeren Inhalt des Gemeindeblattes und schlägt deshalb vor. die Herren Dr. Suhl und Blauner in den Ausschuß zu wählen. Die Versammlung hält es aber für richtig, den Ausschuß auf Mitglieder der Gemeindevertretung zu beschränken, und lehnt deshalb den Vorschlag ab. T u m p o w s k y bringt in Erinnerung, daß das Gemeindeblatt nur ein Publikationsorgan des Gemeindevorstandes sein soll, und daß für sonstige jüdische Interessen die anderen hier erscheinenden jüdischen Zeitschriften zur Vertilgung stellen. Audi Justizrat Dr. 1.owenstein hält es für richtig, daß das Gemeindeblatt nur vierzehntägig erscheint Auf seine Anregung wird dem zu bildenden Ausschuß aufgegeben, bei erster Gelegenheit hieraul hinzuwirken. Im Zusammenhang hiermit betont T u m p 0 w S k J die Notwendigkeit, daß die Berichte über die Gemeindesitzungen im Gemeindeblatt unbedingt objektiv und unparteiisch gehalten werden. Um allen Bedenken Rechnung zu tragen, beantragt Schick wörtlichen Abdruck der amtlichen Niederschriften. Dem widersprechen Goldschmidt. Justizrat Lebrecht, Dr. Woh ri ze k . Justizrat l) r. 1 öjwenstein, Lustig und Rosenfelder, die übereinstimmend der Meinung sind, daß auf diese Weise ein lebensvolles Bild von den Verhandlungen ■der Gemeindesitzungen nicht gegeben werden kann; auch die wörtliche Widergabe der Verhandlungen nach stenographischer Aufnahme wird nicht für angezeigt erachtet. Von den Rednern wird hervorgehoben, daß die bisherigen Berichte durchaus unparteiisch gehalten waren, sie werden von einem Redner sogar als vorbildlich objektiv bezeichnet. Um allen Meinungen gerecht zu werden, wird ein Vorschlag des Gemeindevorstandes angenommen, wonach die Berichte vor der Drucklegung dem einzusetzenden Ausschuß zur Prüfung vorgelegt werden sollen. Danach wird der Ausschuß nach dem Vorschlage des Vorstandes gewählt und als Stellvertreter für Herrn Direktor Grosz. Herr Fein, für Herrn Schick Herr Tumpowsky bestimmt. Als Mitglieder des Wahlausschusses, in welchem statutengemäß der Gemeindevorsteher den Vorsitz führt, werden einstimmig durch Zuruf Frau Felsenstein und die Herren Kaufmann. Kestenbaum, Pelz, Schick und Dr. Wohrizek gewählt. Für die Änderung der Wahlordnung liegt ein Entwurf vor, der von dem eigens hierfür eingesetzten Ausschuß unter Mitwirkung der Herren Rechtsanwälte Dr. Hodes, Dr. Kaufmann und Dr. Kroch ausgearbeitet worden ist. Der Gemeindevorsteher spricht diesen Herren auch von dieser Stelle aus den herzlichsten Dank für ihre mühevolle Arbeit aus. Czaczkes stellt fest, daß nach der vorliegenden Fassung der Wahlordnung kein Unterschied zwischen Inländer- und Ausländerwahlvorschlägen>gemacht wird: dem wird von keiner Seite widersprochen. Ein Änderungsvorschlag des Herrn Czaczkes ,^eht dahin, daß dem Wahlprüfungsgericht zwei Ausländer angehören sollen und daß der Syndikus nur beratende Stimme haben soll. Dem hält Schick entheben, daß gerade dadurch, daß der Gemeindesyndikus den Vorsitz im WahlprüfungSgericht führt, dem Nachprüfungsverfahren eine gewisse Stetigkeit begeben werden soll, daß diese aber durch einen Wechsel des Vorsitzenden gefährdet würde Nach dem vorliegenden Entwurf sei bereits die Möglichkeit gegeben, Nichtreichsange* hörige in das WahlprUfungsgericht zu wählen, und es sollte auch hier nicht zwischen In- und Ausländern unterschieden werden. G o I d s c h m i d t unterstreicht, daß ein Außenstehender als Vorsitzender des U'ahlprüiunbsberichles sich nur mit Mühe einarbeiten könnte und daß der Gemeindesyndikus der gegebene Vorsitzende sei. Darauf wird beben 3 Stimmen die Änderung der Wahlordnung nach dem vorliegenden Entwuri beschlossen. Der Vorsitzende teilt noch mit, daß die Steuerordnung vom Ministerium genehmigt ist, und daß das heute abwesende Vorstandsmitglied, Ilerr S.Gottlieb, 200 Mk. zur Aufrundung der zum Andenken an seine selige Galtin errichteten Stiftung auf 1000 Mk. gespendet hat Anschließend findet eine Sitzung des Wahlausschusses statt, in der als Wahltag der ti. Dezember festbesetzt wird. Aus Leipzigs alten Tagen Schwierigkeiten bei der Bestattung jüdischer Meßbesucher im 17. und 18. Jahrhundert. In ihren Memoiren spricht Glückele von Ilamein (K>46— 1724) mehrfach auch von Leipzig. Der Kreis, in dem sie lebte, setzte sich aus Kaufleuten zusammen, und für diese gehörte die Teilnahme an der Leipziger Messe zu den geschäftlichen Notwendigkeiten. Sie vermerkt wohl meist nur die Tatsache, daß der oder jener nach Leipzig bereist oder von dort bekommen sei, oder daß er sich gerade in Leipzig befunden habe, während der oder jener Vorgang sich ereignete; auch sie selbst hat wiederholt die Messe besucht. Aber an zwei Stellen beben ihre Aufzeichnungen Einblicke in Kulturzustände, die dem Menschen des 20. Jahrhunderts geradezu unfaßbar erscheinen. Wf Grimmatfche-Str. 21 Berneburg. RWER'khrcibmakhincn Das eine Mal schreibt sie, nicht ohne Grauen, von einer ernsten Erkrankung ihres Mannes, die ihn während seines Aufenthaltes in Leipzig befiel. ..Damals war es in Leipzig für Juden sehr gefährlich; denn wenn — Gott behüte — ein Jude dort gestorben wäre, hätte es ihm alles Seinige gekostet." Es ist verständlieh, wenn seine Reise der Daheimgebliebenen doppelte Besorbnis verursachte; ...... ich hatte schon oft Todesangst ausgestanden, daß mein Mann in Leipzig krank würde". ü Q mpW''c rm-m rcidthofOgca £ager in Juweleu, Uli reu, Gold fO u Silberwaren, feine Kristalle für Paten-, Geburtstags-, Barmizwah-, Verlobungs- und 5 Hochzeitsgeschenke. * f £ dleuanfertigungen u. .Umarbeifungen oon £ifimuc4<jegen[f<lnden, foirie Keporatj luren aller S\rt »erden prompf, sauber und biftigtl autgefübrf. — t* B S. Erlbaum, «Juwelier Rtyichsstr. 18-20. Telefon 16375.